Florian Fox: «Ich träume unglaublich gern.»
Bild/Illu/Video: Rob Lewis

Florian Fox: «Ich träume unglaublich gern.»

Mit 15 hast du deine erste Band «The Black Barons» gegründet. Was ist das schönste Erlebnis, das du mit der Formation hattest?
Mit den «Black Barons» durften wir über 300 Konzerte im In- und Ausland spielen. Einige meiner persönlichen Highlights waren die jährlichen Galas am International Country Music Festival im Zürcher Albisgüetli, das Festival da Jazz St. Moritz und die Country Music Cruise 2018. (Das ist eine Country-Kreuzfahrt, die im Mittelmeer durchgeführt wird.)  Das eindrücklichste am Musikmachen ist für mich, dass es Menschen auf tiefster Ebene verbindet und berührt. Musik lässt die Menschen einen Moment, ein Lied, ein Konzert lang gemeinsam träumen. Ich träume unglaublich gern.


Trotzdem arbeitest du inzwischen als Solokünstler. Wie ist es dazu gekommen?

Die Zeit war gekommen, meinen eigenen Zug zu fahren. Das hat viel mit dem Erwachsenwerden zu tun – die Komfortzone verlassen und mal ganz auf sich selbst angewiesen zu sein. Man stellt gleichzeitig den Zähler auf null lässt sich völlig neu inspirieren. Die USA und speziell Nashville sind dafür der ideale Ort. Diese persönliche Reise musste ich allein angehen. Auf der Bühne werde ich aber auch künftig nicht einsam dastehen: Die neue Florian Fox Tourband steht schon bereit.


Wie schwer hat dich die Pandemie getroffen, wenn es ums Touren geht?
Wir mussten unsere letzte Plattentaufe aufs Internet verlegen und natürlich sind auch praktisch alle weiteren Konzerte ab Mitte März ins Wasser gefallen. Das war schade, aber letztlich hat es meinen Schritt in die Solokarriere beschleunigt und das ist gut so.


Trotz Corona bist du in den USA und nimmst dein neues Album auf. Wie ist die Situation vor Ort?

Die Massnahmen sind zumindest in gewissen Südstaaten der USA nicht gleich streng, sodass Konzerte möglich sind. So konnte ich etwa in Texas auftreten. Die USA wurden in der ersten Welle wesentlich härter getroffen als die Schweiz. Ich merkte bei meiner Ankunft im August 2020, dass sich die Menschen an den Zustand gewöhnt hatten, die Situation war weder hektisch noch panisch. Daher treffe ich mich auch – unter den gebotenen Vorkehrungen – mit verschiedensten Musikern und arbeite mit ihnen im Studio.


Wann darfst du überhaupt wieder zurück in die Schweiz?
In die Schweiz zurückkehren dürfte ich jederzeit. Die Frage ist nur, ob mich die USA mit Blick auf die aktuellen Schweizer Zahlen wieder hereinlassen würden. Ich hatte für meine Einreise in die USA Anfang August Glück und erhielt ein Spezialvisum.


Es erscheint mir immer so, dass jeder Countrymusiker, der ein bisschen was von sich hält zumindest mal einen Song in Nashville aufgenommen haben muss. Warum ist das so?

Das ist wie mit der Schokolade: Wenn ein Chocolatier das beste Handwerk lernen will, so geht er zu Lindt. Doch bei der Country-Musik geht es nicht nur um Handwerk, es geht um die Seele. Die Menschen, mit denen ich hier arbeiten darf, kannten und kennen die Legenden, die Erschaffer dieses Sounds oder sie gehören sogar selbst dazu. Letztlich ist es eine kleine, sehr vertraute Gemeinschaft. Ich fühle mich sehr privilegiert, von meinen Idolen aus erster Hand lernen zu dürfen.


Würdest du sagen, dass in den USA die Musik einen anderen Stellenwert hat, als in der Schweiz?

Nicht prinzipiell. Sie ist vielleicht noch vielfältiger, aber das liegt auch daran, dass es einfach eine viel grössere Bevölkerung ist. Und es gibt sicherlich mehr Menschen, die mit der Musik ihr Glück versuchen. Die Schweizer haben gerne Sicherheit. Ich übrigens auch – ich gehe gern am Montagmorgen ins Büro und am Freitagabend auf die Festivalbühne.


Inwiefern unterscheidet sich dein neuer Sound von dem, den du mit «The Black Barons» gemacht hast?

Der Sound ist kerniger, meine Stimme gereift und geerdet. Man merkt den neuen Songs an, dass ich erwachsen geworden bin. Wenn man neben allen Erfolgen auch ein oder zweimal auf die Nase geflogen ist, tut das gut. Es macht bodenständiger. Ausserdem wird man den kreativen Input meines US-Produzenten spüren, der meinen Songs mit viel Südstaatencharme den lyrischen und strukturellen Feinschliff gibt. Das Florian Fox Debütalbum wird voraussichtlich im Sommer 2021 auch in der Schweiz erscheinen.


Du bist in Texas sogar ausgezeichnet worden für deine Arbeit in der Kategorie «Outstanding Performance». Wie wichtig sind dir solche Titel?

Viel wichtiger als ein Titel selbst ist die Botschaft, die dahintersteht. Wenn man als Schweizer vor einer texanischen Jury spielt und diese sagt «Good job, man. You truly got the sound», dann gibt das Kraft und Inspiration um weiterzumachen. Gleichzeitig möchte man als Künstler die Menschen berühren. Dazu muss man aber auch Plattformen haben, wo einem die Menschen sehen können. Awards sind schön anzuschauen, sie verhelfen aber vor allem auch zu Auftritten und – wenn man Glück hat –zu einem Zeitungsbeitrag (lacht).


Was ist so magisch an der Stilrichtung Country für dich?
Country ist nicht nur Musik, es ist wie ein grosses Buch von Geschichten. Dadurch, dass die Country Musik zu einem bedeutenden Teil von Lastwagenfahrern, Farmern und Häftlingen geschrieben wurde, bleibt sie immer authentisch und spricht aus der Seele der Amerikaner. Deren Vorfahren kommen ursprünglich aus allen Ländern der Welt. Sie haben im Westen eine neue Heimat gefunden. Ihr Traum von Freiheit und Hoffnung, aber auch der Abgrund inmitten dieses weiten, unzähmbaren Landes schwingt als magisches Element in jedem Countrysong mit. Wenn man einen Countrysong hört, kann man mitträumen.

Mehr Informationen zu Florian Fox findet ihr hier auf seiner Webseite.

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