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«Grüens Liecht» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

«Grüens Liecht» im Soundcheck

Das erste Album von Luryx startet mit einem ruhigen Beat und einem Lachen. Der Beat auf «Hendermi vermisst?» bleibt minimalistisch und zurückhaltend im Vergleich zum verdammt hungrigen MC, der schon beim Opener des Albums zeigt, dass er nicht der Mann für halbe Sachen ist. Diese Begeisterung für Wortspiele und die Liebe für das Rapgame habe ich in der Tat bei vielen anderen jungen Rappern vermisst…


Das Stück «Story» wird getragen durch ein afrikanisches Sample und geht nicht nur deshalb sofort ins Ohr. Dominik Buner zeichnet auf diesem Lied seine Lebenslinie nach und es ist doch ziemlich unterhaltsam, wenn er davon erzählt, wie er diverses im Theater- und Musicalbereich ausprobiert hat und durchs Tanzen beim Rap gelandet ist. Luryx offenbart in dieser Audiobiografie sein Innerstes. Nicht immer hat alles so geklappt, wie es sich der Newcomer vorgestellt hatte und doch ist es schön zu hören, dass er nach ein paar Fehltritten doch noch am Ziel angekommen ist.  


«Gschliffe» klingt jazzig angehaucht und hat trotzdem einen sehr modernen Vibe. Der Rapper nimmt kein Blatt vor den Mund und rechnet ab mit allen Neidern, die ihm nur Steine in den Weg geworfen haben. Immer wieder spannend, welch ein Ventil der Sound doch sein kann.


«Element» ist ein verdammtes Brett, welches die Elemente der Qultur Hip Hop zelebriert und zeigt, dass man nur mit genügend Herzblut, einem gesunden Mass an Selbstvertrauen und verdammt viel Biss ans Ziel gelangt. Zum ersten Ausrufezeichen des Rappers aus Walenstadt gibt es auch noch einen Videoclip, welchen ich euch sehr ans Herzen legen möchte. In diesem zeigt der junge Mann nämlich, dass er auch als Breakdancer eine gute Figur macht.


«Fernweh» passt unglaublich gut in die aktuelle Zeit in der das Reisen leider etwas komplexer ist. Die Zusammenarbeit mit seinem Kollegen YT funktioniert sehr gut, da beide Künstler nicht nur exzellente Wortakrobaten sind, sondern auch ein feines Gespür für eingängige Melodien haben. Sehr gelungen.


Das Lied «Liebi zum Sound», auf welchem Luryx sich das Mic mit dem Grossmeister Rones teilt, pumpt wunderbar aus den Boxen. Der Kopfnickertrack verbindet moderne Elemente mit klassischem Boom Bap-Sound und klingt durch viele humoristische Wortspiele sehr kurzweilig. Solchen Sound muss man einfach lieben.

«Erinnerige bliiben» ist der Gänsehautmoment schlechthin auf dieser Platte. Das melancholische Stück fährt mächtig unter die Haut und zeigt, dass hinter der harten Schale des Rappers eben doch ein weicher und sensibler Kern steckt. Trotz der Trauer schimmert immer wieder mal die Hoffnung durch, was das Lied zu einem Trostspender in traurigen Zeiten macht. Chapeau!


«Reklamiere» geht hart ins Gericht mit den «Problemchen» der Leute in der Schweiz. Imposant, wie er das sinnlose Reklamieren zerpflückt und zeitgleich darauf hin weisst, dass es vielen auf dieser Kugel viel mieser geht. Es ist diese beschwingte Sozialkritik, die einem zum Nachdenken anregt und hoffentlich bei vielen ankommt.


Der abwechslungsreiche Flow und der aggressive Unterton beim Song «De Tränä nah» mag ich sofort. Der Sprachakrobat kommt immer druckvoller in Fahrt und sorgt mit einer kurzen Zwischenmelodie für Atmosphäre. Spannend.


«Abstand» Ist ein Fronter, der sicherlich auf den Bühnen dieser Welt für einen Abriss sorgen könnte. Allgemein dünkt es mich, dass Luryx einen spannenden Mix aus Old und New School verkörpert, der in der Rapszene Schweiz auf viele positive Resonanz stossen dürfte.

«Ziitreis» ist eine schnelle Nummer und der Newcomer rattert fast wie ein Maschinengewehr über die Komposition. Trotz des rasanten Textes lohnt es sich genauer hin zu hören. Dieses Lied könnte nämlich durchaus etwas zur Suizid-Prävention beitragen, da es das Leben eines Zurückgelassenen porträtiert. Es zeigt eindrücklich, dass der verspürte Schmerz durch ein freiwilliges Gehen nicht wirklich verschwindet, sondern lediglich weitergegeben wird.


«Grüens Liecht» wird getragen von einer feinen Pianomelodie und Luryx fasst das bisher Gehörte nochmals stimmig zusammen. Der Junge hätte eigentlich noch eine passable Gesangsstimme, die hier nochmals grandios präsentiert wird.


Schlussfazit:
Das erste Album von Luryx mit dem Titel «Grüens Liecht» ist ein stimmiges Rapalbum, welches den roten Faden nicht aus dem Blick verliert und immer wieder überrascht. Die spannenden Themen, die erfrischende Virtuosität und auch die ansteckende Begeisterung des Newcomers aus Walenstadt machen die Scheibe zu einer kurzweiligen Hörvergnügen. Bei jeder Zeile spürt man seinen Hunger und merkt, dass der Rapper noch sehr viele Tracks in seinem Hinterstübchen hat, die nur darauf warten von der Leine gelassen zu werden. Es ist ein Einstand mit Stil, der die Hip Hop-Qultur zelebriert und nicht ohne Grund auf Platz 10 in der Schweizer Albumhitparade eingestiegen ist.

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