Zugfahrt nach Arosa
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Zugfahrt nach Arosa

Arosa war seit Jahren das Ziel, ein Ziel meiner Reisen gewesen. Heute wird mein Traum in Erfüllung gehen. Der Zug rattert alle paar Minuten durch Tunnels. Um die Atmosphäre der Zugfahrt vollkommen in mich aufzunehmen, tue ich meinen Ohren den Schmerz an und fahre mit offenem Fenster durch die Tunnelabschnitte. Ich bewundere die Kraft dieser Maschine. Wie es wohl möglich war etwas zu konstruieren, dass solche Kraft hat und solch ein Gewicht den steilen Weg hinaufschleppt.


Die ganze verleiht einem das Gefühl von Sicherheit und nahezu unbändiger Macht. Stolz kann man übers Vaterland berichten. Ich bin bereits eine knappe halbe Stunde in diesem Zug. Was für eine Reise. Besser als ich es mir jemals hätte vorstellen können. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich dichte Wälder und ein weites Tal. Am Ende dieses Tals erhebt sich das Calanda-Monument. Riesige Quellwolken türmen sich weit hinten über dem Berg auf.


Ich wundere mich, ob es regnen wird. Schon die letzten Tage waren kühl gewesen und es scheint ganz so, als wäre die Hitze des Jahres 2018 langsam vorbei. Ich habe ganz vergessen zu erwähnen, dass ich mein Fahrrad auf diese Reise mitgenommen habe. Damit ich in vollem Tempo, bei harscher Brise wieder ins Tal hinunterbrausen kann. Wir halten in St. Peter-Molinis und ich erhasche einen Blick auf ein altes Nostalgie-Postauto.


Der Zug fährt ab, ich öffne erneut das Fenster. Genau in diesem Moment erstreckt sich vor mir erneut ein Viadukt, wie schon so oft auf diesem Weg. Je weiter der RHB-Zug den Berg hinaufkriecht, unter Krachen und Quietschen, umso weitläufiger und offener wird das zuvor noch relativ schmale Tal.


Die Hänge werden flacher und die Höhenmeter zu den noch bewaldeten Bergspitzen kürzer. Ich merke, dass es abgekühlt hat.

So, nun bin ich endlich in Arosa angekommen. Ich entsteige dem Zug. Eine kühle Brise frischt mein Gesicht und die nackten Arme auf. Ich werfe mir den Rucksack über und steige aufs Rad. Es hat einen See, genannt Obersee, was die Vermutung zulässt, dass ein unterer See vorhanden sein muss – ich wusste das nicht. Keine Autobahngeräusche, keine lachenden Kinder, kein Menschenmengen-Lärm. Nur das leise Plätschern von Paddeln auf dem See ist zu hören. Sonst ist es idyllisch ruhig.


Regelmässig ist der Weg der Züge in der Ferne zu hören. Nur ganz leise, sodass ich es fast nicht wahrnehme. Mein Blick gleitet den Berg hinauf. Die Vegetation sieht interessant aus. Man erkennt ganz genau die Übergänge der einzelnen Vegetationsschichten. Der Wald weicht im Verlaufe des Anstiegs des Steinmonuments einer üppigen Graslandschaft. Wiederum macht diese Graslandschaft ab einer Meereshöhe von rund 2000 Metern über Meer einer kalten steinigen Welt Platz. Was über den Spitzen ist, bleibt uns Menschen wohl noch einige Zeit enthalten. Nur wenige Privilegierte habe die Möglichkeit unsere traumhaft schöne Welt von aussen zu betrachten.


Ich bleibe am See sitzen und geniesse die ungewohnte Ruhe. Mein Leben ist sonst immer irgendwie in Gang. Danach schwinge ich meine Plattfüsse aufs Rad und düse den Berg hinab. Die letzten fünf Kilometer der Strasse von Arosa nach Chur sind mit Abstand die besten. Die Strasse fällt steil, unheimlich steil ab, was eine Fahrgeschwindigkeit von über 50 Stundenkilometer zulässt.


Am Abend zuhause angekommen, lege ich mich hundemüde ins Bett und freue mich auf das nächste Abenteuer.

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