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Wenn Bubenträume wahr werden
Bild/Illu/Video: Daniela Kutlesa (HitMill)

Wenn Bubenträume wahr werden

Blutjunge 17 Jahre alt war Thomas Graf als er seine erste Band «AirRaid» gründete. Und trotzdem erinnert sich der inzwischen 44-Jährige irgendwie gerne zurück an seine ersten musikalischen Schritte. «Wir durften bei Bekannten im uralten und feuchten Keller proben, beziehungsweise mussten diesen im Vorfeld ausräumen und ca. 30cm vom Boden abtragen, bevor wir es uns gemütlich machen konnten.» Der Weg vom feuchten Keller auf die grossen Bühne war angerichtet und es durfte erstmals geträumt werden. Seit diesem Erweckungsmoment war die Stimme von Graf auf Rockkonzerten in der Region kaum mehr wegzudenken. «Aus «AirRaid» entstand «Jealousy» und danach wurde ich von «Edison» abgeworben. Aus «Edison» entstand dann «Edi’o’Fun».»


Coversongs als Ausbildung

Während den ersten Jahren waren es vor allem Coverversionen von Rockklassikern, welche sie gespielt hätten, erklärt Graf. Er, dessen Augen immer zu glänzen beginnen, wenn er von Musik spricht, sieht das Nachspielen von Liedern als eine grosse Hilfe bei den ersten Schritten in der Musikszene. «Ich persönlich finde es eine tolle Sache, gerade im Spassbereich einfach Covers zu singen. Erstens erweiterst du so deine, nennen wir es «Stimmbreite», zweitens haben die Konzertbesucher Spass, da sie die Songs kennen und drittens entfällt die bei eigenen Songs benötigte Zeit für’s Songwriting.» Diese unbändige Freude an der Materie Musik und der Wille auch mal eine solide Nummer von Anderen zu interpretieren, brachte ihn 2011 in Kontakt mit einer legendären Bündner Band, die sein Leben nachhaltig auf den Kopf stellen und seinen Werdenberger Dialekt noch zusätzlich mit ein paar Fetzen «Püntner Tüütsch» auflockern würde. «Zum ersten Mal in persönlichen Kontakt mit May Day kam ich, als wir mit «Edi’o’Fun» bei ihnen als Vorgruppe an einer Veranstaltung in Sargans spielten. Eineinhalb Jahre später riefen sie mich an, weil ihr damaliger Sänger kurzfristig ausfiel und sie die geplanten Konzerte nicht absagen wollten. Aus diesem temporären und recht spontanen Einsatz, entstand dann mehr…»


Mit Freude an der Sache dabei

Als Thomas Graf bei May Day einstieg war er 35-jährig und hatte ein relativ grosses Repertoire zum Erlernen, da die Bündner Band schon seit 1979 tätig ist und doch auch hin und wieder neue Musik veröffentlicht hat. Seine bisherige Erfahrung als Coversänger habe ihm definitiv geholfen, die «alten» May Day Songs innert kürzester Zeit authentisch zu singen. Um weiterhin «in Schuss» zu bleiben, trat er vor viereinhalb Jahren ausserdem noch der Liechtensteinischen Coverband «Bluebones» bei, welche aus zehn Personen besteht und deren Zusammenstellung laut Graf nicht spannender sein könnte. Obwohl er sich in den beiden Bands nach wie vor pudelwohl fühlt und er mit May Day 2017 mit dem Album «VIII» sogar in der Hitparade gelandet ist, war es ein Anruf aus Zürich, der alles beim Berufsbildner veränderte. «Ich habe wohl im richtigen Moment den Kontakt mit Hitmill hergestellt. Georg und ich haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden und entschieden, gemeinsam eingängige, positive Stadion-Mundart-Rocksongs zu schreiben.» Das war vor gut einem Jahr, als das Abenteuer mit Megawatt startete.


Das Feuer war nie aus

Eigentlich war die Rockmusik immer eher ein Hobby als eine Berufsoption, erklärt Graf. «Diesen «Traum» hatte ich vor allem als Teenager, wie sehr viele in diesem Alter. Du besuchst ein Konzert, beispielsweise im Hallenstadion, und denkst dir «Das wäre der Oberhammer, selber mal auf so einer grossen Bühne zu stehen.» Doch Graf blieb stets realistisch. «Damals mit «Edi’o’Fun» in den Mitte 90ern haben wir bereits erkannt, dass man den kommerziellen Erfolg – heute habe ich eine andere Definition von Erfolg – nicht selber in der Hand hat. Wir haben zusammen entschieden, dass wir aus Freude musizieren und die Brötchen in unseren Jobs verdienen. Das war für mich die richtige Entscheidung.» Denn ganz nebenbei hatte sich die Situation im privaten Bereich ebenfalls verändert.  «Mit 24. wurde ich Papa und es war mir das Wichtigste, meine junge Familie zu ernähren – das Rockstarsein war in dieser Zeit fern ab. Okay, die Momente auf der Bühne waren natürlich immer schön und ich genoss die Zeit, wenn ich mit meinen Freunden musizierte.» Für die aktuelle selbstbetitelte CD hat der Sänger einen Text geschrieben, der diese «Bühnensehnsucht» recht gut umschreibt. «Wie ich es im Song «Liechterloh» beschreibe, brannte und brennt das Feuer für die Musik noch immer … und ein bisschen ein Spinner bin ich vielleicht schon auch. Durch die Zusammenarbeit mit Hitmill kam natürlich wieder richtig viel Sauerstoff in dieses Feuer…»


Willkommen in der Hitfabrik

Er sei selber positiv überrascht gewesen, wie schnell alles gegangen sei vom ersten Treffen bis zum fixfertigen Album. An der Arbeit mit Hitmill habe ihm vor allem gefallen, dass er nie die Kontrolle über «sein Baby» verlor. «Da ich klar kommuniziert habe, dass ich mit Musikern auf der Bühne performen will, die ich persönlich sehr schätze, die wissen, welche Werte im Leben wichtig sind, die sich selber auch nicht zu wichtig nehmen, hatte ich 100 prozentiges Mitspracherecht. Aufgrund meiner Anforderungen war es wohl am einfachsten, wenn ich die Zusammenstellung der Band selber vornahm.» Trotz der vielen spannenden Erlebnissen in Zürich hiess es für das Goldkehlchen und seine Jungs Marco Gassner, Damian Caluzi, Dario Michielini und Marius Matt erstmals Ruhe zu bewahren. Thomas Graf erinnert sich genau an die grosse Vorfreude, die stetig gewachsen ist. «Im engsten Freundeskreis und bei meinem Arbeitgeber war es kein Geheimnis. Ich machte aber auch keinen grossen Wirbel darum. Im Oktober 2019 wurde es richtig konkret, dass wir Ende Januar bei «SRF bi de Lüt» auftreten werden. Kurz vor diesem Auftritt brannte es uns allen kräftig unter den Nägeln, um endlich damit rauszugehen. Aber auch zu diesem Zeitpunkt konnten wir nicht abschätzen, ob unsere Musik vom Publikum angenommen wird…»


Der Chancendenker auf den grossen Bühnen
Die ehrliche Musik von Megawatt wurde sehr gut angenommen, wie man es an den vielen positiven Stimmen auf den sozialen Medien und der Hitparadenplatzierung sieht. «Wir haben nicht mit dieser Relevanz gerechnet und sind sehr positiv überrascht und überwältigt.» Durch diesen Erfolg habe er aber auch einige Dinge zurückstecken müssen, erzählt Graf mit optimistischem Blick nach vorne.  «Die Kursleitertätigkeit in der Erwachsenenbildung, die ich seit 17 Jahre betrieben habe und mein eigenes Laserinnengravur-Business habe ich letzten Sommer praktisch auf null runtergefahren. Diese beiden Hobbys kann ich auch später wieder aktivieren, wenn es die Zeit zulässt.» Diese Leichtigkeit und die positive Lebenseinstellung wirken inspirierend und auch Graf sagt; «Ich bin einfach ein «Chancen-Denker», mache sehr vieles sehr gerne und nehme mir die notwendige Zeit dafür. Aber eben, mein Tag hat leider auch nur 24 Stunden. Glücklicherweise brauchte und brauche ich nicht ganz so viel Schlaf, wie das andere von sich erzählen.» Sobald die Pandemie vorüber ist, spielen Megawatt als Supportact der Schweizer Kultband Gotthard und haben ziemlich viel Bock auf Rock im Gepäck, wie Graf abschliessend zu Protokoll gibt:

«Unser Spirit in der Band ist mega und wir freuen uns überirdisch, endlich ab Mai live zu spielen und unsere positive Energie rauszulassen. Ich glaube, es stehen uns viele schöne Momente bevor, die wir auch geniessen werden. Jetzt schliesst sich der Kreis zum Thema «über 40.» und der Zusammenstellung der Band. Wir alle wissen, dass dies alles nicht selbstverständlich ist, wir dadurch menschlich nicht wichtiger sind und schätzen das deshalb sehr. Die vielen positiven Feedbacks zu den Texten und der Musik machen uns einfach glücklich.»

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