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Bild/Illu/Video: zVg.

Wild-West-Romantik made in Graubünden

Bei Erwähnung seines Namens wird oft auch der Name seiner ehemaligen Band Nguru genannt. Dies weil Malenco aka Matthias Tscharner bis im Jahr 2005, respektive auf drei Alben der Bündner Skaband gesungen hat. In den vergangenen fast 15 Jahren hat sich der Domleschger zu einer One-Man-Show entwickelt, welche dank einem enormen Fleiss auch ausserhalb Graubündens regelmässig für Ausrufezeichen sorgt.

Zum ersten Mal gehört habe ich Malenco auf dem «Pirates of Skalanda»-Sampler aus dem Jahre 2008. Seine Lieder haben schon damals bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Hier ein Ausschnitt der Rezession seiner beiden Beiträge für eine Bündner Perle:


«Malenco – Welcome to the show»

«Der ehemalige Nguru-Sänger ist ein brutal guter Songwriter und Dichter. Als ich ihn für die Bock uf Rock-Serie verpflichtete, lief ich eine Woche nur noch mit Grinsen im Gesicht in der Gegend rum. Entdeckt für mich habe ich ihn hier auf dieser CD. Bisschen Wild-West-Romantik und eine eindrückliche Coolness, die alles in den Schatten stellt. Malenco ist eine coole Socke und auch heute noch sehr zu empfehlen!»


«Malenco – Scott Speed»

«Malenco singt von einer Rennfahrerkarriere und ich lausche jedes Wort mit Bedacht und voller Freude. Die groovige Ballade macht auch heute noch sehr viel Spass und bleibt wie ein Tattoo auf der Haut, direkt im Ohr hängen. Die World-Music-Klänge sind zwar nur minim eingesetzt und doch setzten sie dem Track noch das Sahnehäubchen auf. Sehr cool und mitsingbar.»


Wie ihr hier nachlesen könnt, haben seine amüsanten Texte und sein griffiges Songwriting bei mir immer schon sehr viel Bewunderung hervorgerufen. Trotz meiner grossen Begeisterung für sein Schaffen, traute ich mich erst bei der letzten Kompilation der «Bock uf Rock»-Serie ihn um ein Lied anzubetteln. Er sagte sofort zu und so durfte ich den wundervollen Song «Venus Shell» 2013 auf der CD verewigen. Am gleichen Festival, respektive auf der gleichen Bühne zu spielen, gelang uns beiden auch erst viel später, nämlich 2017 am Openair Avers. Sehr gerne hätte ich ihn noch für’s Open Air Malans gebucht, doch stieg ich dort ja bereits nach zwei Jahren wieder aus… und verpasste die Gelegenheit mit ihm erneut anzustossen und zu feiern.

Doch genug der Nostalgie. Malenco hat eine neue Platte draussen, in die ich jetzt Track für Track reinhören werde.

«One Woman Man»
Der Vorabtrack fungiert auch gleich als Opener des Albums. Der Song voller Country- und Lagerfeuer-Charme ist angereichert mit allerlei perkussiven Elementen, die einem zum Nachdenken anregen. Sind das umgenutzte Alltagsgegenstände oder die ganze Fülle der Perkussionsfrüchten, die es im Bluewonder Chur zu kaufen gibt? Das Lied ist ein Lovesong voller Wild-West-Romantik und vor allem der Refrain und dessen Botschaft bleibt bereits beim ersten Mal Durchhören im Gehörgang hängen.

«Face to face with a Bear»
Wow, das spannende Sliden auf der Gitarre und der sanfte Einsatz Malenco’s Stimme malen ein verträumtes Bild eines naturverbundenen Feingeistes. Der leise Einsatz des Pianos stört die «in to the wild»-Dynamik nicht, sondern verleiht ihr zusätzlich Magie. Vor allem jetzt im Sommer sollte man sich wieder vermehrt auf machen und versuchen in der Natur auf einzigartige Geschöpfe zu treffen. Vielleicht sind die Bären in der Region ein wenig schwierig zu finden, aber mit etwas Glück liegt eventuell ein Jungwolf drin, der zu diesem Lied vor die Linse tanzt…


«My own free will»
«I tried to climb on highest mountain.» kann man gut singen, wenn man aus Feldis stammt. Für die dort oben ist ja auch Chur schon tiefstes Unterland… Der dynamische Blues ist ein Lobgesang auf die eigene Verwirklichung, welche der Solokünstler mit viel Motivation vorträgt, die ansteckend und animierend wirkt.

«King without a crown»
Der Troubadour hat in der letzten Zeit intensiv Gitarre geübt. So wirkt es auf jeden Fall auf diejenigen, die sich dieses Lied zu Gemüte führen. Es klingt ein wenig tricky und verspielt wie «Fragile» von Sting und doch schafft es Tscharner seine ganz eigene Audiohandschrift durch die Boxen zu jagen. Der ausgelassene Schlussteil mit etwas Geschrammel bietet eine angenehme Abwechslung und gestaltet den Track stimmig.

«Tangerine Man»
Vor dem quasi Titeltrack, welcher den Albumtitel immer wieder skandiert, wollte ich eigentlich mal kurz nachschauen, was er da an Perkussionsinstrumenten zur Hand nimmt… Und zack, kommt erstmals ein richtiges Schlagzeug zum Zug. Eine heitere Nummer, die einem in einen Saloon im wilden Westen versetzt und dank der vielen Audio-Eindrücke mit Mundharmonika, grooviger Gitarre und dem amüsanten Text fast ein wenig zu schnell vorüber geht. Normalerweise genügen 2,5 Minuten absolut, um das ganze Konzept einigermassen verstanden zu haben, aber den hier höre ich einfach unglaublich gerne. Der kommt auf meinem Handy gleich neben «Scott Speed» und «Venus Shell», weil er auch einen solch bleibenden Eindruck hinterlässt.


«The Candle burns on both sides»  
Interessant wie der Chansonier es schafft, von einer freudigen Ode an den Mandarinen-Mann zu einer tieftraurigen Melancholie zu switchen. Die Lagerfeuernummer gefällt vor allem durch den tollen Mitsingteil und seinen düsteren Text.


«Easy to go with the Tide»

Jetzt wird’s noch ein wenig poppig, was Malenco vor allem durch das Repetitive des Refrains enorm gut gelingt. Dass es einfach ist mit den Gezeiten zu gehen ist und dass es sich doch lohnt, auch mal in entgegen gesetzte Richtung zu laufen, zeigt der Feldiser hier eindrücklich, in dem er mit jedem Takt noch dringlicher auf seine Meinung pocht.


«Transmission End»
Endlich habe ich es doch noch geschafft und im Pressetext steht es tatsächlich schwarz auf weiss: «Als perkussive Elemente dienten bei den Aufnahmen mehrheitlich Gitarrenkoffer, Glasflaschen und Steine. Oder es wurden Bretter als Schlagzeug benutzt.» Der kennt ja gar nix und zeigt sich bei seinem Dark-Country und Folkausflug kreativ und weltoffen. Hier gibt’s wieder mal ein Stück, das ziemlich groovt und durch die fast komplette Bandbesetzung viel Spass und Abwechslung bereitet.

«Blossom white girl»
Eigentlich mag ich Folk-Bands wie «Mumford and sons» nicht so wirklich, doch Malenco verwandelt das Genre durch solche Lieder in etwas Magisches. Da leihe ich ihm gerne ein Ohr. Vielleicht ist es seine facettenreiche Umsetzung der Materie oder der grosse Überraschungsmoment, der jedem Song innewohnt. Irgendwie schafft es Malenco Spannung in die Tracks zu legen, so dass nicht jedes Lied gleich klingt und das einzige negative, was ich aktuell darüber berichten kann, ist der Fakt, dass wir leider schon zum letzten Lied kommen.


«Imagination always running wild»

Der Abschluss des kreativen Werks ist noch einmal etwas bluesig, mit Pfiffen verziert und enthält eine ziemlich lustige Geschichte, wie ein halbes Gitarrensolo und viel Phantasie. Ein gelungener Schlusspunkt.

Schlussfazit:

Das Album «Berries for the Old Town» von Malenco zeigt, wie kreativ und facettenreich ein Werk klingen kann, wenn ein Musiker sich der Muse hingibt und intensiv an seinem Sound weiterarbeitet. Der Feldiser manifestiert seinen Ruf als One-Man-Show und grossartiger Songschreiber und liefert ganz nebenbei ein intelligentes Album für die ganze Familie ab. Das Werk überzeugt nicht nur durch Texte mit Tiefgang, auch musikalisch kommt es gewitzt und geistreich daher.


Malenco's drittes Soloalbum, bei dem neben ihm noch die zwei Musikern Josh Caviezel (Drums/Percussion) und Sandro Dietrich (Vocals, Percussion und Piano) mitgewirkt haben, passt ideal zur Saison, denn aktuell ist die Hitzewelle noch nicht so frappierend, dass das Anschmeissen von einem Lagerfeuer und das anschliessende gemeinsame Singen daran verboten wäre.    

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