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Kulturfest Flawil: Nachgefragt bei Ananda Geissberger
Bild/Illu/Video: zVg

Kulturfest Flawil: Nachgefragt bei Ananda Geissberger

Organisiert wird es vom Kulturpunkt Flawil, wo jährlich über 100 Konzerte und Anlässe stattfinden. Top-Musiker aus aller Welt spielen dort seit Jahren auf kleinem, gemütlichem Raum auf.

Ich entnehme der Homepage, dass Musiker neuerdings auch gleich dort mehrere Tage übernachten und proben können. Leiter und Gründer des Kulturpunkts ist Ananda Geissberger.


Ananda ist ein Name, den man nicht so schnell vergisst, und auch das Aussehen ist mir schon beim ersten Mal, als ich ihn vor etlichen Jahren an einem von ihm mitorganisierten Open-Air traf, in Erinnerung geblieben. Auch weiss ich, dass er früher an Afro-Pfingsten in leitender Position war und Kontakte zu Bands aus aller Welt besitzt.


Der schlanke, grosse Herr mit Stirnglatze und Pferdeschwanz ist wahrscheinlich jedem durch sein ruhiges, besonnenes und beschiedenes Wesen auf Anhieb sympathisch und hat meiner Meinung nach für sein unermüdliches Schaffen eindeutig mehr Aufmerksamkeit verdient. Da es zeitlich nicht mehr drin lag, selbst vorgängig bei ihm vorbeizuschauen und ihn vor Ort zu interviewen, stellte ich ihm schriftlich einige wenige Fragen und bat ihn, diese kurz zu beantworten.


Ananda, wann war es und wie kam es, dass Du begonnen hast, Konzerte und Festivals zu organisieren?

Im Jahr 2004, mit 17 Jahren, habe ich das erste Festival organisiert. Ich sehe die Organisation von Events nicht als ein Bürojob, sondern ebenso als eine Art Kunstform. Selber stehe ich nicht gerne im Mittelpunkt und bin der Überzeugung, dass ich mehr erreichen kann, wenn ich die richtigen Leute (Künstler:innen) im richtigen Zeitpunkt in der richtigen Umgebung zusammen bringe.


Wie entstand der Kulturpunkt?

Nach etlichen Festivals wollte ich gerne einen Ort kreieren, der permanent besteht. Festivals haben den Reiz, dass man sehr viel Zeit investiert, um einen kurzen, aber sehr intensiven Event entstehen zu lassen. Ein kleiner Ort wie der Kulturpunkt hat hingegen den Vorteil der Beständigkeit und kann somit in der Region kontinuierlich kulturellen Mehrwert bieten.

Als im Oktober 2011 eine geeignete Räumlichkeit zur Verfügung stand, haben wir den Verein gegründet und am 11.11.11 den Kulturpunkt eröffnet.


Wie ich von Dir sehe und höre, liegt dein Fokus auf vor allem auf «Worldmusic», insbesondere auf afrikanischer Musik. Was fasziniert dich daran?

Ich bevorzuge den Begriff «Musik aus aller Welt». Was mich fasziniert, ist die Vielfalt an Ausdrucksformen und musikalischer Identität. Persönlich höre ich sehr gerne Musik aus dem afrikanischen Kontinent, da die Qualität und Ausdruckskraft auf sehr hohem Niveau ist. Im Kulturpunkt haben wir aber Musik aus allen Kontinenten, bisher aus über 60 Ländern. Da Afrika aus 54 Ländern besteht, also eine enorme Vielfalt vorweist und zudem geografisch nahe liegt, gibt es nicht wenige Konzerte aus unserem Nachbarkontinent.


Was macht Deine Liebe zum afrikanischen Kontinent und seinen Bewohnern, Musikern und Künstlern aus?

Nun ja, das hat sicher damit zu tun, dass ich dort viel gereist bin und bereits als Kind mit der Musik in Verbindung war. Durch den langen Kontakt und Austausch entstand für mich ein immer klareres Bild von «Afrika» und machte Lust, mehr darüber zu lernen. Ich versuche den Kontinent und auch die geschichtliche Verbindung zwischen Afrika und Europa besser zu verstehen und vielleicht auch ein ganz kleiner Teil dieser Geschichte zu werden, indem ich den gegenseitigen Austausch auf Augenhöhe fördere.

Wer schon mal in Subsahara Afrika war hat vermutlich die dortige Magie erlebt: der Charme der Landschaft und der Menschen, das kollektive Bewusstsein für Ehre, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Mir tut es gut, Zeit zu verbringen in Umgebungen, die so voller Emotionen sind, Völker mit einer anderen Identität kennen zu lernen, zu beobachten, Flexibilität und Bescheidenheit von ihnen zu lernen. Was mich beschäftigt sind die künstlich entstandene Chancenun-gleichheit zwischen den beiden Kontinenten Europa und Afrika und die gegenseitig vorherrschenden Klischees. Diese sind leider oft nicht sehr förderlich.


Spielst Du selber ein Instrument?

Ja, das tue ich aber nicht mehr als Profi. Ich habe mich längst entschieden, mich vollumfänglich meinen Projekten zu widmen und die Musik nur noch nebenbei zu spielen.


Welche Beziehung hast Du selbst zu Musik?

Ich liebe es, Musik zu hören, sie zu geniessen. Genauso gerne aber bin auch ein Kritiker. Ich arbeite sehr eng mit verschiedenen Musiker:innen zusammen, versuche Möglichkeiten zu geben und somit ein bisschen zu unterstützen. Musik klingt nicht nur schön, sondern vermag es auch, Leute zusammen zu bringen, – und wo Leute zusammenkommen entsteht gerne etwas Neues, ein kleines bisschen Zukunft.


Am Kulturfest Flawil spielen verschiedene Bands aus Senegal, Ghana, Tanzania und Algerien. Nach welchen Kriterien hast Du/habt Ihr sie ausgewählt? Oder kennst Du alle persönlich?

Normalerweise spielen am Kulturfest Bands aus unterschiedlichen Ecken der Welt. Diesmal liegt der Fokus auf Afrika. Trotzdem könnten die Künstler:innen kaum unterschiedlicher sein. Das war auch eines der Kriterien für die Auswahl. Weitere sind Ausdruckskraft, Professionalität und, dass die beiden Hauptacts in der Schweiz noch No-Names sind, aber das Potential besitzen, auch hier Bekanntheit zu erlangen. Bis auf Tofa Jaxx kenne sie auch persönlich. Djam habe ich zum ersten Mal in Marokko gesehen, dort ist er bereits eine riesen Nummer. Richtig kennen gelernt haben wir uns dann in Tansania.


Wie lange Vorbereitungszeit hattet Ihr und wie viele Leute sind insgesamt im Fest beteligt?

Die Vorbereitung war dieses Jahr um einiges kürzer als sonst. Das Datum steht schon lange, aber internationale Acts in die Schweiz zu bringen ist definitiv noch komplizierter als vor Corona. Für die Organisation und Realisation sind wir rund 43 Leute.


Was braucht es, damit so etwas überhaupt stattfinden kann?

Eigentlich nur Zeit, Willen, Engagement, Fördergelder und grosszügige Gäste, denn der Event findet auf Kollektenbasis statt.


Worauf freust Du Dich selbst am meisten?

Es gibt an jedem grösseren Event diesen einen speziellen Moment, wo man sich einfach 10 Minuten Zeit dafür nimmt, um die Leute beim Geniessen zu beobachten - wenn alles läuft, die Leute glücklich sind, kommt eine totale Zufriedenheit über einen. Man weiss nicht, wann dieser Zeitpunkt sein wird, aber irgendwie gibt es ihn wirklich jedes Mal. Darauf freue ich mich am meisten.


Herzlichen Dank für das Interview. Ich freue mich und werde live dabei sein und für Qultur berichten.

Genaueres unter: https://www.kulturpunkt-flawil.ch/

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