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Wie du ein richtig toller Festivalbesucher wirst
Bild/Illu/Video: Jan Hedlund für Arosa Electronica

Wie du ein richtig toller Festivalbesucher wirst

Da das Arosa Electronica 2020 schon vor der Tür steht, habe ich dir ein praktisches (und internetfreundliches!) Listicle erstellt, wie du zu einem tollen Festivalbesucher* wirst:


1. We work long, we work hard

Wenn unsere Festivalgäste um 7 Uhr morgens zum Club rauslaufen, bin ich immer noch da. Der Host, oder auch Gastgeber ist nämlich da, dass die Party jeden Tag reibungslos über de Bühne geht. Von der Kommunikation mit der Location, über die Betreuung von DJs, bis hin zum stundenlangen Diskutieren mit angesoffenen Gästen ohne Ticket, hier wird einem nie langweilig. Auch nicht, wenn’s Mal 12, 14 oder auch 18 Stunden geht, bis der Arbeitstag vorbeigeht. Und bei einem Festival, dass über sieben Tage dauert, kannst du dir ja ausrechnen, wie es einem grundsätzlich so geht. Du siehst, wir sind froh, wenn du uns das Leben nicht unnötig schwer machst. Zum Beispiel so:


2. Besoffene Gäste und Druffies

Jeder soll machen was er will, weil jeder steht ja zu dem was er macht. Ein Kultspruch, der wohl das Nachtleben perfekt zusammenfast. Besonders wenn man an Tür oder Bar arbeitet, hat man mit dieser Sorte Mensch besonders oft zu tun. Hier ist neben viel Einfühlvermögen auch viel Geduld gefragt, denn je nach Gast kann der falsche Ton zu Wutanfällen und verbalen und manchmal auch physischen Angriffen kommen. Meistens aber ist der Typ, der mich mit seinen tellergrossen Pupillenaugen anstarrt, einfach nur mega tschüss und will doch nur noch n’bisschen tanzen. Aber manchmal lautet die Antwort halt: Nein, Mann! Sei nicht dieser Typ und wenn doch, dann bitte akzeptiere, dass wir dich so weder an unserer Party wollen, noch dies mit gutem Gewissen zulassen können. Wir machen es bestimmt nicht, um dich zu ärgern.


3. Und apropos: Drogen

Eigentlich haben Drogen nichts am Festival verloren. Eigentlich... Und auch wenn illegal, finde ich den informierten Drogenkonsum nicht so schlimm. Oftmals sind die Konsumenten aber nicht so gut informiert, weder über die Substanz, die sie nehmen, noch über deren Auswirkung auf Körper und Psyche. Wenn was schief geht, dann wirst du früher oder später mit uns zu tun haben, und ich will dir sagen, das ist auch wirklich ok. Wer sich zu viel reingepfiffen hat, sollte sich auf alle Fälle mindestens bei seinen Freunden melden, aber noch viel lieber bei dem Barpersonal, bei den Securities oder auch an der Türe. Keine Angst, wir rufen nicht grad die Bullen. Deine Gesundheit geht immer vor. Und ganz allgemein, hier nochmals ein paar wichtige Regeln zum Umgang mit Drogen (und Alkohol!):


Nimm keine Substanzen, die du nicht kennst. Besonders bei Excatsy-Pillen geht es schnell Mal tödlich aus, wenn du dir ne extrem hohe Dosis MDMA auf einmal reinpfeifst. Frag bei deinem Dealer genau nach, was du da bekommst. Wenn er selber nicht weiss, wie rein etwas ist, oder was genau das es ist, dann willst du das bestimmt auch nicht konsumieren.


Sharing is not always caring. Wenn du selber im Besitz von starken Substanzen bist, gib sie nicht einfach ungeklärt an andere Leute weiter. Sprich mit den Leuten und checke ab, was ihre Erfahrungswerte sind. Glaub mir, du willst nicht die Person sein, die jemand anderem einen epileptischen Anfall beschert.

Be safe! Dass man keine Nadeln teilen sollte, das ist wohl selbst den Leuten klar, die noch nie Heroin konsumiert haben. Das gleiche gilt aber für alles! Teile keine Röhrchen, um Lines zu ziehen und benutze niemals, niemals! einen Geldschein, um dir Drogen reinzuballern. Das ist extrem unhygienisch und es besteht die Gefahr, dich mit allen möglichen ekligen Krankheiten anzustecken. Je hygienischer du deinen Konsum gestaltest, desto besser.


Weniger ist mehr. Also wirklich. Nimm erst Mal ein bisschen von was auch immer du da hast und achte dich drauf, wie dir das ganze einfährt. Besonders wenn du diese Substanz noch nie hattest oder die Substanz von einer neuen (oder unbekannten) Quelle bezogen hast. Trink Mal n’Wasser, iss Mal was und geh ab und zu Mal nach Hause um zu schlafen und duschen.


4. Kauf dir ein Ticket!

Bitte. Tu es einfach.

Denn irgendwann ist das Festival ausverkauft und dann können wir dir wirklich nicht mehr helfen. Es hat für die allermeisten Events eine genau berechnete Zahl von Tickets. Das hat mit Sicherheit zu tun und natürlich auch mit so langweiligem Buchhalterkram. So oder so: Wenn’s keine Tickets mehr hat, dann ist das so. Auch wenn du uns ein vierseitiges Essay schreibst, wieso du keines mehr erwischt hast im Vorverkauf. Auch wenn du ein super Kumpel von mir bist und dir gedacht hast, das geht dann schon irgendwie. Mit dem Kauf eines Tickets hilfst du uns auch, besser zu planen und unser Festival sicherer zu machen. Zudem erleichterst du uns an der Abendkasse den Job ungemein und dafür haben wir dich auch richtig lieb.


5. Lieb sie mitenand

Und wenn wir schon vom lieb sein sprechen: Wer auf Festivals feiern will, sollte ‘ne gute Portion Nächstenliebe und Toleranz mitbringen. Du wirst nicht immer nur Dinge auf einem Festival erleben, die dir gefallen. Manchmal ist es eklig, manchmal auch verstörend, manchmal schlichtweg nervtötend. Und das ist ok. Hier kommen so viele verschiedene Leute zusammen, die alle verschiedene Vorstellungen vom Feiern haben. Das ist doch gerade das tolle an solchen Events. Drum, anstatt aufregen, einfach zweimal tief durchatmen und daran denken, dass du zum Spass hier bist. Also geniess es! Du wirst feststellen, dass es plötzlich ganz einfach ist, eine tolle Festival Erfahrung zu haben, wenn man nicht pausenlos die Sittenpolizei spielt.


6. Grenzen spüren, für Grenzen einstehen

Langsam wiederhole ich mich, aber dennoch das hier ein wichtiger Punkt. Jeder hat seine Grenzen. Psychisch, Physisch und überhaupt. Kenne deine Grenzen und schau, dass du sie nicht überschreitest. Respektiere die Grenzen von andern und hilf Ihnen, wenn sie Mühe haben, diese Grenzen durchzusetzen. Hier geht es um Konsum von Drogen und Alkohol, aber auch zum Beispiel um das Abschleppen und Anbaggern von anderen Menschen. Sei dir bewusst, dass du keinen «Informed Consent» geben kannst, wenn du besoffen, übermüdet und/oder high bist. Auch wenn sich’s so anfühlt. Oft verschwimmen Grenzen und am Ende ist irgend jemand traumatisiert, auch wenn das nie so geplant war. Oder man hat dann Mal das Kondom vergessen und keiner weiss es mehr so richtig. Wenn du jemanden wirklich sooooo hot findest, dass du diesen Menschen direkt mit nach Hause nehmen willst, dann sollte dieser Mensch auch morgen im nüchternen Zustand soooo hot sein. Oder nicht?


7. Einfach du sein

Wenn man das so liest, könnte man meinen, ich hasse es, an Festivals zu arbeiten. Aber das stimmt nicht. Ich liebe es. Auch wenn’s streng und manchmal nervenaufreibend ist. In diesem Job lerne ich jeden tag wieder so viele Menschen kennen, die so verschieden sind. Und trotzdem alle zusammen kommen, um ein paar Tage lang gemeinsam eine gute Zeit zu haben. Das find ich mega cool! Drum, mein grösster Wunsch an unsere (und alle!) Festivalteilnehmer: Sei einfach DU! Weil du bist n’richtig toller Typ einfach. Lass deine Alltagssorgen an der Tür und komm zum Tanzen und Lachen. Komm, um dich selber zu sein.


Und dann wird’s ganz bestimmt ein grossartiges Festival!

Das 7. Arosa Electronica findet übrigens vom 13. Bis zum 22. März 2020 in Lenzerheide und Arosa statt und richtet sich an Liebhaber von elektronischer Tanzmusik. Alle Infos, Packages und Tickets findest du auf der Webseite.


Mehr Infos zum Music Summit St. Moritz findet ihr hier.

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