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Bild/Illu/Video: Sundroina Pictures

Lichtkunst von Weltformat

Dabei ist der Wald nicht einfach nur Bühne sondern gestaltendes, fest integriertes Element, der wichtigste Partner im ganzen Reigen. Viele der Kunstobjekte sind extra für diesen speziellen Platz kreiert worden, passgenau und wirkungsstark spielen sie mit Bäumen und Schatten und laden zur Interaktion, zu Berührung und Begehung. Punktgenau zum Festivalstart hat sich auch Frau Holle unter die Künstler gemischt, lässt Schneekristalle rieseln, zaubert Häubchen auf Kunstobjekte und legt daunenfeine Decken über Wege und Wald.

 

Seit der ersten Austragung vor sieben Jahren hat sich das Lichtkunstfestival in Lenzerheide zur festen Grösse mit Vorbildfunktion entwickelt. Die Schau in der Vorweihnachtszeit ist das Resultat eines Wettbewerbes, der seit letztem Jahr vom Künstlerkollektiv NOA kuratiert wird. Die jährliche Ausschreibung stösst national und international auf grosse Resonanz, über 50 Projekte wurden für die Ausstellung 2019 eingereicht, 15 davon haben es in die finale Auswahl geschafft und präsentieren sich auf dem Rundgang durch den Wald. «Die hohe Resonanz auf unseren Call for Projects macht uns stolz. Es waren Künstlergruppen und Lichtgestalter aus ganz Europa vertreten, mit vielen spannenden Ansätzen und Projekten», meint dazu Mika Schell, Mitglied des Kurationsteams.  Ausgewählt wurde unter dem Aspekt der Gesamtgestaltung, der Zauberwald Lenzerheide ist eine vielschichtige Komposition, die alle Sinne anrühren, die berühren und Erinnerungen schaffen soll, durch Erfahrung und Erlebnis. Ebenfalls mit eingeflossen in die Entscheidung sind Kriterien wie die künstlerische Ausrichtung, Einzigartigkeit, Professionalität und Passung zum Setting im Winterwald.


Verantwortlich für die künstlerische Leitung ist Primo Berera, eines der drei Gründungsmitglieder des Zauberwaldes. «Jedes Jahr erschaffen wir mit wechselnden Installationen ein völliges neues Erlebnis im Wald, mit Inseln für Ruhe und Besinnliches, Raum für Interaktion oder Anregungen zum Nachdenken.» Berera ist gleich in mehrfacher Funktion im Zauberwald aktiv: Als OK-Mitglied laufen die Fäden fürs Marketing bei ihm zusammen, als Kurator hat er über die Kunstobjekte den Überblick und als Künstler ist er für mehrere Lichtkunstinstallationen verantworltich. So präsentiert Primocollective für den Hauptsponsor EWZdie faszinierend interaktive Installation «Electrified Poetry», wo die Besucher über ihr projeziiertes Spiegelbild mit verschiedenen Formen von visualisierter Energie spielen können. Die strömenden Lichtwellen und Funken reagieren auf die Bewegungen der Besucher und flirren als Lichtspiele und endlose Energiequellen über die Leinwand.


Ein Highlight der Schau ist sicher das begehtbare Werk «Hexx Øne» des internationalen Künstlers Calidos aus Barcelona. Die modulare Lichtinstallation besteht aus 12 sechseckigen Bögen und referenziert auf den Rhythmus der Zeit. Je nach Blickwinkel und Bewegung wird die visuelle und auditive Erfahrung im Lichtbogengang beschleunigt oder verlangsamt. Die hypnotische Wirkung des Tunnels lässt die Wahrnehmung der Zeit verwischen. Calidos ist von der Wirkung der Installation im Schneewald fasziniert: «Wir sind Anfang der Woche für den Aufbau angereist und haben uns in einem Märchen wieder gefunden. Alles hier ist wie verzaubert, unsere Lichtskulptur pulsiert ganz anders als beispielsweise in der Wüste. Es ist einfach mitreissend!»


In allen Installationen spielt neben dem Licht die Natur eine tragende Rolle, manchmal in Form von Tieren wie bei der Installation der Schule Vaz/Obervaz (Vogelschwarm «Entfaltung») oder «Tiere der Nacht» der Argauer Künstler Crealux. Nachdenklich und traurig stimmt Mika Schells Skulptur «Gletscher» . Sie zeigt eindrucksvoll die Menge von 10 Kubikmeter Wasser als Koloss. Genau jene Masse, die dem Bündner Morteratschgletscher durchschnittlich pro Sekunde weg schmilzt. Die wissenschaftlichen Daten stammen von den Messungen der Glaziologie-Abteilung der ETH Zürich. Grafitti-Star Bane möchte mit seiner Installation «Muttersprache» das Gespräch angehen mit Mutter Natur. Über den Waldboden und die Baumstämme hoch wird der energetische Fluss der Erde projieziert, angeregt durch die Gespräche, die die Besucher über ein hängendes Mikrofon sprechen. Die Laute werden zu Lichtimpulsen,  visualisierte Kommunikation mit Mutter Erde.


Simon HussleinBesonders zu empfehlen ist der zauberhafte Classic Corner. Auf einer kleinen Lichtung, mitten von hohen Fichten steht ein Flügel im Licht der riesigen Skulptur «Kronleuchter» von Simon Husslein. 3x pro Abend an den Wochenenden spielen hier Musiker und Musikerinnen der «guerillaclassics» klassische Stücke, die wie Zauberschwaden durch den Wald wabern und magisch poetisch Gänsehautstimmung bewirken. Deshalb nicht verpassen: jeweils zur halben Stunde, 17.30, 18.30 und 19.30 Uhr unter dem Kronleuchter sein!


Musik und Kulinarik

Wir finden: Der Zauberwald bietet viel für einen moderaten Eintrittspreis von 20 Franken, denn neben dem Kunstrundgang leistet das Festival auch jeden Abend mit einem tollen Line Up beste Unterhaltung : Die Eröffnung am Freitag, 13. Dezember 2019 hat die Walliser Mundart-Sängerin Sina bestritten. Weiter ging es am ersten Wochenende mit Manillio (14.12) und Pegasus (15.12). Der Auftritt der Berner Mundart-Band Patent Ochsner gestern war restlos ausverkauft. Mit dem Saint City Orchestra heute Abend, Bastian Baker (19.12), 77 Bombay Street (20.12), Dabu Fantastic (26.12) oder Endo Anaconda featuring Slam & Howie and the reserve men und weiteren Acts ist für jeden etwas dabei.


Öffnungszeiten Wald: 17.00 bis 23.00 Uhr

Classic Corner: 17.30 / 18.30 und 19.30 Uhr

Main Acts: 20.15 Uhr

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