«Wir bekommen wieder einen Jungen!»
Bild/Illu/Video: Heidi Troisio

«Wir bekommen wieder einen Jungen!»

Während die Jungs mit meinem Mann abklatschten, musste ich mir Sätze anhören wie: «Hauptsache gesund!» oder «Das dritte Kind wird dann ein Mädchen!» Ich war verwirrt: Habe ich mit dem Satz «Wir bekommen wieder einen Jungen» irgendwie Bedauern ausgedrückt? Lag es an dem Wort «wieder»? Heute sage ich bewusst, wir bekommen einen «weiteren» Jungen und hoffe, dass das neutraler klingt. Echt jetzt!


Vor allem die Italiener scheinen immer noch eine sehr konservative Vorstellung von der Reihenfolge des Nachwuchses zu haben. Idealerweise kommt zuerst ein Stammhalter auf die Welt, anschliessend ein Mädchen, das vom grossen Bruder beschützt werden kann. Und dann hat Mann beziehungsweise Frau «s’Füferli und s’Weggli» und kann theoretisch die Familienplanung abschliessen. Juhui, ich habe immerhin diese wichtige Sache mit dem Stammhalter erfüllt. Und das mit dem Mädchen kann ja noch werden. Nein, Spass beiseite!


Klar hätte ich mich (auch) über ein Mädchen sehr gefreut. Ich hätte viele neue Sachen kaufen können, unter anderem süsse Mama-Tochter-Outfits <3. Aber welche Vorteile hätte es noch gehabt, ein Mädchen anstatt eines weiteren Jungen zu bekommen? Vielleicht noch der (nicht ganz unwichtige) Aspekt, dass ich später eher die Bezugsperson bin, wenn meine Tochter selbst einmal Kinder hat. Als Jungs-Mama bin ich später wahrscheinlich eher die böse Schwiegermutter! ;-) Nein, hoffen wir es nicht!


Noch einmal das gleiche Geschlecht zu bekommen, hat aber auch seine Vorteile: Viele Kleider und Spielsachen können wiederverwendet werden. Die Kinder können sich länger ein Zimmer teilen. Eventuell spielen sie auch schöner miteinander, weil sie eher die gleichen Interessen haben. Das alles kann, muss aber nicht sein! Schlussendlich sind Geschwister – zumindest in den ersten Jahren – doch immer ein Segen, egal ob Mädchen oder Junge.


Es ist aber Tatsache, dass sich Frauen beim ersten Kind eher eine Tochter wünschen und Väter einen Sohn. Die Erklärung dafür ist ziemlich einfach: Mit dem eigenen Geschlecht kann man sich schlicht und einfach besser identifizieren! Man kann sich besser einfühlen, kennt die Interessen und hat weniger Berührungsängste.


Dass sich die Eltern beim zweiten Kind dann ein Mädchen wünschen, wenn das erste ein Junge ist oder umgekehrt, kann ich selbstverständlich auch nachvollziehen – solange sich die Enttäuschung im Rahmen hält, wenn sich der Geschlechter-Wunsch nicht erfüllen sollte.


Trotzdem möchte ich an dieser Stelle daran erinnern: Kinderbekommen ist kein Wunschkonzert! Wir können uns glücklich schätzen, wenn wir ein Kind zur Welt bringen dürfen. Und gerade Mehrgebärende sollten eigentlich wissen, dass das Geschlecht spätestens dann keine Rolle mehr spielt, wenn man das Baby nach der Geburt zum ersten Mal in seinen Armen hält. Das sagt sogar mein Mann, ein Vollblut-Italiener mit ehemals starkem Stammhalter-Wunsch!


Für uns steht ausser Frage, nur wegen des Geschlechts ein weiteres Kind zu zeugen. Sollten wir uns irgendwann tatsächlich für ein drittes Kind entscheiden, dann würden wir uns über einen dritten Jungen genauso freuen wie auf unser erstes Mädchen! Denn es wäre alles andere als selbstverständlich für uns, dieses grosse Wunder noch ein drittes Mal erleben zu dürfen!


Zum Schluss noch ein paar Worte zum Bild:

Das Juve-Dress für die beiden Brüder liegt schon in der Kliniktasche bereit.

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