Torp und die fliegende Zeit
Bild/Illu/Video: Yannick Bürkli

Torp und die fliegende Zeit

Hey Torp, du schreibst selbst, «nach gefühlten 72 Jahren im Studio» gibt’s wieder neue Musik von dir. Bist du derart perfektionistisch veranlagt oder was ist der wirkliche Grund für deine langen Pausen?
Fangen wir das Interview doch gleich mal mit meiner Schwäche an, haha! Nein, eigentlich ist es sehr plausibel. Da kamen viele Gründe zusammen. Ich wusste, mein erstes Album wird aufwendig, deshalb wollte ich es erst nach meinem Studium angehen. Und es war intensiv! Dazu später mehr. Nun ist es fertig und nach und nach zeige ich Songs daraus.


Sein eigenes Tempo zu finden und sich Zeit für Dinge zu nehmen scheint mir wahnsinnig wichtig. Gerade in dieser schnellen Zeit. (Kleiner Spoiler: Das Album wird «Time Flies» heissen.) In der Realität wartet da draussen niemand auf einen, jeder Mensch wird nonstop von links und rechts unterhalten. Natürlich ist das Timing sehr wichtig, dazu gehört aber auch, warten zu können. Es ist aber auch mein Naturell, den Dingen auf den Grund zu gehen, genau zu arbeiten. Und bei der Produktion waren unzählige Musiker/innen von Trompete bis zur Geige und weitere Leute involviert. Entstanden ist ein Album mit zwölf Songs und zwölf Welten – jeden Song sind wir anders angegangen. Ich bin oft zwischen Berlin und der Schweiz hin und her gereist. Zwischenzeitlich erschien das Material wie ein Wald von Klängen und Spuren, jede Lichtung musste sich von neuem erkämpft werden. Nach 18 Monaten war das Ding dann fertig. Und ich bin stolz drauf! Ich habe Freunde, die machen top Qualität in Realtime – das bewundere ich. Vielleicht dann beim nächsten Album...


Kann es sein, dass sich deine Bandzusammenstellung ein wenig verändert hat seit «The Wild»?

Absolut. «The Wild» entstand während des Musikstudiums. Das Musikstudium ist wie eine Bubble, man ist umgeben von tollen Musikern und Musikerinnen. Proben ist immer möglich, alle sind verfügbar. Beim ersten Konzert waren wir neun Leute auf der Bühne. Wenn du nicht Bruno Mars bist, ist das aber nicht wirklich realistisch. Die Grösse einer Band muss irgendwie kohärent zur Bekanntheit sein. Wenn du 300.- CHF für ein Konzert kriegst, kannst du nicht mit fünf Profis antraben. Ausser du bist eine Band, bei der jedes Mitglied vom Techniker bis zum Frontmann gleich stark involviert ist und alles dafür opfert. Deshalb trete ich seit letztem Jahr auch vermehrt Solo auf. Das bringt mich auch auf total neue Ideen.


Auf Instagram hat es im vergangenen Jahr oft kleine Sessions von dir und den Jungs von Dabu Fantastic gegeben. Wie wichtig ist dir der Austausch mit anderen Künstlern?

Das war ein Studiojob für ein Side-Projekt mit Dabu und Gianluca. Das sind tolle Typen, absolute Profis! Es macht immer sehr Spass mit den Jungs zusammen zu arbeiten. Der Austausch ist generell sehr wichtig und eigentlich immer viel zu wenig. Durch ihn findet Entwicklung und Bewegung statt. Vielleicht einer der wenigen Nachteile in der Schweiz, es gibt keine Metropole wie Berlin.


In welchen anderen Projekten bist du sonst noch involviert?

Ich spiele bei Tawara und mit dem Churer Singer/Songwriter Peter Jäger. Mit letzterem arbeiten wir auch an einem Album. Dann gibt es immer wieder temporäre Studio- oder Liveprojekte.


Wie lange müssen deine Fans noch auf das Debütalbum warten?

Es wird voraussichtlich Anfang 2021. Bis dahin gibt es aber regelmässig Single-Auskopplungen vom Album. Die ersten beiden Songs kamen vorletzte Woche raus. Wer Torp auf Spotify folgt, verpasst sicher nichts.


Hier geht's zu den aktuellen Songs:

«The Cait» und «Parasite».

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