Meinungsfreiheit

Leserbrief von Klaus Oetjen

Ein Garten ist niemals fertig! 12.06.2020

Sehr geehrte Frau Rominger,


wir haben etwas bestürzt Ihren Erfahrungsbericht über die Schatzalp gelesen.


Wir möchten das nicht so stehen lassen. Schade, dass Sie sich nicht angemeldet haben, denn dann hätte ich Sie gerne empfangen und Ihnen berichtet, dass wir viele verschiedene Gärten und Gärtchen haben und das wir unser Guggerbachtal-Alpinum normalerweise erst am 17.6. aufmachen.


Wir sind froh zwei Lawinenabgänge überstanden zu haben und jetzt schon so weit sind, dass die meisten Schäden bereits behoben wurden. Auch das die Pflanzfelder zum grossen Teil schon wieder neu bepflanzt sind. Andere sind noch in Arbeit und wieder andere müssen nun umgestaltet und renoviert werden, denn wo vorher Schatten war, verbrennt nun die Sonne mit ihrer, hier enorm hohen, UV - Strahlung die Pflanzen, weil die Lawinen die Bäume entwurzelt haben.

Somit werden die kleineren und grösseren Baustellen auch noch etwas andauern.


Da wir jedoch wegen der Corona-Situation schon viele Anfragen hatten, haben wir uns entschlossen, wie im Übrigen alle «Botanischen Gärten» der Schweiz, bereits am 6.6. zu öffnen. Dieses ist für uns eine enorme Kraftanstrengung. Man kann einen privaten botanischen Garten auf fast 2000m ü.M. nicht mit Parkanlagen, wie beispielsweise, Zürich oder Basel vergleichen. Dort blüht es nun aus allen «Knopflöchern» und bei uns in der Höhe beginnt die Vegetation ja gerade einmal.


Für alles was man im Tal macht müssen wir in der Höhe den drei bis fünffachen Wert, bzw. Zeitfaktor ansetzen und entsprechend auch die Geduld dafür aufbringen. Wir sind dieses Jahr für unsere Gäste ein grosses Wagnis eingegangen und haben bereits die Küchenkräuter und auch die Kübelpflanzen und Sommerblumen schon vor der Schafskälte aufgebaut und ausgepflanzt. Die Schafskälte haben Sie ja mitbekommen.


Der Regen, den Sie erwähnt haben, war keiner. Hier sind in 3 Stunden 20 cm nasser Schnee gefallen, das ist auch auf einem Ihrer Bilder noch zu erkennen. Unser Team, bestehend aus 4 Gärtnern und 2 Teilzeitkräften bearbeitet eine Fläche von 5 Hektar mit Höhenunterschieden von ca. 200 – 300 m. Es kann daher sein, dass Besucher auch einmal niemanden von uns zu Gesicht bekommen.


Wir bedauern, dass Sie unsere Praxis der Mulchfliese in ein schlechtes Licht stellen, mit dieser Ansicht haben wir zum Glück nicht so oft zu kämpfen, die meisten Besucher finden das sehr interessant. Und einige Gäste und auch botanische Gärten, haben nun schon die gleiche Methode angewendet. Es gibt ein Informationsschreiben an unseren Informationstafeln, warum wir das tun. Wir haben uns nicht nur viel dabei gedacht, sondern dies als die ökologisch und wirtschaftlich beste Lösung erarbeitet um neue Flächen urbar zu machen und schnell wieder bepflanzen zu können.


Von der hohen UV - Strahlung bei uns habe ich schon gesprochen, die verhindert auch eine günstige Etikettierung, denn schon nach kürzester Zeit sind die meisten Etiketten nicht mehr zu lesen. Wir sind aber dabei den Garten Stück für Stück neu mit gravierten Etiketten zu etikettieren. Auch das ist, wie der Garten selber ein Prozess. Ein Garten ist niemals fertig! Auch sind wir dabei die einzelnen Gartenbereiche wie Sie gesehen haben anzuschreiben. Eine Broschüre in denen die nun neu angeschriebenen Bereiche erklärt werden, ist in Arbeit.

Und ja, da gibt es auch Bereiche wie den Insektengarten und den Küchengarten die vom Publikum anzusehen, aber nicht zu betreten sind. Entschuldigen Sie bitte, dass wir keine, oder nur sehr wenige Verbotsschilder aufstellen möchten. Diese Bereiche sind mit Privat gekennzeichnet, oder abgesperrt. Weiter empfinden wir es als eine Bereicherung, Baustellen und Veränderungen sehen zu können, denn dadurch kann auch der Gast sehen wie sich der Garten verändert und etwas lernen.

Wir arbeiten so artgerecht wie möglich! Das mag für den einen oder anderen Zeitgenossen befremdlich sein. Ist aber sehr interessant und eine Strategie die dem Individuum der ''Pflanze'' angepasst ist. Wenn Sie sich dafür interessieren, kommen Sie doch einmal zu einer der kostengünstigen Führungen, die ab dem 17.6. immer um 15:30 beginnen.


Wir sind sehr froh, dass wir den Schnee mit so wenig Schäden überstanden haben und werden, sobald es das Wetter zu lässt mit den aufräumarbeiten beginnen. Diese Wetterbedingungen gehören zu unserem Leben in den Alpen dazu. Wir können hier beobachten wie schnell sich die meisten Pflanzen wieder regenerieren.


Wir freuen uns sehr über unsere ca. 5000 Arten und Sorten verschiedenster Pflanzen aus der ganzen Welt, darunter viele Raritäten, auch eigenen Züchtungen, die nur bei uns zu sehen sind, die nun bald wieder um die Wette blühen.


Auch freuen wir uns sehr über unsere Gäste, die uns in grosser Zahl regelmässig besuchen kommen. Und wir freuen uns über unser Gärtnerteam, das fleissig einen der schönsten und anspruchsvollsten Gärten Europas betreut.


Und ich bitte Sie herzlichst werden Sie Mitglied in unserem «Verein der Freunde des Botanischen Gartens»


Dann geht es mit der Etikettierung auch ein wenig schneller. Und dann bekommen Sie auch eine Einladung zum Botanischen Wochenende und Sie haben damit auch freien Eintritt in den Garten und können positiv über unsere Erfolge und Freude berichten. Und Sie lernen etwas dabei! Das wäre doch toll. Für Fragen stehe ich Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.


Und ganz toll würde ich mich persönlich freuen, wenn Sie diesen Brief in voller Länge in Ihren Block übernehmen würden!


Herzlich Ihr Klaus Oetjen

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