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Gute Reise King Muzzambo
Bild/Illu/Video: Martin Kaegi

Gute Reise King Muzzambo

Es war noch im Safari, als ich Muzzy zum ersten Mal begegnete. Gemeinsam mit Guitardani bettelte ich bei ihm um einen Konzertslot in dem bald schliessenden Lokal. Da der legendäre Club aber schon bis zum letzten Tag ausgebucht war, bekamen wir eine Absage für unsere damalige Formation «Crossbones». Auch sonst muss ich durch mein Aufwachsen im Prättigau leider zugeben, dass ich neben diesem Event lediglich ein weiteres Mal im Safari war, nämlich an der Premiere der Band AndaRojo. Bei seinem nächsten Konzertlokal wollte ich es anders machen und knüpfte früh Kontakt mit King Muzzambo.


Ein Herz für handgemachte Musik

Das nächste grosse Projekt, welches Muzzy anriss, war das Palazzo. Dort spielten wir mit meinen späteren Bands Virus of the Cactus und Godless Creation unzählige Male, auch wenn wir das heutige Loucy nicht einmal im Ansatz zu füllen vermochten. Muzzy bot uns eine Plattform, die zum Träumen einlud. Auch später, als er das Lokal weitergegeben hat und unten neben der Bowlingbahn den kleineren Beatclub eröffnet hat, schaute ich penibel darauf, dass dieser bei jeder Tour auf dem Plan stand, da ich Mike für immer sehr dankbar war für die erste Möglichkeit überhaupt aufzutreten. Ich denke, das geht nicht nur mir so. Muzzy hatte ein Herz für handgemachte Musik und liess Acts seine Bühne stürmen, die sonst wohl ewig nicht über den Bandraum hinausgekommen wären. Bei ihm stand immer die Leidenschaft für die Sache und erst in einem zweiten Schritt der Profit im Vordergrund. Wer auch schon auf Tour war, wird schnell merken, dass leider nicht alle Veranstalter so ticken.


Ein Beizer, wie er im Buche steht
Liefen die Konzerte gut, war es ein rauschendes Fest bei ihm im Palazzo. Kamen wenige Leute tröstete er mich auch mal drüber hinweg und drückte ein Auge zu bei der Ticketabrechnung. Muzzarelli war ein wichtiger Teil der Musikszene, da er nicht nur eine Plattform bot, er hatte auch immer ein offenes Ohr für alle. Er war ein richtiger Beizer, wie er im Buche steht. Das Wohlergehen seiner Gäste und der Musiker stand für ihn an oberster Stelle, auch wenn er wegen Corona in den letzten zwei Jahren ziemlich zu kämpfen hatte. Negative Energien fanden aber in seinen Lokalen nicht statt. Muzzy achtete sehr bedacht auf ein positives Ambiente, wo jeder so sein durfte, wie er war und sich niemand verstellen musst. Seine Freude war absolut ansteckend und wird definitiv sehr fehlen.


Was bleibt, ist Dankbarkeit
Jetzt ist das Original weg und die Ausgangsmeile in Chur hat viel von ihrer Magie verloren. Ich hoffe sehr, dass der Palazzo Beat Club in seinem Sinne weitergeführt wird und wir noch auch zukünftig neue Bands erleben können, die auch vom King Muzzambo ein Gütesiegel erhalten hätten. Ich bin unheimlich dankbar, dass ich die Bündner Musiklegende kennen und dabei auch sehr viel von ihm lernen durfte. Durch ihn erlebte ich, wie wichtig das friedliche und vorurteilslose Miteinander ist. Ausserdem steckte er mich mit der Freude am Touren an und zeigte mir auf, dass es hin und wieder nicht schadet, wenn man sich selber nicht allzu ernst nimmt. Muzzy, du hast mir gezeigt, dass Musik, egal wie untight sie auch vorgetragen wird, vor allem Spass machen soll.

Die letzte Lektion von dir, geschätzter Mentor, hätte ich lieber ein wenig später erhalten… Mit deinem zu frühen Tod, hast du mir nämlich gezeigt, wie verdammt schnell der ganze Spass vorbei sein kann und dass es besser ist, jeden Augenblick ausgiebig auszukosten.


Ich möchte dir von Herzen für alles danken, lieber Muzzy! Du fehlst!
Unser aufrichtiges Beileid gebührt der Familie.  

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