Bild/Illu/Video: Marcus Duff

Vom Himmel hoch.

«Hättest du Lust auf ein Shooting auf dem Clariden-Gletscher?»

«Worum geht es?»

«Ein verrückter Schweizer will sein Custom-Bike dort ablichten und sucht jemanden, der das für ihn inszenieren kann.»


Für solche Projekte bin ich immer zu haben. Also sage ich spontan zu. Allerdings: Es bleibt wenig Zeit für die Vorbereitung. Zwei Tage, um genau zu sein. 


Ich kontaktiere den verrückten Schweizer. Er heisst Urs Wamister und erzählt mir, er habe einen Japaner namens Kaishiro Kurosu eingeflogen. Er möchte ihm für seine exzellente Arbeit mit einem speziellen Erlebnis danken. Für mich im Moment wichtig: Kaishiro Kurosus Kleidergrösse, da ich nicht weiss, ob er wintertauglich ausgerüstet ist und allenfalls passend ausgerüstet werden muss.


Zudem: die Wetterprognose und mögliche Standorte auf dem Gletscher, wo wir das Custom-Bike ablichten können. Urs schickt mir per Whats-App ein Bild. Wow! Dieses Custom-Bike sieht wirklich toll aus!  Es erinnert mich an das Bike von Batman.


Der Termin steht: Abhaken. Das Wetter wird perfekt: Abhaken. Das Bike ist fertig gebaut und für den Flug bereit: Abhaken. Bei der Bekleidung für den Gast aus Japan ist guter Rat etwas teurer. Doch mit dem Lifestyle- und Motorbike-Experten Emanuel Elsa steht mir der richtige Mann zur Seite. Er löst mein Problem mit ein paar Anrufen. Nebenbei erwähnt er, dass Kaishiro Kurosu, den ich ablichten darf, einer der Besten seines Faches ist. Die Anspannung steigt. Emanuel weiss, wie man den Adrenalin-Pegel bei anderen steigen lässt.  


Die Umgebung vor Ort kenne ich vom Winter her. Da hat mich der grösste Windkolk Europas wie ein Magnet angezogen: eine eindrückliche Schneemauer von über 65 Meter Höhe. Diese will ich in die Bilder integrieren. Deshalb hoffe ich, dass Eis und Schnee noch nicht geschmolzen sind. Was nicht selbstverständlich ist angesichts der letzten Hitzesommer.  


Zwei Tage später. 05.30 Uhr. Ich treffe auf die Heli-Crew: Peter und Marcel Kühne, Vater und Sohn. Wir fahren hinauf auf die Alp, auf über 2000 Meter, wo uns Remo mit dem Heli abholt.

Während des Überflugs gehe ich alles noch einmal im Detail durch.


Helikopterflüge sind teuer. Wir haben ein festes Budget zur Verfügung, weshalb die Vorbereitung für alle Beteiligten sehr wichtig ist. Wir landen auf einem offiziellen Landeplatz. Dieser ist ideal, und jetzt weiss ich: Das werden tolle Aufnahmen.


10.00 Uhr. Jetzt sehe ich sie, die Highway-Fighter-Maschine. Sie schwebt durch die Luft, kommt näher, wird grösser, setzt gekonnt zur Punktlandung an. Nun steht sie vor mir, noch eindrücklicher als auf den Bildern. Weltweit dreimal verkauft. Einmal an Brad Pitt. Dann steigt er aus, mit einem breiten Lächeln im Gesicht: Urs Wamister, der zweite Besitzer eines dieser eindrücklichen Custom-Bikes. Mit ihm: Kaishiro Kurosu, der Stargast aus Japan.


Das Shooting beginnt. Custom-Bike, Landschaft und Fahrer werden ins richtige Licht gerückt. Die Zeit vergeht rasend schnell. Ein letzter Perspektivenwechsel. Sorgfältig achten wir darauf, dass das Custom-Bike keinen Kratzer abbekommt. Dann ist Schluss.  


11.30 Uhr. Wir nehmen Abschied: vom Bike, von Urs Wamister und von Kaishiro Kurosu. Die beiden fliegen zurück zu ihrer Basis auf dem Klausenpass. Während wir das Geräusch des Helikopters hören, der uns nach Hause bringen wird, düsen der verrückte Schweizer und sein japanischer Gast bereits Richtung Stuttgart, wo sie an einem BMW-Event teilnehmen werden.


Die Anspannung lässt nach. Zufriedenheit macht sich breit. Bis Remo uns mitteilt, es könnte eng werden mit dem Sprit. Die Crew reagiert mit entsprechenden Kommentaren, während ich stiller und blasser werde.


12.00 Uhr: Mit dem letzten Tropfen Sprit setzt Remo auf der Alp zu einer sicheren Landung an. Ich habe wieder festen Boden unter den Füssen. Die Farbe kehrt in mein Gesicht zurück und das zufriedene Lächeln ist auch wieder da. Manche Erfahrungen sind einfach unbezahlbar. Das war so eine.

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