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Das einfache Leben
Bild/Illu/Video: Christian Imhof

Das einfache Leben

Besitz, Verpflichtungen und Beziehungen jeglicher Art benötigen vor allem eines: Zeit. Sie alle benötigen Zeit zur Akkumulation, Zeit im Unterhalt und Zeit, um sie wieder loszuwerden. Beim Besitz sieht man es sehr gut, da es eine materielle Sache ist. Um etwas zu kaufen, das man besitzen möchte, muss man die notwendige Recherche anstellen. Will jemand einen neuen Fern-seher kaufen, muss er zuerst wissen, was er möchte. Nachfolgend die oft langwierige und zeitkostende Recherche, um das «perfekte» Produkt zu finden. Hat man das Gerät, so muss man es installieren (lassen) und die notwendigen Abonnements kaufen, für welche man künftig monatlich mit Geld, also Lebenszeit, welche zur Arbeit für die Anhäufung von Geld verwendet wurde, zahlt. Hat man Glück (oder Pech – wie man es sehen möchte), so funktioniert das Gerät lange Zeit einwandfrei. Irgendwann jedoch wird besagter Fernseher durch ein neueres Gerät ersetzt. Es folgen Zeitaufwände, um das Gerät zu entsorgen. Danach beginnt der Kreislauf von vorne.


Ein immerwährender Kreislauf, angekurbelt von der eigenen Begierde, der eigenen Lust nach Besitztum. Ein für mich völlig absurder Kreislauf, eine Verschwendung von Lebenszeit und Energie. Indem wir fernsehen, widmen wir uns etwas zutiefst Vergänglichem.


Die gesamte Unterhaltungsindustrie ist etwas Vergängliches, das Einzige was wahrhaft bleibt, sind Erkenntnisse durch Erfahrungen. Indem wir unsere Lebenszeit darauf ver(sch)wenden, um Besitz anzuhäufen, haben wir nie die Möglichkeit das Leben von der anderen Seit, der einfachen Seite kennenzulernen. Indem wir unzählige Verpflichtungen eingehen, haben wir keine Zeit mehr für uns selbst. Und nur wer Zeit für sich selbst zur Verfügung hat, kann gesund in Körper und Geist bleiben. Das heisst nicht, dass man das gesamte Leben, nur auf sich selbst ausrichten sollte, vielmehr soll man sich so viel Zeit wie möglich freihalten, um sich selbst und selbstverständlich anderen Gutes zu tun. Indem wir wenige Verpflichtungen eingehen, indem wir über wenig Besitztum verfügen und einige wenige Beziehungen pflegen, haben wir viel Zeit, um uns diesen Dingen mit aller Mühe und Sorgfalt zu widmen. Weniger ist eben doch mehr.


Diese Zeit kann anders verwendet werden. Sie kann verwendet werden, um die Welt jeden Tag ein kleines bisschen schöner, lebendiger, ehrlicher und friedlicher zu machen. Indem wir viel Zeit mit uns selbst verbringen, eröffnet sich uns die Möglichkeit zu innerem Frieden zu finden. Wir können lernen zu sein und zu fühlen und dem Strom der Sorgen keine Beachtung mehr zu schenken. Fast jeder Mensch lebt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig. Wer einfach lebt, wird erkennen, dass nur die Gegenwart wichtig ist und dass wir nur im Jetzt etwas verändern können. Meiner Ansicht nach, ist es nicht wert, ein ganzes Leben auf der Baustelle oder im Büro zu verbringen. Meiner Ansicht nach ist ein Leben in materiellem Überfluss, ein Leben in innerer Armut. Wir sollten uns zuerst nach innen wenden, bevor wir nach Äusserlichkeiten streben.


Dadurch werden unsere Bedürfnisse vernünftiger. Indem wir uns ganz klar bewusstwerden, dass alles was wir denken und tun, mittelbare oder unmittelbare Auswirkungen auf unser Sein hat. Indem wir erkennen, dass Vergängliches wie sogenannter Reichtum wie Geld und Besitz nicht erstrebenswert sind, erkennen wir den wahren Reichtum der Qultivierung innerer Werte wie Zuneigung, Mitgefühl und Verständnis.


Ein letztes Beispiel: Es grenzt an Wahn und Blödsinnigkeit einem Modetrend nachzujagen. Weshalb soll jemand anderes für mich entscheiden, was ich zu tragen habe? Weshalb soll ich mich daran halten, und tragen was gerade in Mode ist? Ebenso grenzt es an Unüberlegtheit, wenn junge Menschen in ihrem Wunsch, manchmal in ihrer Gier nach Eigenständigkeit durch Besitztümer, sich verschulden und ein Leben lang finanzielle Schulden zu begleichen haben. Wer ein ganzes Leben lang nur nach aussen sieht, nie aber nach innen, wird niemals von der Frucht wahrer Freiheit kosten.

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