Von Amazonas bis Zalando
Bild/Illu/Video: Yvonne Michel Conrad

Von Amazonas bis Zalando

Allem voran ist es unser Konsum, der die grössten Ungerechtigkeiten auf der Welt steuert, der für die Klimakrise mitverantwortlich ist. Konsumbewusste Entscheidungen sind unabdingbar in den Diskussionen zum Umweltschutz.


Der Amazonas brennt

Schon als Kleinkinder haben wir über den WWF mindestens 1 Quadratmeter Regenwald gekauft. Vor rund 35 Jahren sind wir mit 60 Franken zur Post gelaufen und haben uns ein kleines Stückchen Regenwald gesichert. Er erstreckt sich über einen grossen Teil Südamerikas und ist in seiner Bio-Diversität nicht zu übertreffen. Es ist eines der am meist erforschten Ökosysteme des Planeten. Der grösste Regenwald der Welt gehört zu neun lateinamerikanischen Ländern. Davon gehört ein Drittel zu Brasilien. Der Amazonas verschwindet und dies wahrscheinlich sogar schneller als wir denken. 1,5 Hektar des Amazonas verschwindet jede Sekunde und mit ihm jeden Tag im Durchschnitt 137 Arten. Etwa 21 Millionen Menschen nennen das Amazonasgebiet ihre Heimat, darunter circa 50 entfernte Stämme, die noch nie Kontakt zur modernen Zivilisation hatten.


Der Regenwald ist keine Lunge

Der Regenwald stösst jeden Tag unglaubliche 20% des Sauerstoffs der Welt aus. Das sind weit mehr als jedes andere Ökosystem, aber die zersetzende Pflanzenmasse gibt etwa die gleiche Menge CO2 wieder ab, was bedeutet, dass der Regenwald mit sich im Gleichgewicht ist. Zudem wandelt der Regenwald nur bei Sonnenlicht CO2 in Sauerstoff um. Nachts braucht er Sauerstoff wie wir auch. Dennoch, fällt er weg, fehlt ein entscheidender Teil unseres globalen Ökosystems und die Erde wird sich deshalb zusätzlich erwärmen, auch wenn uns die Luft vorerst nicht ausgeht. Der Grossteil des Sauerstoffs, den wir atmen, stammt tatsächlich von Mikroorganismen und Algen in den Ozeanen der Welt. Das Meer ist unsere Lunge. Halten wir ihm Sorge. Abfallreduktion ist auch eine Baustelle.


Die Entwaldung des Regenwaldes

Die Entwaldung allein im Amazonasgebiet macht 30% der globalen CO2-Emissionen aus und wenn es so weitergeht, wird in 20 Jahren nichts mehr übrig sein. Seit Wochen brennen hunderte Quadratkilometer Regenwald im Amazonasbecken. Mit der Brandstiftung wollen Bauern Weideflächen für ihre Rinder schaffen. Brasilien ist der grösste Rindfleisch-Exporteur der Welt. Der Sojaanbau ist dabei von zentraler Bedeutung. Wenn der Regenwald wegfällt, dann wird Brasilien zur Wüste. Gerade der Regenwald sorgt für den Regen, der für Viehzucht und Sojaanbau unverzichtbar ist. Ein Blick auf die Erdkugel bestätigt diese dürren Aussichten auf Äquatorhöhe.


Gegen Ausbeutung und Zerstörung

Unsere Kaufentscheidungen haben grossen Einfluss auf weltliche Machenschaften und auf die globale Wirtschaft. Wir haben es in der Hand mit einem bewussten Konsumverhalten möglichst wenig zu schaden. Die Ausbeutung von Mensch und Umwelt steht in unserer Verantwortung. Es hat für alle genug. Mit unserem vergeudeten Drittel könnte man den hungernden Sechstel sogar zweimal ernähren. Flicken wir wieder Kleider und Gegenstände, teilen wir unsere Maschinen und Werkzeuge in der Nachbarschaft, rücken wir wieder näher zusammen. Unsere Vorfahren haben das alles schon so gemacht. Wir müssen unsere Kultur nur wiederfinden.  

Handle Jetzt, konsumiere bewusst:


1. Kaufe regionales Bio-Fleisch, regionale Milch/Yoghurt und regionale Freilandeier in Bio-Qualität.

Neben der Viehzucht ist der Sojaanbau der wichtigsten Treiber der Regenwaldabholzung in Brasilien. Soja aus dem Amazonasgebiet landet auch hier als Futtermittel in der Massentierhaltung. Bei Fleisch gilt: Lieber weniger davon konsumieren. Die hohe Fleisch-, Milch-, und Eierproduktion in der Schweiz ist nur mit importiertem Futter möglich, was insgesamt 300’000 Tonnen Soja bedeutet.


2. Vermeide konventionelles Palmöl – auch dafür wird Regenwald gerodet

Im Amazonasgebiet spielt Palmöl zwar eine untergeordnete Rolle, denn das meiste stammt aus Indonesien und Malaysia. Da ist die Situation im Übrigen noch viel schlimmer, als in Südamerika.


3. Spare Papier, verwende Recyclingpapier, und kaufe keine Möbel aus Tropenholz

Das für die Papier-Produktion verwendete Holz stammt selten aus heimischen Wäldern. Meist stammt es aus Skandinavien, Indonesien und Brasilien. Das Holz für unsere Möbel und andere Produkte kommt unter anderem aus dem Amazonas. Auch hier spielt Brasilien eine untergeordnete Rolle. Länder wie Malaysia, Papua-Neuguinea, Indonesien, Myanmar und Thailand exportieren weit mehr als das Amazonasgebiet. Dennoch: In Südamerika liegt Brasilien vorn. Ein großer Teil des Tropenholzes wird illegal gerodet und gehandelt. Kaufe deshalb Möbel und andere Erzeugnisse aus nachhaltiger Produktion und mit dem Schreiner deines Vertrauens.


4. Unterstütze Aufforstungsprojekte, arbeite für und mit dem WWF und Greenpeace

Nutze «Ecosia» statt Google. Die nachhaltige Suchmaschine pflanzt für jede Suche auch Bäume im Amazonas-Regenwald. Auch die Tropenwald-Stiftung «Oro Verde» pflanzt Bäume, um den Regenwald zu erhalten sowie auch die Organisation «Plant for the Planet». Organisiere eine Baumpflanzaktion in deiner Stadt und arbeite mit örtlichen Experten vom WWF oder Greenpeace zusammen. Seit jeher haben wir Menschen mehr Bäume gerodet, als gepflanzt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wälder sind unsere besten Partner im Klimaschutz.


5. Kaufe Kleider und Produkte aus nachhaltiger Produktion

Leder ist zwar schön, aber von wo kommt es? Im Idealfall stammt es aus zweiter Hand. Brockenstuben sind beispielsweise voll davon. Generell sind Billigprodukte fast immer umweltschädlich und auch sehr schnell kaputt. Zudem werden Menschen dafür ausgebeutet. Zahle lieber mehr für weniger. Online-Einkäufe bei Zalando und Co. sind ein No-Go für Umweltbewusste. Die Pakete fliegen vermehrt direkt aus China ein und es werden immer mehr. Unterstützt nachhaltige Textilproduzenten und Läden aus der Region. Geht in die Läden und schaut genau auf die Etikette. Für das besondere Kleidungsstück helfen auch Textilwerkstätten und Schneiderinnen am besten weiter.


Die Zukunft ist weiblich!
Zusammen und mit wenigen Anpassungen von unserem Konsumverhalten, können wir etwas ausrichten ohne dabei auf alles verzichten zu müssen. Wir haben einfach keinen Planet B. Machen wir jetzt alles dafür, dass unsere Kindeskinder sich auch noch an der Schönheit unserer Erde erfreuen können und dass der Regenwald nicht zur Geschichte wird. Übernehmen wir Verantwortung. Wir haben es in der Hand.


Quellen: Greenpeace, Utopia.de

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