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Wie viel verdient man denn so als Autorin?
Bild/Illu/Video: zVg.

Wie viel verdient man denn so als Autorin?

Vorneweg: Autor*innen sind beruflich selbständig, ohne festes oder gar monatliches Einkommen. Das löst in meinem jugendlichen Publikum jeweils die erste Schreckwelle aus. «Was? Kein Monatsverdienst??? Ja, aber …»


Nein, kein Monatsverdienst. Verlage rechnen ein bis zwei Mal pro Jahr ab, jene, für die ich schreibe, ein Mal pro Jahr. Und weil viele Verlage ähnlich langsam unterwegs sind wie sehr grosse Frachtschiffe, kann das schon mal Ende März werden, bis sie gezählt und aus- und abgerechnet haben und ich Post und vor allem Geld bekomme.


Wie viel ich erhalte, hängt davon ab, wie viele meiner Bücher im Abrechnungszeitraum verkauft worden sind. Pro Buch bekomme ich einen bestimmten Betrag. Je nach Verlag und Buch und Bekanntheit der Autorin sind das im Schnitt zwischen 5 und 10 Prozent des Buchpreises. Spätestens nach dieser Information werden meine Lesungen zu Rechenstunden. Die fixen Kopfrechner warten mit Zahlen auf, die für ungläubiges Gelächter oder ein mitleidiges Raunen sorgen (oder umgekehrt für mitleidiges Gelächter und ungläubiges Raunen). Schnell wird klar, dass es sehr schwierig ist, von den Bucheinnahmen zu (über)leben. Und dennoch gibt es Autor*innen, die das schaffen, ähnlich wie die Fussballer, die bei renommierten, zahlkräftigen Clubs kicken, womit wir beim Kommt drauf an wären.


Es gibt über den Daumen gepeilt wohl ungefähr gleich viel sehr gut verdienende Autor*innen wie sehr gut verdienende Fussballer*innen in den Topligen. In beiden Berufsgruppen spielen oder dümpeln jedoch die meisten eine oder zwei oder mehrere Ligen weiter unten.

Bei mir ist es so: Ich habe zu keinem Zeitpunkt meines Autorinnenlebens von den Bucheinnahmen leben können, obwohl mehrere meiner Bücher zur Klassenlektüre wurden und zwei je einen recht coolen Preis gewonnen haben.


Wir Autor*innen brauchen also weitere Einnahmequellen, wenn wir von unserem Beruf leben möchten. Bei uns Kinder- und Jugendbuchautor*innen sind es vor allem Schullesungen. Das sind keine öffentlichen Lesungen, sondern wir werden an Schulen eingeladen und lesen bei einzelnen Klassen oder bei ganzen Jahrgangsstufen. In meinem Fall macht das den Hauptteil meiner Einnahmen aus.


Dazu hat jeder und jede von uns noch weitere Einnahmenquellen: Vorschüsse auf Bücher, die wir noch gar nicht geschrieben haben (die uns dann später von den Tantiemen abgezogen werden). Schreibworkshops, Schreiben fürs Radio oder Theater oder den Film. Einige von uns verfassen Kolumnen oder Auftragsarbeiten. Wenn wir Glück haben, bekommen wir einen Werkbeitrag zugesprochen. Und wenn uns das Glück sehr hold ist, werden wir mit einem Preis ausgezeichnet, zu dem auch ein Preisgeld gehört. Da Autor*innen Fantasie und Kreativität eigen ist, finden viele von uns eine Nische, in der sich mit dem Schreiben von Texten etwas verdienen lässt.


Ein Leben als vollberufliche Autorin ist ein Leben auf dem Seil ohne Netz. Man weiss nie im Voraus, wie viele Bücher man verkaufen und wie viele Lesungen man haben wird, ob man einen Vertrag für ein neues Projekt an Land ziehen wird, ob sich irgendwo eine Tür zu einem spannenden (und erst noch – gut – bezahlten) Projekt öffnet, wann die nächste Zahlung eingeht und wie hoch sie sein wird. Wer Autor*in ist oder werden möchte, muss mit der Ungewissheit leben können. Im Augenblick redet gerade die halbe Welt von Planungssicherheit. Für uns Autor*innen gibt es die auch in guten Zeiten nur sehr bedingt. Jetzt, zu Zeiten von Corona, ist es einfach noch ein wenig unsicherer geworden.


Manchmal werde ich auch gefragt, was die wichtigste Eigenschaft einer Autorin ist. Natürlich brauchen wir Kreativität, Fantasie und Schreibtalent, das ist ja klar. Die wichtigste Eigenschaft, die man in meinem Beruf haben muss, ist jedoch eine sehr prosaische: Durchhaltewillen. Mehr dazu ein anderes Mal.

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