«Wie steht's um die Pflegeberufe?»
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«Wie steht's um die Pflegeberufe?»

Wie steht es um die Pflegeberufe in Graubünden?


Im Moment sehe ich folgendes Bild zu den Pflegeberufen in Graubünden. Es wird sehr viel in die Ausbildung investiert, doch bereits bei der Sekundärstufe zeichnet sich ab, was bei der Tertiärstufe bereits Realität ist, dass es mehr Lehrstellen/Praktikumsstellen auf dem Markt gibt als Lernende.

Die neue Kampagne suggeriert, dass sie Nachwuchsprobleme haben. Wie angespannt ist die Lage momentan?

Wir bauen an der Zukunft mit dem Blick auf den Demografischen Wandel. Das heisst, in wenigen Jahren erreichen grosse Jahrgänge (Babyboomer) das Pensionsalter und auch die heutige ältere Bevölkerung hat gemäss durchschnittlicher Lebenserwartung noch viele Jahre vor sich. Dagegen werden die Primar- und Oberstufenjahrgänge kleiner, was bedeutet, dass auch in Zukunft viele Berufe Nachwuchssorgen haben und denselben Markt der Schulabgänger bewerben. Da muss sich die Pflege heute überlegen, welche Trümpfe sie hat.

In einer Gesellschaft, die immer älter wird, kommt irgendwann der Punkt, bei dem ein Pflegenotstand wie beispielsweise in Deutschland herrscht. Was unternimmt die Schweiz um solche Szenarien zu verhindern?

Die lanciert zum Beispiel die ISA Kampagne über den Heimverband Curaviva Schweiz. Bis dahin herrscht auf Kantonsebene eine Ausbildungsverpflichtung für die Betriebe. Diese allein genügt aber beim kleiner werdenden Markt der Jungen nicht mehr. Gerade im Kanton Graubünden wird auch auf verschiedene Ausbildungsmodelle gesetzt mit betrieblicher oder schulischer Anstellung, auf Nachholbildung usw. Wiedereinsteigerinnen werden gefördert. Es sind einige Massnahmen etabliert, doch es wird weitere brauchen.

Warum haben Sie sich in jungen Jahren für einen Pflegeberuf entschieden?

Ich komme aus einer Grossfamilie, bei der Berufe im Gesundheitswesen stark verbreitet sind. Die Erzählungen aus dem Kinderspital, von der Arztpraxis, der Physioausbildung faszinierten mich und meine Geschwister. Somit wusste ich bereits mit 10 Jahren- ich werde Krankenschwester!

Was sind die schönen Momente, die Sie nur im Beruf als Pflegerin erleben?

Die Rundum-Sorge für den Patienten in komplexen Situationen faszinierte mich immer wieder. So liebte ich auch die medizinische Pflege und die Langzeitpflege, sowie auch die Spitexpflege, da die Kontakte länger andauerten und ich die Patienten immer besser kennen lernte. Es war nicht nur das Vertrauen, das sich aufbaute, die Pflege wurde dadurch auch immer individueller.

Wie gross sind die Aufstiegsmöglichkeiten in der Pflege?

Die Pflege mit den dualen Ausbildungswegen und den verschiedenen Weiterbildungsmöglichkeiten auf Sparten der Pflege bieten ein breites Spektrum an Auf- und Umstiegsmöglichkeiten. Leitungsfunktionen können stufenweise erworben werden und führen genauso zum Einsitz in Geschäftsleitungen wie bei Akademikern. Da ist wirklich für jeden was dabei.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit von Spital und Langzeitpflege?

Spital und Langzeitpflege ähneln sich mehr und mehr und zwar von der Komplexität her, die man früher eher dem Spital zugeschrieben hatte. Heute sind die rüstigen Personen zuhause, in einem tragfähigen Umfeld auch bei grösserer Pflegeabhängigkeit und Multimorbidität. In den Pflegeheimen vereint sich eine hohe Anzahl an Krankheitsbildern. Die Pflege ist anspruchsvoll und interessant und inzwischen selten über längere Zeit gleichbleibend.  Agilität und Professionalität sind gefragt. Das spüren Spitäler spätestens beim Eintritt aufgrund eines Sturzes.

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