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Philipp Fankhauser und das «Dranbleiben»
Bild/Illu/Video: Adrian Ehrbar

Philipp Fankhauser und das «Dranbleiben»

Dein Album ist zwei Tage vor Weihnachten auf Platz 1 der Schweizer Albumcharts gehuscht. Wie gross war die Freude an diesem einmaligen Weihnachtsgeschenk?
Das war eine grosse Überraschung und die Freude war riesig. Immerhin hat es sechzehn Alben lang gedauert, um die Nummer eins zu erreichen!

Haben die verkauften Kassetten den entscheidenden Impuls zur #1 gegeben?

Vom letzten Album haben wir immerhin 5% als Kassetten verkauft. Ich gehe davon aus, dass das bei diesem Album wieder ähnlich sein wird. Schon cool!

Im Weihnachtsgeschäft braucht es meist noch mehr CDs um die Hitparade zu stürmen, wäre der Januar kein Ausweichdatum gewesen?

Dann wären wir mit «Please Come Home For Christmas», dem 15. Song auf dem Album, etwas spät dran gewesen… Die Veröffentlichung im Dezember ist bei uns schon fast Tradition.


Ist Blues-Musik in der Schweiz nun im Mainstream angekommen?

Wenn mein Blues dann doch nicht grad Mainstream ist, dann ist er zumindest auch keine Nische mehr. Und das seit gut zehn Jahren, seit meinem Album «Try My Love».

Auf deinem neuen Album «Let life flow» gibt’s ein Mundartlied und eins auf Italienisch. Ist das ein kleines «Zurück zu den Wurzeln»? Du bist ja teilweise im Tessin aufgewachsen.

Ja, Lucio Dallas «Milano» ist gewissermassen eine Hommage an meine Teenagerzeiten im Tessin und an die grossen Cantautori. «Chasch Mers Gloube» ist ein Tribut an den leider im Dezember 2017 verstorbenen Hanery Amman. Ein lieber und sehr vermisster Freund.

Werden es solche sprachlichen Exoten auch in Zukunft in dein Repertoire schaffen?

Das ist aus heutiger Sicht gänzlich unbekannt, on verra!

Welcher Ort bedeutet für dich Heimat?

Die Konzertbühne, alle Konzertbühnen.

Welche Resonanz erfährt deine Musik im Ausland?

Ich erhalte immer wieder ganz tolle Reaktionen von Fans und Radios.


Hat dich das nie gewurmt, dass dein Erfolg sich vor allem auf den Schweizer Markt beschränkt?

Doch. Und es wurmt mich immer noch. Aber es ist, wie es ist. Wer weiss, was in den nächsten 25 Jahren noch passieren wird. Abgesehen davon muss man schon sehen, dass es eben genau dieser «Markt», also die Schweizer Fans und Musikkonsumenten sind, welche uns unser Leben als Musiker ermöglichen. Jammern wäre also absolut fehl am Platz.


The Voice of Switzerland geht in Kürze wieder los mit einer komplett neuen Jury. Was hältst du von der Wiederbelebung der Sendung?
Ich habe keine Meinung dazu, wünsche allen Mitmachenden aber viel Spass und Erfolg dabei.


Welche Erfahrungen hast du als Jurymitglied bei The Voice mitgenommen?
Echte, authentische Musik hat es bei solch einem Fernsehformat schwer; die Schwerpunkte der Macher liegen einfach an anderen Orten. Effekthascherei vor Tiefe, Einschaltquoten vor Musikqualität. Ein schwer zu bewältigender Spagat.


Welche Tipps gibst du jungen Künstlern heute mit auf den Weg?

Sich nie entmutigen lassen, Enttäuschungen wegstecken, wieder aufstehen und dranbleiben.

Ebenfalls in Kürze startet die Schweizer Version von «Sing meinen Song». Wirst du das verfolgen oder eher gar nicht?

Ich glaube eher nicht, aber vielleicht schon.


In der Schweiz wird im Februar über eine Ausweitung der Anti-Rassismus-Strafnorm abgestimmt. Wie wichtig ist dir das Thema?

Ich werde auf jeden Fall ein Ja einlegen.

Hinkt da die Schweiz noch ein wenig hinterher?

Es sind die Menschen – ganz gleich wo auf der Welt – die Hass, Neid und Missgunst in sich tragen. Oftmals geschürt durch Religion, falsch verstandenem Gottesglauben und  entsprechendem Fanatismus. Erziehung und Aufklärung sind dringend notwendig.


Als weisser Schweizer Bluesmusiker hattest du am Anfang deiner Karriere sicher keinen leichten Start. Was hat dich überzeugt, immer wieder weiter zu machen?

Es war tatsächlich kein leichter Weg und auch heute noch gibt es Momente, wo ich vieles in Frage stelle. Aber letztlich ist es mein Beruf, meine Berufung und ich wüsste nichts, was ich lieber täte, als den Blues zu singen. Also, wieder aufstehen und weiter machen!


Deine Tour hat bereits gestartet. Wie kommen die neuen Songs beim Publikum an?

Meine Band und ich sind superglücklich. Das Programm kommt sehr gut an.

Wenn du ein Konzert von dir auf drei Worte herunterbrechen müsstest, welche wären es?

Ein früherer Pianist von mir sagte Mal: «Anecho, Hütte abrisse, Hei fahre!» Grad ganz so krass dann doch nicht, aber sinngemäss ist es das: Ans Konzert fahren, das bestmögliche Konzert «abliefern», nach Hause fahren!

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