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Von Audifans und Weltrekorden

Aber erstmal ein bisschen Background: Der «Audi Club International Slovensko» (ACIS) formte am 07.09.2019 aus 196 Fahrzeugen der Marke Audi die 4 charakteristischen Ringe sowie aus 18 weiteren Fahrzeugen den Schriftzug des Clubs. Damit holte die Slowakei den (inoffiziellen) Weltrekord.


Doch auch in der Gegend um die geschichtsträchtige Geburtsstätte der Marke existiert sie, die Fangemeinde. «Wir waren der Meinung, der Weltrekord gehört nach Deutschland», sagt Matthias Müller, der Geschäftsführer des «Audi Club Vogtland». Doch die (nun offizielle) Bestmarke sollte nicht einfach irgendwo aufgestellt werden, sondern am Geburtsort der Kultmarke: im sächsischen Zwickau.

...da wir einmal dabei sind: am 03.09.2005 wurde im deutschen Hann. Münden ein andersgearteter Weltrekord aufgestellt. Die längste zusammenhängende Parade von Audis mit insgesamt 282 Fahrzeugen. Also soll die Chance und die einmal bereitstehenden Fahrzeuge gleich genutzt und auch dieser Rekord geschlagen werden, allerdings auf dem ebenfalls im Umkreis Zwickau liegenden Sachsenring in Oberlungwitz.


Doch zurück zur nicht ganz alltäglichen Morgenroutine. Nach dem obligatorischen Kaffee und aufgeregtem Broteschmieren wagen wir uns noch einen letzten Blick auf die Fahrzeuge meiner Freundin und mir. Während die Morgensonne den Blechkurven schmeichelt macht mir der Gedanke an mögliche Wettereskapaden zu schaffen.


Immerhin habe ich extra die Sommerräder draufgesteckt und das im Februar. Was tut man nicht alles. Vorsichtig optimistisch beladen wir unsere Gefährte und beginnen die Reise ins sächsische Klingenthal, etwa eine halbe Stunde entfernt. Dort befindet sich nicht nur das Zuhause des «Audi Club Vogtland», sondern auch die erste Station des Tages: ein erstes Zusammentreffen mit anderen Teilnehmern, allerdings erstmal im kleinen Rahmen.


Pünktlich auf dem bereits gut gefüllten Marktplatz angekommen beginnt ein erstes Beschnuppern mit den anderen Anwesenden, denn: auch clubfremde Audifreunde sind mit dabei, wollen Teil des Weltrekords sein. Über die Zeit sammelt sich somit ein buntes Trüppchen von rund 100 Fahrzeugen aller Typen und Jahrgänge (von Autos natürlich) und so kommt es, dass bereits hier Kraftmänner wie ein RS6 friedlich neben fast schon fragil wirkenden Klassikern wie einem Audi 100 C1 aus den 1970ern stehen. Wir laufen, schauen, unterhalten uns – bewundern Foliendesigns und Umbauten, Felgen und Endrohre, Klassiker und Neuwagen, Showfahrzeuge und Alltagsgeräte. Zeitgleich erhalten wir unsere Nummern für den geplanten zweiten Weltrekordversuch, die 269 und 270. Die Augen werden größer, das Herz geht auf. Und trotz der Höhenlage ist kein Gramm Schnee zu sehen.


Nach dem abermals dringend benötigten Kaffee kommt Bewegung in die Runde. Es ist 10:30Uhr und somit Zeit zur Abreise. Das Ziel? Der Platz der Völkerfreundschaft im Herzen von Zwickau/Sachsen. In einer angenehm entspannten Art setzt sich der Tross in Bewegung und schlängelt sich wie an einer Schnur aufgefädelt über die bergigen Straßen von Vogtland und Erzgebirge. Keine wahnsinnigen Überholmanöver, keine quietschenden Reifen, keine Spur der sonst in den Medien so gern verteufelten Raser. Aber ehrlich gesagt überrascht mich das wenig.


Gerade als ich das Cruisen in meinem Coupe Typ89 genieße, meine Freundin in ihrem paradiesgrünen A4 im Rückspiegel, erblicke ich den Feind: Schnee! Rechts, links, überall! Und schon bin ich eingekreist und chancenlos. Zumindest fast. Die Straßen sind größtenteils trocken, die Temperatur konstant bei ein paar Grad plus. Nach einiger Zeit verlassen wir die Höhenlagen und erreichen mit den tieferen Gefilden auch wieder die grüne Flur. Rund eine Stunde später finden wir uns im Herzen von Zwickau wieder, an der Einfahrt zum Platz der Völkerfreundschaft.


Umgeben von wild blätternden Ordnern, die im stürmischen Wetter versuchen unsere Startnummern in ihren Unterlagen zu überprüfen, rollen wir langsam über die große freie Fläche und werden zu unseren Parkplätzen gelotst. Alles fein säuberlich organisiert und tadellos ausgeführt. Zumindest aus meiner Sicht gibt es nichts zu meckern. Mit sicher verstauten Audis und strahlenden Augen machen wir uns auf den Weg und wandeln durch die glänzenden Blechmassen hin zum Registrierungszelt, das sich - wie sollte es anders sein – genau diagonal gegenüber des nicht gerade kleinen Platzes befindet. Dort herrschen volksfestähnliche Verhältnisse: ein durchaus brauchbarer DJ sorgt für Stimmung, es gibt ebenso viele Supersportwagen zu bestaunen wie Auswahl am Bratwurststand und auch ein eher gering besuchter Glühweinstand sorgt für das Wohl der Besucher.


Am Ende der Registrierungsschlange angekommen ertönt die Stimme von Matthias über die Lautsprecher. Er begrüßt die Teilnehmenden und gibt den Fahrplan für die kommenden Aktionen bekannt, vor allem für das Stellen der Fahrzeuge fürs Bilden der Audiringe. Es beginnen die Nummer 1 (klar, was sonst) und auf der anderen Seite des Platzes die 270. 270?! Na toll. Wie von der Tarantel gestochen eile ich an verführerischem Blech vorbei zu meinem Fast-Klassiker und begebe mich auf Position.


Da steh ich nun. Auf einem riesigen abgesperrten Platz - mutterseelenallein.


Doch keine Angst, der Ordner naht! Er weist mich in sicherer Position genau auf die bereits angezeichneten Ringe und winkt auch meine Freundin mit der Nummer 269 heran, auf dass sie ihre Position auf dem Parkplatz an meiner Seite einnehme. Klassisch bizarr-romantisch. Aber toll.


In den kommenden Stunden vertreiben wir uns die Zeit mit surreal großen Augen in den Reihen der Fahrzeuge sowie deren gespannt wartender Besitzer. Violett folierte R8 Spyder (ja, du warst nicht zu überhören), komplett mit Schlamm eingesaute Q7 und auf dem Boden kratzende Airrider aller Typen geben sich hier die Hand mit exquisiten Klassikern wie einem 1936er Audi 225 Cabrio, welches vom August Horch Museum Zwickau an den Start geschickt wurde.


Doch nicht nur die seltenen und leistungsstarken Fahrzeuge sorgten für Aufsehen, sondern auch die alltäglich bewegten Audis aller Baujahre, welche die Liebe zur Marke und den dahinterstehenden Gemeinschaftsgeist zum Ausdruck bringen. Viele der Teilnehmer waren weit gereist: Neben tschechischen Audifans traf man hier auch Fahrer aus Wiesbaden, Wolfenbüttel und sogar aus der Schweiz. Alle mit dem Ziel, sich als Teil des Weltrekordes zu verewigen.


Die sonst so leicht auszumachenden Grenzen zwischen «Käufern» und «Schraubern» begannen zu verschwimmen und sorgten für ein fast schon sentimentales Familienklima wie man es aus meiner Erfahrung selten auf einem Treffen erlebt. Bei all dem bleibt zu bemerken: Keine Idioten, die negativ mit Burnouts oder Ampelspurts auffielen, keine Pöbeleien und auch kein Gefühl des Bemessen-werdens. Einfach ein friedliches Miteinander, soweit ich sehen und hören konnte. ...und bevor jemand fragt: ein auf dem Parkplatz stehender V10 im Begrenzer gilt als Musik, nicht als Krach. Diskussion unnötig.


Nachdem fast 4 Stunden lang die Audis teils auf den Zentimeter abgestellt wurden – und ja, meine Freundin kann sowas – wurden die Drohnen losgeschickt um alles zu dokumentieren. Was vom Boden aus zuerst wirr und unübersichtlich wirkte, erhielt erst von Oben eine Bedeutung. Ein riesiges Lob an die Organisatoren und Veranstalter an dieser Stelle! Wie wahrscheinlich jeder

Teilnehmer für sich bei diesen Bildern nun suchen wird: Erster Ring, 12 Uhr das hellgrüne und links daneben das schwarze Fahrzeug. Find ich klasse. Nachdem der erste Rekord mit insgesamt 300 Audis nun um über 100 Fahrzeuge geschlagen wurde, begann der geordnete Rückzug und die etwa 45minütige Fahrt zur Rennstrecke Sachsenring im sächsischen Oberlungwitz.


Nach kurzem Aufenthalt im Fahrerlager wurden wir in Kolonne auf die bereits gut gefüllte Rennstrecke geführt, um dort unseren zweiten Punkt der Agenda anzugreifen: den Weltrekord der längsten Audiparade. Auf der Strecke angekommen, fuhren wir in der Folge 3 Runden im Gänsemarsch und fein mit angeschalteter Warnblinkanlage. Doch es war nix mit schnell fahren, es ging im Rekord schließlich allein um die Paradelänge an sich. Also ging es im Schneckentempo über die kupplungsbeanspruchenden Steigungen des Rings. Damit man sich das Ganze besser vorstellen kann: rechnet man in der Parade alle Fahrzeuge aneinander mit den entsprechenden engen Abständen, so kommt man in etwa auf eine Länge von 3 Kilometern. Nachdem im weiteren Verlauf die Fahrzeuge auf zwei Spuren aufgeteilt wurden, zogen wir unsere Kreise in historischer Andacht zum begleitenden Niedergang der Sonne, was dem Ganzen eine ganz besondere und eigene Stimmung gab. Vielleicht nicht ganz so bewegend wie JP auf dem Pikes Peak mit seinem TT, aber mit einem wunderschönen A4 B5 in DTM-Optik an meiner Seite auf der Strecke wurde dieses Flair nur noch unterstrichen. Man entschuldige an dieser Stelle die schlechte Handykameraqualität und den Umstand, dass die Bilder neben dem Fahren aufgenommen wurden.


Nach einer viel zu kurzen Stunde auf der Strecke wurden wir im Fahrerlager zwischengeparkt und zu Speis, Trank und Boxengassengesprächen in den angrenzenden Saal der Rennstrecke geladen. Neben Geschenken, Kaffeetassen, Schlüsselbänder und allerlei wirklich schicker Klamotten gab es hier vor allem ein wirklich tolles Flair mit vielen interessanten Gesprächen und den schön über die Monitore ausgestrahlen Bildern und Eindrücken des Tages. Nach einem langen Tag mit viel Action, Bekanntschaften und Erlebnissen verließen wir mit unseren zwei Audis die Rennstrecke mit dem Wissen nicht nur Auto gefahren, sondern Teil einer kleinen Sparte, einer Subkultur zu sein, deren Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl zu Erfahren nur Wenigen vorenthalten bleibt.

Final kann ich nur sagen, dass uns beiden dieser Tag nachträglich in Erinnerung bleiben wird. Nicht nur wegen der zweifelsohne tollen Fahrzeuge, den Weltrekorden oder der spitzenmäßigen Organisation, sondern vor allem wegen der tollen Gesellschaft und dem unerwartet starken, fast familiären Gemeinschaftsgefühl, welches es ermöglicht hat eine so große Idee zielgerichtet umzusetzen. Leute, ihr seid spitze. Obwohl die Rekorde im Mittelpunkt standen ist das für einige das Wichtigste. ...und um die üblichen Wortspielereien nicht zu vernachlässigen: Der Austragungsort der Platz der Völkerfreundschaft hätte somit namentlich nicht besser gewählt werden können.


Von Außen betrachtet möchte manch einer den Kopf schütteln. Der Umstand jedoch, dass ich auch im Nachgang von keinerlei Blechschäden, Auseinandersetzungen, groben Überschreitungen der Straßenverkehrsordnung oder anderweitigen Fehltritten gehört habe, spricht für sich. Letztlich bleibt zu sagen, dass wir aktuell noch auf die offizielle Bestätigung der Weltrekorde warten.


Die Impressionen schön zusammengefasst:

Vogtlandpanorama Drohnenfotografie Jan Hoyer.

Bilder: Franz Jaurich und Vogtlandpanorama Drohnenfotografie Jan Hoyer

Zusammenschnitt: Hans Rüger

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