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«Z 5i grad stoh loh»
Bild/Illu/Video: Milena Rominger

«Z 5i grad stoh loh»

Wie lernt man das?

Ein ordnungsliebender Mensch, der es gern sauber hat, muss es lernen, sobald ein Kind im Haushalt ist. Bei mir jedenfalls führte kein Weg daran vorbei. Aller Anfang war schwer. Wie es mir die Gesichtsmuskeln zusammenzog, als ich hier und da ein Staubwölkchen vorbeifliegen sah. Die Wäsche, die da hing, schon seit Tagen trocken, bereit zusammengelegt zu werden. Oder das Chaos, welches sich über die ganze Woche im Haus breitmachte, all die Dinge, die ihren Platz vermissten. Der volle Kübel, der Backofen, der es schon lange mal nötig hatte, die Kalkablagerungen im Bad. Viele dieser Kleinigkeiten führten bei mir als neu Mutti zu purem Stress. Irgendwann ergab sich aus vielen Puzzleteilen ein ganzes, dreckiges Bild, welches ich sah, sobald ich aufstand. Und doch ist es gar nicht so einfach einen Haushalt wirklich pico bello zu halten, während man ein Baby stillen sollte, Breili machen oder schon ältere Kids daheim hat, welche den Ämtli Plan verachten.


Jedenfalls bin ich heute froh, es gelernt zu haben. Das Staubwölkchen liess ich irgendwann Staubwölkchen sein- soll es doch herumwirbeln, morgen ist auch noch ein Tag. Das Chaos fing ich an nach und nach zu beseitigen. Die Staubsaugerei teilte ich mir über mehrere Tage auf. So fand ich einen Weg zu einem ehrlichen Haushalt. Nicht dieses Haus, in welchem die Böden glänzten, kein einziges Legosteinchen auf dem Boden lag und aussah wie geschleckt. Heute hält das Chaos inne. Tag für Tag wird wieder aufgeräumt, jetzt schon mit dem Kind zusammen. Ich muss nicht mehr alles alleine stemmen.


Die Einsicht, dass der Haushalt nicht mir allein gehört, half mir enorm bei meiner Sichtweise. Heute kann ich auch mal meinem Partner eine Aufgabe lassen, ohne schlechtes Gewissen zu entwickeln. Heute lasse ich auch mal diese fünf restlichen Legosteine auf dem Teppich liegen, die mein Kind vergass wegzuräumen. Wenn die Garderobe voll hängt mit anderen Kleidern als nur Jacken, na dann ist das eben so für ein paar Tage. Bis irgendwer Lust hat, dieses Durcheinander zu bewältigen.


Viel Übung, Atmung und Durchhaltevermögen führten schliesslich zur Einsicht, dass es mit Kindern morgen eben wieder genau gleich aussehen wird. Was spielt es da für eine Rolle, wenn Mutti mal was liegen lässt? So jedenfalls, lässt sich mein Leben viel leichter leben. Akzeptanz und Lockerheit sind tatsächlich lernbar. Schliesslich ist nichts wichtiger als das Kind. Der Haushalt kann warten.

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