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«Everybody wants the Honey» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

«Everybody wants the Honey» im Soundcheck

Sanft und doch mit viel Gefühl beginnt das neue Album von Pascal Gamboni mit dem Lied «La Forza da Surviver». Spannend, wie er anstatt einen Schlagzeuger zu engagieren, gekonnt die Perkussion mit seinem eigenen Mundwerk übernimmt. Die weiblichen Stimmen im Hintergrund von Ursina Giger und Astrid Alexandre verleihen seinem Sound eine zusätzliche emotionale Tiefe, die einfach berührt und mit viel Vorfreude in den Longplayer starten lässt.


Das zweite Werk «Te ed Ju» gefällt wie ein Kinderlied, da es dank diversen Wiederholungen sofort in den Ohrgängen hängen bleibt. Fast ein bisschen blöd, dass ich kein Romanisch verstehe, weil dieses Lied scheint mit einer angenehmen Länge von gerade mal zwei Minuten unheimlich viel Spass zu stiften.


Das italienische Lied «Super Fantastico» ist ziemlich lustig, spielt mit ein paar Klischees und wird doch nie platt oder gar langweilig. Ziemlich cool, ist der Basslauf von Rees Coray, der dem ganzen Stück ein grooviges Fundament verleiht und zum Partymachen einlädt. Sehr cool!


Nach dem Partysong kommt das nachdenkliche und etwas jazzig angehauchte Stück «All the way», welches praktisch bis zum Schluss instrumental bleibt und dadurch bei allen Zuhörern andere Bilder im Kopf erscheinen lässt. Bei mir sind es Zeugen des Schwebens, der Leichtigkeit und dem Hauch der Freiheit, der einem nur das Fliegen verleiht.


«La Glisch dalla Glinna» ist eine wunderschöne Ballade, wie sie auch gut auf dem aktuellen Album «Homeless Songs» von Stephan Eicher stattfinden hätte können. Hui, diese Geschichte fährt direkt unter die Haut und das auch, wenn man wie ich nur bruchhaft etwas vom Text versteht. Gamboni zeigt sich hier als ein Songwriter mit viel Fingerspitzengefühl, der bei seiner Zuhörerschaft durchaus etwas auslösen kann.


Irgendwie haben es dem Rätoromanen die englischen Songs angetan auf dieser Platte, denn mit «So good» kommt bereits die zweite Nummer mit englischem Text. Es ist ein federleichtes Liebeslied, aufgemischt durch die Flötenklänge im Hintergrund und seinen Damenchor, welcher dem Stück zusätzlich Magie einhaucht.

«Vegi Paul Unics» hat ziemlich coole Santana-Gitarren, einen Pascal Gamboni mit viel Drive, etwas ungelenk klingende Synthis und interessante Perkussionsinstrumente. Alles in allem eine ziemlich eigensinnige, aber auch starke Mischung, die seine immer noch ungebrochene Experimentierfreudigkeit zur Schau stellt.

Das Video zum Album «Herzig is the new cool» ist witzig, alternativ und zeigt, wie Musik klingt, wenn man sich keine Genre- und sprachlichen Grenzen setzt. Mit dem Chor Giger/Alexandre hat der Sedruner einen echten Glücksgriff gelandet, da die beiden Goldkehlchen es ziemlich elegant schaffen, solchen Nummern noch zusätzlich ein Krönchen aufzusetzen.


Etwas Geige, eine Gitarre und ein Erzähler, der in seiner Muttersprache eine Geschichte erzählt. «Bien di sera» klingt warm und nah, was wir alle in den kommenden etwas kälteren Tagen sicher sehr gut gebrauchen können. Wow!

Fast schon etwas rockig, aber doch auch irgendwie entspannt erklingt «Ensiamen» aus den Boxen. Egal welchen Musikstil sich Gamboni vornimmt, er schafft es immer dem Ergebnis seine ganz eigene Handschrift aufzudrücken.


Die Popnummer «Valentina» mit ganzer Bandbesetzung begeistert sofort, was nicht nur an den catchigen Gitarrenmelodie, sondern auch an Gambonis Ausdruck in der Stimme liegt, welcher so klingt, als würde er nicht als Single vom Platz gehen. Gelungen!


Der Song «Dampflok e Suffel» hat wirklich einen typischen «RhB»-Rhythmus und Gamboni beweist kurz vor dem grossen Finale, dass er nicht nur ein fantastischer Songschreiber ist, sondern auch noch dass er an der Gitarre mit einer gewissen Fingerfertigkeit gesegnet wurde.

Auf dem Abschiedswerk der CD «Il Flad dil Mund» zeigt sich Pascal Gamboni nochmals von seiner emotionalen Seite, welche tief innen berührt. Es ist ein Ohrenschmaus, denn hier taucht er seine Musik in eine melancholische Suppe, die zwar traurig stimmt, aber auch unwiderstehlich köstlich schmeckt. Noch einmal grosses Kino bieten «seine» Frauen mit ihrem Kanon, der noch eine Weile nachhallt und begeistert. Ich bin geflasht.

Schlussfazit:
Pascal Gamboni schafft es auf seinem neuen Album «Everybody wants the Honey» federleicht humorvolle mit ernsthaften Liedern zu verknüpfen. Trotz seiner langjährigen Aktivität in der Schweizer Musikbranche schafft er es immer noch frisch, unverbraucht und stets überraschend zu klingen. Der Sedruner Liedermacher lässt sich nie so richtig schubladisieren, bleibt lieber authentisch und zeigt auf seiner neusten Werkschau, welche enorme Bereicherung er für die Bündner Musikszene ist. Der neue Longplayer ist ein akustisches Meisterwerk, bei dem experimentierfreudige Lieder, genau gleich wie grosse Chanson zum Zug kommen, weshalb der von ihm beschriebene «Honig» wirklich was für die ganze Familie ist und sofort zu meiner Perlensammlung kommt.

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