Warum wir Trigger Warnungen brauchen
Bild/Illu/Video: Triggered Meme France

Warum wir Trigger Warnungen brauchen

Sie sind eindeutig auf dem Vormarsch, die Trigger Warnungen (siehe oben) und inzwischen, zumindest in der Welt des World Wide Web, schon durchaus Standard. Schauen Sie, ich bin ein toleranter Mensch und räume Menschen gern so viel Freiraum ein, wie sie brauchen. Aber selbst ich habe sehr lange gedacht, dass so genannte Trigger Warnungen ein bisschen zu viel des Guten sind. Was soll schon passieren, wenn von Suizid oder Vergewaltigung gesprochen wird? Eine besondere Form von «Special Snowflake»-Syndrom, habe ich gedacht. Aber wie bei vielem habe ich meine Meinung geändert und ich sage Ihnen auch gern, warum.


Dazu muss man wissen: ich habe eine Vorgeschichte mit mentalen Problemen. Das genaue Was, Wo und Wie und überhaupt, das lasse ich hier einmal aussen vor, schliesslich will ich auch kein Downer sein und eigentlich ist es bis auf einen gewissen Punkt irrelevant. Aber wie Ihnen bestimmt jeder erzählen kann, der schon in gröberem Masse mit «Mental Health Issues» gedealt hat, ist es schon immer wieder eine Aufgabe, sich vor etwaigen Rückfällen zu schützen. Mit Therapie, vielleicht mit Medikamenten und sicher mit einer vernünftigen Portion Selbstreflexion. Nur nicht zurück ins Loch, bitte.


Und genau hier kommt mein Argument für Trigger Warnungen. Ich wurde schon ein paar Mal in meinem Leben getriggert, jedoch so richtig bewusst zum ersten Mal vor kurzem: Beim Schauen des grossartigen (!!) Films «Marriage Story». Falls Sie den noch nicht gesehen haben, dann bitte hören Sie sofort auf zu lesen und schauen ihn an. Ganz, ganz grosses Kino!


Auf jeden Fall gibt es darin eine Szene, in der sich Adam Driver aus Versehen in den Unterarm schneidet, anfängt zu bluten und dann lethargisch auf dem Boden liegen bleibt. Dieser Moment im Zusammenhang mit einer emotional aufgeladenen Geschichte hat mir den absoluten Rest gegeben. Panik. Zittern. Unglaublich unangenehme Gedanken. Help! Ich war – sie mögen jetzt lachen – wirklich intensiv getriggert. Eine sehr unschöne und unheimliche Erfahrung (auch wenn der Film sonst sehr gut war, wirklich, schauen Sie sich den an!).


Und genau daher glaube ich, wir brauchen Trigger Warnungen. Es gibt inzwischen viele Menschen, die viele mentale Probleme haben. Diese Menschen kämpfen oft jahrelang mit den Symptomen ihrer Krankheiten, dem Trauma, dass Sie verursachen, den Konsequenzen aus Handlungen, die im Zusammenhang mit der Krankheit getätigt wurden, entstanden sind, sowie auch einem sozialen Stigma. Life is already hard enough, people! Auch ohne dass hinter jedem Artikel, jeder Serie, jedem Youtube-Video die Möglickeit einer Panikattacke oder einem Rückfall besteht.


Ich denke, es liegt in der Verantwortung unserer modernen Gesellschaft, für die unter uns zu sorgen, die an psychischen Krankheiten leiden. Und zwar einfühlsam und rücksichtsvoll. Mit aller Geduld und Liebe, die wir irgendwie zusammenbringen. Die meisten haben schon ein reduziertes Selbstwertgefühl oder ein verschobenes Selbstbild, oder das Gefühl, dass Sie völlig den Verstand verloren haben. Mit Trigger Warnungen setzten wir ein Zeichen, dass es uns nicht egal ist. Das wir uns kümmern. Dass wir verstehen. Und dass wir diesen Menschen eine helfende Hand ausstrecken möchten. Love is the answer, always. Oder was denken Sie?

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