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Warum Filmpreise (oft) nichts wert sind
Bild/Illu/Video: zVg.

Warum Filmpreise (oft) nichts wert sind

Wikipedia listet zum Thema Schweizer Filme die Streifen auf, die «international oder national erfolgreich waren oder wichtige Filmpreise eingeholt haben». Was genau aber heisst «erfolgreich» - und welche Filmpreise sind «wichtig»?


Bei diesem Stichwort fallen uns allen die üblichen Verdächtigen ein: Der Oscar, die Goldene Palme in Cannes, der Goldene Bär in Berlin, der Goldene Löwe in Venedig oder der Goldene Leopoard in Locarno. Ja, die Veranstalter sind überaus originell bei der Benennung ihrer Auszeichnungen. Und noch etwas ist allen gemeinsam: Schweizer Filme kommen dort so gut wie nie zum Zug – mit Ausnahme natürlich von Locarno, das gerne auch mal Heimatschutz betreibt.


Einflusslose Preise

Warum aber führt Wikipedia seit dem Jahr 2000 dann eine immer länger werdende Liste an «erfolgreichen Schweizer Filmen» oder solchen mit «wichtigen Filmpreisen» auf, viel mehr als im letzten Jahrhundert? Ganz einfach: Es werden heute weit mehr Filme gemacht, und neben den bekannten Auszeichnungen gibt es eine Flut von völlig unbekannten, die auf die Kinokassen keinerlei Einfluss haben. Jede Wette: Von der Mehrzahl der Preise haben selbst Filmfreaks noch nie etwas gehört.


Dass es einen Schweizer Filmpreis gibt: Geschenkt, das leistet sich jeder anständige Staat. Aber einen Berner Filmpreis? Oder einen Innerschweizerischen? Wenn deren Ziel es ist, das heimische Schaffen zu würdigen und zu belohnen, macht es Sinn. Und oft geht es auch darum. Aber ebenso oft wollen solche Veranstaltungen mehr sein als das. Davon profitieren Schweizer Filme, denn sie gewinnen immer mal wieder bei irgendwelche obskuren deutschen Regionalauszeichnungen.


Spendabler Regierungschef

So hatten wir beispielsweise auch schon einen Sieger beim «Preis des Saarländischen Ministerpräsidenten am Max-Ophüls-Festival». Ja, das gibt es tatsächlich. Möglicherweise stand dem Saarland einst mal ein filmaffiner Regierungschef vor, der unbedingt einen eigenen Preis haben wollte. Nur haben solche Ämter die Tendenz, öfter mal neu besetzt zu werden, möglicherweise ist jetzt ein Kinomuffel am Ruder.


Oder dann der «Günter Rohrbach Filmpreis» mit dem die saarländische (mal wieder...) Stadt Neunkirchen einen heimischen Filmproduzenten dieses Namens ehrt. 2013 erhielt der Schweizer Streifen «Traumland» diesen Preis. Bei uns lockte er 8900 Zuschauer ins Kino. Das ist sogar für Schweizer Verhältnisse sehr wenig. Aber das Drama-Mystery findet sich nun auf der Liste der erfolgreichen Schweizer Filme – Günter Rohrbach, wer auch immer das ist, sei Dank!


Die meisten dieser Preise existieren, weil ein Kanton, eine Region, eine Stadt oder ein Bundesland einen Topf mit Kulturgeld hat, der irgendwie investiert sein muss. Da profitieren dann auch gerne Werke, die beim Publikum nur das grosse Gähnen auslösten. Aber falls es dennoch eine DVD davon geben sollte, macht sich der Aufdruck «Ausgezeichnet mit dem Max-Muster-Preis» eben einfach gut. Denn niemand weiss, ob Max Muster etwas zu bedeuten hat oder nicht. Es klingt jedenfalls respektabel.

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