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Was nix kostet, ist was wert
Bild/Illu/Video: Marcus Duff / cascadas

Was nix kostet, ist was wert

Die Medien leiden. Vor allem die gedruckten, die mit den hohen Fixkosten. Bei den Anzeigen sah es vorher schon düster aus, nun sind die Umsätze völlig zusammengebrochen. Der Ruf nach staatlicher Medienförderung war so sicher wie das Amen in der Kirche, als es losging mit dem Virus.


Und was bisher aus Bern kam an Signalen, das entspricht der eingeschlagenen Marschrichtung vor Corona, nur dass jetzt allenfalls etwas schneller marschiert wird. Klar sollen die Medien unterstützt werden in der Krise, heisst es im Bundeshaus, und klar auch die Onlinemedien. Aber nur die abonnierten. Sprich: Diejenigen, für welche die Leserinnen und Leser etwas berappen. Das sind mit ganz wenigen Ausnahmen wie der «Republik» eigentlich nur die Onlinemedien, die als verlängerter Arm von gedruckten Tageszeitungen fungieren. Die Verlage also, die sich zum Schutz des eigenen Printprodukts dem Web lange verweigerten, es nun doch tun, aber damit kein Geld verdienen.


Alles für nichts?

Bei vielen stösst die Idee des Bundesrats durchaus auf offene Ohren. Denn damit tut man ja etwas gegen diese elende «Gratismentalität», die vielen sauer aufstösst. Was nichts kostet, kann nichts wert sein, heisst es dauernd, und wenn etwas kostenlos angeboten wird, leiden alle darunter, die Geld verlangen. Weil die Konsumenten plötzlich das Gefühl haben, alles sei für nichts zu haben.


Die Verlierer dieser Art «Medienförderung» sind lokale und regionale Onlinezeitungen, die kostenlos sind für die Leserschaft. Oder natürlich auch solche in thematisch-geografischen Nischen wie «Qultur». Sie haben sich für ein Konzept entschieden, das nun im Rahmen der Medienförderung  kurzerhand als nicht unterstützungswürdig deklariert wird. Einfach, weil es nicht dem entspricht, was man früher kannte.


Verschiedene Modelle

Die ganze Sache ist auf eine einzige These zurückzuführen: Ein Produkt muss den Endkonsumenten zwingend etwas kosten, sonst ist das Ganze nicht seriös. Wirklich? Da fühlt man sich ein bisschen wie im Mittelalter. Damals gab es auf dem Markt einen Fisch gegen eine Kupfermünze oder alternativ im Tausch gegen eine andere Ware, und ein anderes Modell stand gar nicht zur Debatte. Wir schreiben allerdings 2020, und da gibt es andere Möglichkeiten, Angebote zu monetarisieren. Im Fall der Medien beispielsweise ist es natürlich immer noch so, dass eine Leistung bezahlt werden muss. Sonst kann man keine Löhne berappen. Aber was spricht dagegen, dass das ein anderer tut - der Werbekunde beispielsweise?


Es ist absurd: Quer durchs Land bemühen sich unzählige Kleinverlage und engagierte Einzelpersonen, zur täglichen Information der Bevölkerung beizutragen. Dafür können sie vom Leser kein Geld verlangen, weil einzelne Regionen in der Regel zu klein sind für ein tragendes Abomodell. Die Werbewirtschaft ist aber durchaus interessiert an solchen Mikromodellen aufgrund tieferer Preise und klarem Fokus auf ihre Zielgruppe. Und dank schlanker Strukturen können diese Kleinverlage das Angebot mit Anzeigen finanzieren. Aber jetzt, wo es den Medien an den Kragen geht, will man diese «Kleinen» dafür abstrafen, dass sie etwas auf die Beine gestellt haben, das funktioniert und stattdessen die «Grossen» belohnen, die in aller Regel ein solches Modell noch nicht mal gefunden haben.

Gratis ist nicht schlecht. Wenn ein Produkt gratis angeboten wird, aber jahrelang auf dem Markt existiert, heisst das: Jemand bezahlt durchaus dafür. Und das ist auf einem freien Markt, der durch Angebot und Nachfrage geregelt wird, immer der Beweis, dass etwas richtig gemacht wird.

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