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Vom unerwarteten Glück
Bild/Illu/Video: Milena Rominger

Vom unerwarteten Glück

Krisen kommen. Sie gehen aber zum Glück auch wieder. Zum Glück. Es dauert manchmal länger, bis die nächste Krise vor der Tür steht, manchmal steht sie unmittelbar bevor. Und jedes Mal sind wir versucht, das Beste daraus zu machen, oder den Kopf in den Sand zu stecken.


Aber hier soll es nicht um Krisen gehen, sondern um die viel schönere Seite, nämlich das Fenster, das sich nach der Krise öffnet, das sich auch ohne Krise öffnen kann. Einfach so, unerwartet. Das Fenster zum Glück.


Vor diesem Fenster tummeln sich die Schmetterlinge auf einer saftigen Blumenwiese, während die Sonne ihre Strahlen darüberlegt und Luft, Erde und das einst neblige Gemüt erwärmt, aufwärmt, zum Glühen bringt. Klingt kitschig.


Und dann, wenn man zu diesem Fenster hinausklettert, was nicht immer einfach sein kann, ist man mittendrin. Die Sonne kann genossen werden, die Natur, wie sie blüht und lebt, manch einer pflückt sich einen Blumenstrauss, als Erinnerung. Zum nach Hause nehmen und auf den Tisch stellen, in der Hoffnung, dass diese Blumenpracht nie verblüht. Ja, die meisten von uns möchten das Glück festhalten, weil es einfach zu schön ist, darin zu schwelgen. Sich darin zu suhlen, wie die Sau im Dreck.


Ist die Kunst aber nicht, das Glück überhaupt erst zu erkennen? Sich von den Marionetten-Fäden des Alltags zu lösen, und in die Wiese des Glücks zu springen? Das zu erkennen, und schliesslich auch zu tun und nicht an diesem offenen Fenster vorbeizulaufen, erfordert manchmal auch so etwas wie Mut. Schliesslich hat man doch immerzu dieses Idealbild von sich selbst im Kopf und steuert darauf zu. Und dann kommen mitten auf dem Weg, diese offenen Glücksfenster an einem vorbei, aus heiterem Himmel und nichts ist gerade vergleichbar mit dem Idealbild, worauf man doch zielstrebig und mit Scheuklappen hinsteuert.


Nicht jeder weiss, dass er glücklich sein soll, darf, kann, muss. Auch wenn sich das Glück ganz anders verbildlicht, als wir es uns aussuchen. Das es eben sein Recht ist auch zwischendurch einmal, aus dem Fenster in dieses saftige Blumenparadies zu hüpfen. Nicht erst, wenn man da ist, wo man alles Erreichbare erreicht hat. Doch wenn wir uns getrauen, umgibt uns das Paradies wie eine Schutzmauer. So, als würden wir im Teich schwimmen, wo der Wasserfall endet, um uns herum eine Anhöhe an Felsen, die mit Büschen und Sträuchern, mit herabhängenden Lianen geschmückt sind. Und darin wollen und dürfen wir verweilen. Bis uns der Strom des Wassers ans Ende des Beckens treibt. Jetzt haben wir die Wahl; wir können uns an einer Liane hochziehen oder einfach aus dem Wasserbecken an Land befreien, den Weg zurückspazieren und uns den nächsten Tümpel zum reinspringen suchen. Oder wir lassen uns treiben, fallen mit dem Wasserfall und wissen nicht, was uns da unten erwartet. Entweder ein harter Felsbrocken, oder der nächste Tümpel. Oder ein ganz neues, wünschenswertes Idealbild, das kaum mehr etwas mit dem alten zu tun hat.


Vertrauen wir also auf unser Gefühl. Trauen wir uns aber, im Glück zu schwelgen. Denn manchmal kommt es unerwartet. So unerwartet wie ein Glace-Stand nach einer fünfstündigen, durstigen Autofahrt in der öden Wüste. Da sollte man anhalten. Nicht denken, jetzt fahren wir noch den Rest, gleich haben wir es geschafft. Wer weiss, welche wunderbare Glace-Sorte dort auf dich wartet, die du im anschliessenden Leben vielleicht nie wiederfinden wirst?

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