Was tun, wenn das eigene Kind nicht mehr isst?
Bild/Illu/Video: Jenny Schwarz

Was tun, wenn das eigene Kind nicht mehr isst?

Zunächst einmal: wo fangen Störungen an und was ist «normales» Essverhalten?


Wenn wir geboren werden, essen wir dann, wenn wir Hunger haben. Die meisten Kinder haben dieses natürliche Hunger- und Sättigungsgefühl noch. Als Eltern können wir dies unterstützen, indem wir sie nicht zwingen den Teller leer zu essen, auch wenn sie längst satt sind.


Sobald Kinder den Zusammenhang zwischen ihrem Aussehen (insbesondere ihres Gewichtes) und der Nahrungsaufnahme herstellen, wird es kritisch. Auch hier können wir unsere Kinder schützen und keine Sprüche fallen lassen wie «mach mal langsam, du hast ganz schön zugelegt» oder «Musst du denn so viel essen?».

Wenn uns die Gewichtszunahme unserer Kinder Sorgen macht, können wir einfach danach schauen, dass viel gesundes Essen auf den Tisch kommt und die Kinder ausreichend Bewegung haben. Und natürlich mit gutem Beispiel voran gehen! Kinder schauen sich – bewusst oder unbewusst – sehr viel von uns und unserem Essverhalten ab.


Doch: wir haben natürlich nicht den alleinigen Einfluss auf unser Kind. Je älter sie werden, desto wichtiger werden die Freunde und die Bilder, die sie den ganzen Tag sehen. Wenn auf TikTok, Instagram und Co. Die fotogeshopten vermeintlichen Schönheiten und Influencer angehimmelt werden, verzerren sich oft die Vorstellungen von jungen Menschen, wie wunderbar es wäre, wie glücklich man selbst wäre mit dem idealen Körper.


Meist wissen die Kinder und Jugendlichen sogar, das die Bilder bearbeitet sind und trotzdem (weil Bilder eine immense Wirkung auf unser emotionales Gehirn haben) möchten sie ihrem Idol nacheifern.

Das Wort «Influencer» kommt nicht von ungefähr. Diese Menschen beeinflussen wirklich die Welt von so vielen Menschen, meist ist ihnen die immense Verantwortung nicht bewusst. Daher ist es wichtig, dass Eltern ein Auge darauf haben, wer und was Einfluss auf unsere Kinder nimmt.


Selbstwert, Selbstwert, Selbstwert

Wenn Kinder wirklich ein gestörtes Essverhalten entwickelt haben, ist es meiner Erfahrung nach wichtig sich so schnell wie möglich Hilfe zu holen.


Ich setze immer am Selbstwert des Kindes an. Es bringt wenig, dem Kind klar zu machen, dass es mehr essen muss (oder das Gegessene nicht erbrechen sollte). Das wissen sie selbst. Viele sind so genervt vom ständigen Gerede über Essen, dass sie fast trotzig erst recht nichts essen oder es gar nicht mehr können, da der Körper die Muster schon so verinnerlicht hat.


Sich mit sich selbst gut fühlen, ohne Wenn und Aber, ist der wichtigste Schritt, den die Betroffenen machen können. Das Essen ergibt sich danach meistens von selbst.


Wenn ein Kind oder Jugendlicher ein geringes Selbstwertgefühl hat und dann noch ständig gertenschlanken Menschen im Internet und im Fernsehen begegnet, ist es nur ein kleiner Schritt zum Gedanken «Wenn ich so hübsch wäre, wäre ich viel beliebter, viel cooler, viel glücklicher»


Kontrolle in einer immer unübersichtlicheren Umwelt

Die Welt in der wir leben verändert sich schnell. Sicherheiten gibt es nur wenige, der Druck auf die Kleinsten wird in der Schule und von der Gesellschaft immer grösser.


Viele Menschen haben das Gefühl nichts im Griff zu haben, nichts kontrollieren zu können. Wenn sie dann wenigstens ihren Körper im Griff haben, gibt es zumindest eine Sache, auf die Verlass ist, die sie selbst in der Hand haben. Dafür eignet sich die Kontrolle über die Nahrungsaufnahme und damit die verbundene Reaktion des Körpers bestens.


Ohne fremde Hilfe kommen die Betroffenen nicht von ihrem Essverhalten ab, denn sie bezwecken (bewusst oder unbewusst) etwas damit, das sie freiwillig nicht aufgeben würden.

Selbst wenn Magersüchtige «gemästet» würden und so ein Normalgewicht erreichen, sind die festgesetzten Glaubenssätze dahinter nach wie vor vorhanden und es ist nur eine Frage der Zeit bis sie entweder rückfällig werden oder ihre Sucht verlagern, beispielsweise in eine andere Form der Essstörung oder in eine Drogensucht.


Da die Jugendlichen und Kinder aber selbst oft nicht wissen, woher ihr Essverhalten kommt, ist es wichtig an den unbewussten Aspekten anzuknüpfen. Dies bringt schnelle und nachhaltige Erfolge.

Eine sehr wirksame Methode ist hierfür RTT, das ich selbst bei vielen Menschen mit Essstörungen sehr erfolgreich angewandt habe.  

RTT® steht für Rapid Transformational Therapy und wird unter anderem bei Essthemen aller Art erfolgreich eingesetzt. RTT® konzentriert sich auf die unbewussten Aspekte der Ess-Störungen und schaut genau hin, welche Glaubenssätze hinter diesem destruktiven Essverhalten liegen. Sobald man die Wurzel des Problems gefunden hat, werden diese umgewandelt und mit stärkenden, positiven Gedanken transformiert.

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