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Feminines Tuch im Kontrast zur Maskuliner Betonskulptur
Bild/Illu/Video: Christian Imhof

Feminines Tuch im Kontrast zur Maskuliner Betonskulptur

Über ein Jahr wurde an der Umsetzung des Werks von der Winterthurerin Stefanie Kägi (*1987) und der Bregenzerin Selina Reierer (*1985) gefeilt. Die Installation besteht aus einer Hommage an eine überlieferte Aussage des Bauhaus Mitglieds Anni Albers (1899-1994). Diese erachtete in Textilien die Möglichkeit ein «Gegenstück zu festen Wänden» in Museen zu bilden. Dieser Vorschlag wurde von den beiden Künstlerinnen angenommen, indem Tuchbanner industriellen Ausmasses handgegossenen Betonskulpturen gegenübergestellt wurden. Zusätzlich fand eine weitere Handlungsebene Einzug in das Werk, denn das Bauhaus gewährte den Frauen, trotz seiner Fortschrittlichkeit, nur Zulassung zur Weberei, welcher dann auch bald der Ruf einer «Frauenklasse» anhing. So kann die grossflächige Installation oberhalb des Postmuseums auch als ein starkes Zeichen oder einen Tribut an das weibliche Schaffen und als Verweis auf die Rolle künstlerischer Praxis innerhalb einer sich wandelnden Arbeitswelt interpretiert werden.  


Die wunderbare Welt der Soft Skills


Der zweite namensgebende Teil der Ausstellung bezieht sich auf eine Ansammlung sozialer Kompetenzen, die zur Orientierung in der Arbeitswelt unerlässlich sind. Diese werden mit folgenden Begriffen zusammengefasst: Einfühlungsvermögen, emotionale Intelligenz und Sprachfertigkeit. Klischeehaft werden diese oft dem weiblichen Geschlecht zugeordnet und doch gehören sie in der heutigen digitalen Welt zu den immer stärker geforderten Kernkompetenzen auf dem Arbeitsmarkt. Was uns Menschen gegenüber Robotern und künstlicher Intelligenz (den sogenannten solid solutions) ausdrucksstark und facettenreich macht, sind eben unsere soften Skills oder einfach auch unsere Menschlichkeit. Das unperfekte, teils unfertige oder vielleicht ein wenig unsaubere Arbeiten macht Kunst erst zu dem was es wirklich ist. Die Exhibition im Engländerbau regt seine Besucher auch deshalb stark zum Nachdenken und Reflektieren an. Denn so richtig leidenschaftlich glühen die Herzen der Kunstgemeinschaft nur bei handgemachten Kunstwerken mit persönlichem Touch.

Zeit für mehr Leben

Auch wenn die Technik unser Leben Stück für Stück immer mehr bestimmt, so sind es doch diese kleinen Offlinemomente, die unser Leben mit unvergesslichen Erinnerungen bereichern. An einem Konzert muss es laut sein und es darf hemmungslos getanzt werden. Ein gelungenes Essen muss heiss und würzig schmecken. Ein Spaziergang in freier Natur darf windig sein und der Muskelkater in den Beinen darf ein paar Tage nachwirken. Das wichtigste von allem diesen Beispielen ist aber folgendes: «Kultur muss zum Nachdenken anregen!» Dieses Kunststück schafft das Werk von Kägi und Reiterer federleicht. Im Engländerbau wurde so eine Ruhe- und Wohlfühloase für Jede und Jeden geschaffen. Die Menschen, die sich dazu bereit erklärten, in sich zu gehen und sich eine Auszeit zum stressigen Alltag im Hamsterrad zu gönnen, wurden mit neuen Erkenntnissen über Kunst oder auch über sich selbst belohnt.

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