Nachgefragt bei Dabu Bucher
Bild/Illu/Video: Steve Wenger

Nachgefragt bei Dabu Bucher

Wie nervös seid ihr vor der Veröffentlichung?

Ja, sehr nervös. Ich habe das Gefühl, es wird fast immer schlimmer, da es nichts ist, was man lernen kann. Man hat ja nicht die ganze Zeit Releases, wie beispielsweise Konzerte. Dort sind wir ein wenig besser geworden mit dem Kontrollieren der Nervosität, wobei ich im letzten Sommer vor dem Konzert am «Stars in Town» in Schaffhausen unfassbar nervös gewesen bin, wie schon lange nicht mehr… Und auch bei Releases gibt es nervösere und weniger nervösere. Der hier wird ein recht nervöser Release. Es nimmt einem eben Wunder, wie es angekommen ist, was wir gemacht haben.


Wie ist es dir ergangen beim Schreiben des Materials?
Grundsätzlich sehr gut. Es ist sehr einfach gegangen dieses Mal. Der erste Schritt beim Schreiben war sehr flink. Es gibt viele Songs auf dem Album wie beispielsweise «Berlin», «Jagge», «Schlaf us», «Wemmer gaht», «In Ordnig» und weitere, die schon früh in einer Demophase recht weit waren und gut geklungen haben. Nachher ist es aber wie, wenn du einen Legoturm baust, der «huere geil» aussieht und dann das Gefühl hast, du müsstest immer mehr schweres Zeugs dort drauf abstellen. Dann merkst du plötzlich, dass es zwar schön aussieht, aber trotzdem noch nicht richtig hält. Genau so war es bei diesen Songs auch gewesen. Wir mussten dann, den Legoturm frisieren, im übertragenen Sinn. Wir mussten an allem nochmals arbeiten. Wir waren sehr lange mit den Texten beschäftigt. Gian-Luca Giger, der in unserem Produktionsteam und auch unser Bassist, sowie musikalischer Direktor ist, ist sehr «pingelig» und fragt auch ständig nach, was uns sehr geholfen hat, noch weiter in die Tiefe zu gehen, als wir es sonst gegangen wären. Ich glaube, wir haben noch nie so detailliert an den Liedern gearbeitet wie bei diesem Album.


Vorab habt ihr einige «Jagge – Talks» veröffentlicht. Wie entstand die Idee zu dieser alternativen Werbemassnahme?

Die Idee zu den «Jagge – Talks» ist eigentlich dadurch entstanden, da ich das Gefühl hatte, dass die Leute uns eher von der lustigen Seite her wahrnehmen. Klar, wir sind eine fröhliche und lustige Band. Das schon, aber wir haben auch eine sehr dunkle Seite, die aber gar nicht so düster, sondern vielmehr nachdenklich ist. Wir dachten uns, wir möchten dies auch mal nach aussen kehren und das Nachdenkliche zeigen. Zugleich wollten wir aber auch den Leuten erklären, um was es im «Jagge»-Song wirklich geht. Darum haben wir das so gemacht.  

Welche Folge der Talks hat dich am meisten überrascht?
Es waren alle sechs Folgen sehr speziell. Ziemlich überraschend war für mich, als plötzlich DJ Arts dort stand. Das hätte ich nicht erwartet, da ich ja nicht gewusst habe, auf wen ich treffe. Von dem her war dies sicher die überraschendste Folge, weil ich gedacht habe, dass ich wieder auf jemanden treffe, der in der Nacht arbeitet. Von dem her habe ich mich darauf eingestellt und dann treffe ich Arts... Mein Team hat mich vorab extra ein bisschen fehlgeleitet und ich war sehr, sehr überrascht ihn zu treffen, habe mich aber auch sehr gefreut. Bei den anderen Talks war es mehr so, dass mich die Geschichten intensiv beschäftigt haben.

Mit Stephan Eicher habt ihr eine Legende auf eurem neuen Werk zu Gast. Wie sehr ehrt einem das, mit einem Jugendhelden zusammen arbeiten zu dürfen?

Ja, ich habe mich sehr gefreut mit Stephan Eicher zusammenarbeiten zu können. Es war ein Wunsch. Wir sind ja eine Band, die sehr sparsam ist, wenn es um Features geht. Wir machen ganz, ganz wenige. Es hat auf «Hallo Hund» und «Drinks» beispielsweise keine Gäste gehabt. Wir sind wirklich sparsam und ich finde, wenn es Features gibt, dann muss es jemand sein, der einem Lied, also man muss da wie vom Lied aus denken, etwas gibt, was das Lied sonst nicht hätte. Es geht nicht drum, einfach Stephan Eicher auf dem Album zu haben, sondern es geht viel mehr drum, wenn die dritte, bereits geschriebene, Strophe jemand anderes singt, dann verleiht das dem Song eine zusätzliche Tiefe. Dann haben wir uns das gewünscht und wir hatten ein paar Wunschkandidaten. Stephan war zuoberst auf der Liste und hat dann zugesagt, was wirklich mega, mega schön für uns ist. Es ist eine Ehre. Ich durfte ausserdem noch einen «Jagge»-Talk mit ihm machen, was mich ebenfalls sehr gefreut hat. Es ist für mich natürlich sehr speziell diesen Kontakt haben zu dürfen. Ich fühle mich geehrt und sehr privilegiert, dass es geklappt hat mit dem Lied und ihm.


Ebenfalls vor dem Album ist ein Bildband von euch erschienen. Werden so die sinkenden Verkaufszahlen der Musik ausgeglichen oder ist das vor allem als schönes Souvenir zu verstehen?
Es ist einfach so, dass Steve Wenger, unser Haus- und Hoffotograf, wissen wollte, wie so ein Album produziert wird und uns dann durch alle Stationen begleitet hat. Wir waren zwei Mal in der Toskana, zwei Mal in Berlin, einmal in Valbella und haben auch in Zürich sehr viel Zeit verbracht. Er hat gesagt: «Ich bin einfach dabei und begleite euch.» Wenn man die Gelegenheit hat und ein Fotograf dabei ist, wäre es irgendwie dumm, wenn man daraus nichts machen und es versanden lassen würde. Aus diesem Grund haben wir das Buch herausgegeben. Es hat auch noch Texte drin von Lorenzo Da Firenze, was auch sehr lustig ist. Aber wir werden, wenn wir Schwein haben und es sehr gut läuft, rauskommen mit dem Buch, aber definitiv kein zusätzliches Geld damit verdienen. Das ist schon relativ klar, denn es war nicht wirklich günstig so ein Fotobuch zu produzieren. Aber es sieht im Moment sehr danach aus, dass wir doch noch rauskommen, was sehr cool wäre.


Ihr habt schon ziemlich überall gespielt. Welches Festival steht noch ganz oben auf eurer Wunschliste?

Wir haben wirklich schon an vielen Orten gespielt. Für mich fehlen in der Schweiz noch das «Paleo» oder das «Montreux Jazz Festival»… In der Westschweiz gibt es allgemein viele Festivals, die wir noch nicht gespielt haben. Wenn ich jetzt eines wünschen dürfte, von dem ich sagen kann: «Gopf, dort würde ich gerne noch spielen.», waren es bis jetzt immer die beiden «Moon and Stars» und «Paleo». Und genau am «Moon and Stars» dürfen wir diesen Sommer spielen. Also fehlt nur noch das «Paleo». Wobei es gibt auch noch andere, «Gurten» haben wir beispielsweis noch nie gespielt. Am Schluss alle gespielt zu haben, das wäre echt schön!


Praktisch eure ganze Band stammt aus Graubünden. Wann zieht es Arts und dich auch in den schönsten Kanton der Schweiz?

Arts und ich zügeln nicht nächstens nach Graubünden. Es ist ja auch noch Simon Britschgi, unser Schlagzeuger, der auch in Zürich wohnt. Aber wir haben sehr viel Freude an Graubünden. Wir gehen sehr oft proben in Chur. Auch privat bin ich sehr oft in Graubünden, da es einen speziellen Charme hat. Wenn wir mit dem Bandbus in Chur einfahren, dann fühle ich mich fast ein wenig wie daheim, weil wir dies sehr oft gefahren sind. Das ist wunderschön und wir dürfen in diesem Sommer ja auch das «Lumnezia» spielen. Ausserdem dürfen wir am 28. März im Loucy in Chur spielen, darauf freuen wir uns extrem. Wir fühlen uns schon verbunden mit Graubünden. Es ist wirklich ein wunderschöner Kanton und er hat auch eine spannende Musikszene mit vielen Leuten, die aktiv sind. Das ist sehr cool!  

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