«Every Bar Counts Vol. 1» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

«Every Bar Counts Vol. 1» im Soundcheck

Das «Intro» der CD lässt die Hip Hop-Qultur hochleben. Es ist gespickt mit Scratches, einem nostalgischen Beat und Samples. Jetzt habt ihr definitiv meine volle Aufmerksamkeit, denn diese Art von Musik löst bei mir immer noch ein wohliges Gefühl in der Bauchregion aus.


«Weniger isch meh» startet mit einer akustischen Gitarre und hat einen angenehm nach vorne gerichteten Drive. Der MC Chéjs Romero lässt tief in sein Innenleben blicken und zeigt, wortgewaltig auf, was wirklich zählt in diesem Leben. Es ist eine entspannte Nummer, die hin und wieder auch Rockanleihen durchblicken lässt und vom Vibe her auch locker von einer Legende wie Greis stammen könnte.


«Seele über Money» ist eine Hymne für die Liebe und gegen den Kapitalismus. Der Basler MC Abart rappt mit viel Kraft und Nachdruck über den bouncenden Beat. Das Lied hält einige starke Linien bereit und weist darauf hin, dass die Starken wieder den Schwachen helfen sollten, damit sich das Glück des Einzelnen auch wirklich vermehrt. Es ist ein richtiges Brett voller Sozialkritik und animiert dazu alte Gewohnheiten über Bord zu werfen, sowie Probleme gemeinsam anzupacken. Killer!


ND Light heisst der nächste Sprachkünstler, der in «Start» zeigt, was er auf dem Kasten hat. Er macht nicht nur als Rapper eine gute Figur, sondern zeigt auch als Sänger ein feines Gespür für eine eingängige Melodie. Das Lied, das dazu motiviert immer wieder zu starten, anstatt auf der Stelle zu verweilen ist sehr kurzweilig und hörenswert.


«Labeled» heisst die Nummer von Rawdec, der mit seinen englischen Zeilen eine neue Farbe ins Spiel bringt. Ich mag seinen Flow sehr, seine Message hat Tiefgang und das Lied an und für sich ist einfach eine wundervoll runde Angelegenheit.


«Schtang uf» von Bone Beatz ist ein klassischer Kopfnickertrack, der mit einer angenehmen Portion Motivation zum Weitermachen animiert. Das Thema, wie mit Behinderten zum Teil umgegangen wird, geht mir besonders nahe, da auch meine Schwester Heidi häufig gehänselt wurde und leider immer noch wird. Mutig und wichtig, dass auf dieser CD auch solche schwierigen Angelegenheiten angesprochen werden.


«Rocksters» von J-Roum ist eine leichte Nummer für zwischendurch, die eine angenehme Lockerheit in das Werk bringt. Hier gibt es einige humoristische Linien auf die Ohren, zwischen den Zeilen blitzen zwar einige sozialkritische Werte durch, doch dies passiert nie mahnend und mit erhobenem Zeigefinger. Ein amüsierendes Lied, welches mehr zu bieten hat, als man vielleicht beim ersten Durchhören vermutet.


«Rettigsring» von Poetical und DJ Speedy Macciato ist eine wunderschöne, aber auch sehr melancholische Pianonummer, die das Leben als Wellenbad darstellt. Das sieht er tatsächlich richtig. Jede und jeder von uns braucht hin und wieder ein Rettungsring im wilden Strudel des Lebens. Wenn wir selber die Möglichkeit haben, jemanden vor dem Ertrinken zu retten, sollten wir die Gelegenheit ergreifen, ganz egal was die SVP von Begrenzung schwafelt. Es hat definitiv für alle genug.


«Adios» von Stephen White und Sa-Ves wird getragen von einem göttlichen Pianosample. Die Abschiedsnummer lässt die Hände der Zuhörerschaft rasant in die Höhe schiessen und sie zu feinstem Boom Bap abfeiern. Gelungen!

Das letzte Lied der CD vom Rapper Gringo erzählt von der «Lideschaft» Musik. Da bin ich voll bei ihm, dass die Kreativität häufig Leben rettet und das Sein allgemein angenehmer gestaltet. Die motivierende Ode an das Schöpferische als Abschluss der CD zu nehmen macht Sinn, denn nach dem Hören des Tonträgers verspüren sicher einige ein Reissen nach Beats und dem Texten.

Schlussfazit:
Der Rapsampler «Every Bar counts» zeigt wundervoll auf, wie facettenreich Rap in der Schweiz ist. Die abwechslungsreiche Kompilation, die viel Wert auf einen sozialen Nachhall legt, zeigt, wie viel weiter wir kommen, wenn wir unsere Kräfte bündeln und für eine gute Sache einsetzen. Besonders erwähnen möchte ich die Rapper, die nicht auf Representer-Tracks, sondern auf Zeilen mit Tiefgang gesetzt haben. So gestaltet man Charity auf Augenhöhe, denn das Projekt hilft nicht nur mit finanziellen Mitteln, sondern fordert alle dazu auf, mehr füreinander anstatt gegeneinander zu arbeiten. So verändert sich auf längere Sicht definitiv einiges. Sehr unterstützenswert!


Mehr Informationen zum Projekt findet ihr hier.

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