Wenn die Karten neu gemischt werden…
Bild/Illu/Video: Heidi Troisio

Wenn die Karten neu gemischt werden…

Aber warum soll ich nur schreiben, wenn ich gut gelaunt bin und zu Hause alles nach Plan verläuft? Genau ich wollte doch mit meinem Blog ehrlich und authentisch sein und anderen Müttern aus der Seele sprechen – und ihnen nicht eine heile Welt vorspielen. Darum nun eine ehrliche Zusammenfassung meiner zweiten Schwangerschaft.


Im Vergleich zu meiner ersten Schwangerschaft war meine zweite viel turbulenter. Bereits ganz am Anfang, als ich noch nicht einmal wusste, dass sich gerade unser zweites Wunder in meinem Bauch entwickelte, starb meine Nonna. Als wir erfuhren, dass sie im Sterben lag, sagte ich alle meine Termine ab und packte die Sachen von meinem Sohn und mir. Zusammen mit meiner Mutter und Schwester nahmen wir den nächsten Flug nach Sizilien. Mein Vater, der wegen des schlechten Gesundheitszustandes seiner Mutter bereits ein paar Tage vorher geflogen war, holte uns vom Flughafen ab und fuhr uns direkt ins Spital. Dort konnten wir noch einmal mit unserer Nonna sprechen, ihre Hand halten und Grüsse von unseren Liebsten aus Liechtenstein und der Schweiz überbringen. Zwei Stunden später starb diese starke Frau im Alter von 87 Jahren. Trotz fortgeschrittenen Alters war ihr deutlich anzusehen, dass sie noch nicht bereit dazu war. Das war furchtbar. Ich hätte mir gewünscht, dass sie in Frieden gehen konnte.


Wieder zu Hause hielt ich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Das Leben unserer Nonna Nunzia endete, als das Leben unseres zweiten Sohnes begann. Das ist der Lauf des Lebens. Und wir sind schlussendlich einfach dankbar, dass wir unsere Nonna noch einmal sehen und sprechen durften, bevor sie über die Regenbogenbrücke ging. Dankbar, dass wir ein zweites Wunder erwarten.


Mit noch mehr Aufregung neigt sich meine zweite Schwangerschaft nun dem Ende zu. Mein Mann bekam am ersten freien Wochenende meines Mutterschaftsurlaubs plötzlich starke Schmerzen und Atemnot. Die Rettung stellte lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen fest. Er wurde dann mit dem Helikopter ins Kantonsspital Graubünden geflogen. Vier Tage später - während ich mir in einem Vorraum im Spital die Zeit mit diesem Blogeintrag vertreibe - wird ihm ein Art Defibrillator im Mini-Format in die Brust eingesetzt. Hätte ich nicht ein Baby im Bauch, wäre ich wahrscheinlich durchgedreht. Aber so bewahrte ich Ruhe – auch unserem ersten Sohn zuliebe.


Seit unserer Verlobung ging das Leben von meinem Mann und mir steil aufwärts, es folgte ein wunderschönes Vorbereitungsjahr auf unsere Hochzeit, ein wundervolles Fest mit unseren Liebsten, Flitterwochen auf den Malediven, ein Roadtrip durch die USA und schliesslich die Geburt unseres ersten Kindes und die zweite Schwangerschaft. Uns war bewusst, dass es nicht ein Leben lang aufwärts gehen konnte. Wir wussten, dass es auch Tiefen geben wird. Aber damit hat wohl niemand gerechnet. Wir hatten Angst, waren traurig und weinten. Gleichzeitig wurde uns bewusst: Wir können froh sein, dass diese lebensbedrohliche Situation so glimpflich ausgegangen ist. Wir können froh sein, dass die heutige Medizin solche fortschrittlichen Möglichkeiten bei Herzproblemen bietet. Wir können froh sein, dass wir die Chance erhalten, unser Leben umzukrempeln, den Stress zu reduzieren und uns mehr Auszeiten zu gönnen.


Die sieben Schwangerschaftsmonate zwischen diesen beiden prägenden Vorfällen - ich nenne sie bewusst nicht Schicksalsschläge - waren wunderschön. Ich habe auch meine zweite Kugelzeit wieder ausgiebig genossen. Ich habe mit meinem Sohn «Büechli» zum Thema angesehen, habe mit meinen Freundinnen eine Babyparty veranstaltet und einmal in der Woche das Schwangerschaftsyoga besucht. Ich hatte dieses Mal sogar das Glück, gleich mit zwei guten Freundinnen gleichzeitig schwanger zu sein. Wie haben wir das mit McFlurry und stundenlangen Gesprächen gefeiert!


Was ich dieses Mal nicht mehr gemacht habe, ist ein spezieller Geburtsvorbereitungskurs. Dieser ist meinem Mann und mir nach 2,5 Jahren immer noch präsent. Ausserdem haben wir dieses Mal auch kein extra Kinderzimmer eingerichtet. Wir bauen einfach den Stubenwagen im Wohnzimmer auf, der später von einem Laufgitter abgelöst wird. Spielzeug und Kleidung der Kinder finden in den Schränken im Spielzimmer Platz. Bei unserem ersten Sohn haben wir das Kinderzimmer nämlich erst gebraucht, als er begann, sich selbst mit Spielsachen zu beschäftigen.


Geschlafen hat er schon immer lieber bei uns im Zimmer. Und dort ist auch unser zweites Kind willkommen. In ein paar Monaten werden wir dann sehen, wie sich die Schlaf- und Spielgewohnheiten der beiden Brüder entwickeln. Ob sie gemeinsam aus dem Familien-Schlafzimmer ausziehen und sich anschliessend ein Zimmer teilen oder doch lieber ein eigenes haben wollen. Wir bleiben flexibel. So wie es der Alltag mit Kindern verlangt. So wie es das Leben verlangt.


Zum Schluss noch ein paar Worte zum Bild: Die mühsame Wartezeit im Spital haben mein Mann und ich uns mit Kartenspielen vertrieben. Natürlich habe ich ihn gewinnen lassen.

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