Liebeskummer lohnt sich nicht
Bild/Illu/Video: Jenny Schwarz

Liebeskummer lohnt sich nicht

Wenn eine Partnerschaft in die Brüche geht, ist für viele das Leben zu Ende. Und das stimmt auch. Das Leben, das man bisher kannte und mehr oder weniger zu schätzen wusste, ist tatsächlich vorbei. Da wir Herdentiere sind und gerne irgendwo dazu gehören möchten, löst die Auflösung einer Beziehung und der Kontaktunterbruch zu einer geliebten Person reflexartig Ängste aus oder mindestens ungute Gefühle.


Ausserdem liebt unser Gehirn gewohnte Dinge, wie gewohnte Menschen, gewohnte Tagesabläufe, gewohnte Umgebungen. Damit wir uns wohl und sicher fühlen, versucht unser Gehirn uns zu diesen gewohnten Abläufen zurück zu führen. Wenn wir realisieren, dass das nicht mehr geht, reagieren wir mit (oft auch körperlichem) Schmerz.

Das Ende einer Liebe bedient zusätzlich eine der häufigsten Ängste der Menschen: die Angst vor Zurückweisung. Wir alle wünschen uns so angenommen und geliebt zu werden wie wir sind. Und wir fürchten uns davor, dass Menschen nicht mit uns zusammen sein möchten. Umso härter trifft es uns, wenn der geliebte, auserwählte Partner an unserer Seite nicht mehr mit uns zusammen sein möchte. Wir fühlen uns abgewiesen, aussortiert, überflüssig, ungeliebt und vieles mehr. Bei vielen kommen sofort Selbstzweifel oder -kritik. Meist verbunden mit dem starken Glauben, dass man nicht gut genug ist oder dass man nirgendwo dazu passt.


Liebeskummer ist deshalb so tragisch, da mehrere Faktoren zusammen kommen: Zurückweisung, Liebesentzug, veränderte Gewohnheiten und Einsamkeit. Jeder Faktor für sich ist schon extrem problematisch, treffen mehrere davon zusammen, ist dies der absolute Supergau.


Die Heilung von Liebeskummer braucht Zeit. Obwohl ich bekannt dafür bin schnelle Veränderungen zu erzielen, braucht es bei Liebeskummer meist einige Wochen oder Monate bis eine Besserung in Sicht ist.


Meiner Erfahrung nach liegt das an folgenden Phasen, die bei Trennungen durchlebt werden und die aufeinander aufbauen bzw. sich ineinander fügen. Jede dieser Stufen muss durchlebt und verstanden werden, um einen Schritt weiter zu gehen.

1. Schockstarre – dies ist die Phase kurz nach der Trennung. Langsam realisiert man, dass das alte Leben vorbei ist.

2. Harter Aufprall in der neuen Realität - hier macht sich meist Verzweiflung breit, dass man es ohne den Partner nicht schafft bzw. das alte Leben vermisst und ihm nachtrauert; der Verlust kann sich hier wie ein Entzug anfühlen. Viele bleiben hier hängen, da sie ihre alte Gewohnheit zurück möchten

3. Vermissen des Partners – Liebe kann man nicht einfach ausschalten, sie muss sich langsam wandeln

4. Glorifizierung der /des Ex – man glaubt nie wieder jemanden zu finden, der so gut zu einem passt

5. Selbstvorwürfe/ Selbstzermarterung – Was habe ich nur falsch getan? Hätte ich nur…! Warum musss ich auch immer…?

6. Selbstmitleid – Ich bin so allein! Keiner will mich!

7. Hoffnungslosigkeit – Ich werde immer allein sein. Ich bin beziehungsunfähig.


Bei vielen Menschen tritt dann irgendwann ein neuer Partner in das Leben und die Hoffnungslosigkeit verschwindet. Die Gefühle von «Ich bin nicht gut genug, sonst hätte mich der andere nicht verlassen» oder «ich bin nicht gut genug eine anständige Beziehung zu führen, da all meine Beziehungen bisher gescheitert sind», bleiben im Unterbewusstsein allerdings gespeichert. Dies wird spätestens bei der ersten Beziehungskrise spürbar.


Aus diesem Grund ist es notwendig den Trauerprozess voll durch zu leben und danach das eigene Selbstwertgefühl wieder zu unterstützen, damit man die schlechten Gedanken, die man über sich selbst hat nicht in die neue Beziehung mitnimmt und den neuen Partner nicht als Heilsbringer ansieht und insgeheim zu viel von ihm /ihr erwartet.


Bevor ich euch ein paar Tipps für euer Selbstwertgefühl gebe, möchte ich euch erklären, warum es trotz grossem Schmerz, sinnvoll ist, die Traurigkeit vom Anfang nicht zu unterdrücken.


Jedes Gefühl wächst bis zu einem gewissen Punkt und flaut dann wieder ab. Und zwar von ganz alleine. Man kann sich in seine Trauer, seine Wut, seine Enttäuschung reinsteigern, muss dann aber feststellen, dass irgendwann ein Punkt erreicht ist, an dem das Gefühl nicht noch mehr zu steigern ist. Wenn dieser Punkt erreicht ist, ebbt das Gefühl ab. Und selbst wenn wir uns wieder und wieder reinsteigern, ist irgendwann «die Luft raus». Und das ist ganz natürlich. Wenn wir das Gefühl allerdings zwanghaft unterdrücken, kommt es entweder irgendwann unkontrolliert ans Tageslicht oder wir bekommen körperliche Beschwerden, da das Gefühl einen Weg sucht, sich bemerkbar zu machen.


Wenn der Trauer- und/oder Wutprozess abgeschlossen ist, geht es also an die Selbstfürsorge. Mit zeitlichem Abstand kann man die verlorene Beziehung in einem neutraleren Licht betrachten. Sicher wurden von beiden Fehler gemacht. Und aus Fehlern kann man lernen.


Jede Erfahrung macht uns klüger und bringt uns in unserer Entwicklung einen Schritt weiter.


Mit einem neuen Lebensabschnitt gehen auch immer neue Möglichkeiten hervor.


Die Zeit des Single-Daseins kann man dazu nutzen alten und neuen Hobbies nachzugehen, neue Dinge auszuprobieren, den Freundeskreis zu erweitern, sich Zeit für sich selbst nehmen, feststellen wie sehr man sich durch die Beziehung verändert hat und Ausmisten was im Leben bleiben kann und was nicht.

Am Effektivsten kann man seinen Selbstwert steigern, wenn man jeden Abend aufschreibt (oder sich zumindest überlegt) was gut an dem Tag war und für was man dankbar ist. Zusätzlich wird dadurch der Fokus auf positive Dinge gelegt.


Was auch sehr wichtig ist, ist zu beobachten wie man über sich selbst denkt bzw. wie man mit sich redet. Beobachtet das einmal für einen Tag. Wie oft fallen Worte wie «Dumme Kuh» «Idiot» «Ich bin so blöd» und Schlimmeres? Wenn das bei dir so ist, ändere die Art wie du mit dir selbst redest und schaue was es mit dir macht.

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