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Der Kult um Tyte Stone
Bild/Illu/Video: zVg.

Der Kult um Tyte Stone

Wie entstand die Idee eure 40-jährige Karriere in ein Buch zu drucken?

Gila-Baby und ich haben uns kürzlich angeschaut und kamen zur Einsicht, dass ein Niederschreiben der Geschichte vor der kompletten Veralzheimerung Sinn machen könnte. Nicht dass es akut gewesen wäre, aber man weiss ja nie, wir waren immer schon die eher prophylaktischen Typen. 40 Jahre sind auch eine schöne Zeit, da hat sich das eine oder andere Erzählenswerte zugetragen.

Wie lange hat die Arbeit am Werk gedauert?

Der Aufwand betrug etwa soviel wie das Trinken von 900 Stangen Bier, also rund 300 Stunden. Gila-Baby und ich sprachen mit Siri; sprechen durfte aber immer nur der, der gerade das Plüschtier in der Hand hielt, damit es kein Durcheinander gab, denn Siri ist ja ziemlich blöd.


Was ist euer Geheimrezept, dass es euch immer noch gibt?

Jeden Tag einen Baum umarmen und vegane als auch frutare Cordonbleus sind die Basis. Ergänzend tragen sicher auch das «alte Witze erzählen» und die zahllosen und zügellosen Groupies zum ewigen Jungsein bei. Leider lässt bei Davida aber langsam das Stehvermögen nach, er lässt seinen Prahlereien die Taten nicht mehr folgen. Gesund bleiben heisst aber auch, nicht wegen allgemeiner Moralvorstellungen jede Flatulenz zwanghaft zu unterdrücken, sondern loslassen zu können, egal wo man sich gerade befindet.


Viele sprechen bei Tyte Stone von einer Kultband. Doch wie wird man überhaupt Kult?

Da gibt es kein Patentrezept, aber einer amerikanischen Studie nach wird man vorwiegend Kult, wenn man einfach nicht aufgibt und denselben Mist endlos wiederholt. Wir haben vor 15 Jahren damit aufgehört neue Songs einzuüben, denn die Leute wollen nur die alten Heuler hören. Das kommt uns auch entgegen, denn wir üben nicht so gerne, sondern testen lieber neue Kostüme oder widmen uns der Briefmarkensammlung.


Hättet ihr mit 20 gedacht, dass ihr mit 50 euch noch jeden Abend ausziehen werdet?

Das ist ja schon fast Rufmord, wir sind nicht 50, sondern bald schon 60. Egal - aber macht das nicht jeder vor dem zu Bett gehen? Nun, wir haben uns nie ganz ausgezogen, sondern nur der Hitze ein Schnippchen geschlagen und uns mit textilarmen Tenues etwas Luft verschafft. Wenn das kombiniert mit unseren tadellosen Sixpacks nun die jungen Dinger weichkocht und wuschelig macht, dann war und ist das eine unbeabsichtigte Nebenerscheinung, die wir natürlich zutiefst bedauern. Leider gibt es immer wieder solche Kollateralschäden, das gehört dazu, da muss man durch.


Die Zizerser Band May Day ist ziemlich ähnlich lange unterwegs wie ihr. Seid ihr mit ihnen enger befreundet oder läuft das auch gut einfach so nebeneinander?

Man kennt sich von früher, wir hatten aber wenig Schnittmenge und wir wurden von ihnen sogar manchmal wegen der kargen Bühnekluft gehänselt. Wir waren zudem immer etwas neidisch, weil die Jungs so unheimlich gut aussehen und der eine oder andere sogar mehrere Instrumente spielt. Wir können nebst Gitarreklimpern nur auf leeren Bierflaschen monotone Töne blasen.


Du warst mal für kurze Zeit ausgestiegen bei Tyte Stone. Fehlt dieser Teil im Buch?

Ja, da ich es als Undercoverjournalist geschrieben habe, musste ich wohl oder übel diese Zeit auslassen. Die Tyte Stone Buben haben übrigens bis heute nicht herausgefunden, dass ich nur als Maulwurf mitmache, damit ich nach 40 Jahren dieses Buch schreiben kann. Ich bin quasi der Wallraff des Bündner Rock.


Würdest du heute alles nochmals genau gleich machen?

Nein, ich würde mich – wenn ich nochmals anfangen könnte – strikt weigern jemals wieder eines dieser widerlichen Eichhofbiere zu trinken. Aber wir waren halt jung und brauchten wegen extensiver Transpiration die Flüssigkeit. Ansonsten meine ich, dass alles seine Richtigkeit hat, es passt.


Ihr hattet in eurer Geschichte hin und wieder mit dem Gesetz und der Kirche zu tun. Wie viele Hintergründe dazu erfahrt man im Buch?

Die Beichte ist umfassend, penetrant schonungslos und teilweise sogar auch für Hartgesottene schockierend. Wir sind ja nicht der Vatikan, der alles Hunderte von Jahre wegsperrt. Natürlich haben wir nichts ausgelassen. Jedes noch so kleine Detail, insbesondere Gila-Babys Nächte im Knast mit kräftigen und promiskuitiven fremdsprachigen Kerlen als Zellengenossen, wird süffisant der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.


Hat Wolfi Haas sein Exemplar auch bestellt?

Das entzieht sich unserer Kenntnis, denn das literarisch wertvolle Werk wird vorzugsweise anonym über die üblichen Onlineshops gekauft. Wie früher die Sexheftli am Kiosk wird unser Buch im Fachhandel verstohlen und mit einem Geschichtsbuch verdeckt zur Kasse getragen.

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