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«Ewig ist der Augenblick»
Bild/Illu/Video: Dimitry Anikin

«Ewig ist der Augenblick»

Michael Ende war ein Meister des Schreibens, in meinen Augen, ohnegleichen. In seinen Büchern kann ich noch heute, als Unperson, als Erwachsener mich hingeben und führen lassen, voller Spannung den Verlauf der Geschichte erfahren. Seine Bücher «Momo» und ebenso die «Unendliche Geschichte» bieten Zuflucht für alt und jung, wenn man sich denn darauf einlässt. Gleichsam sind Endes Bücher zumeist auch eine stille Kritik wie zum Beispiel am Kapitalismus in Momo. Auch in der Unendlichen Geschichte meine ich eine Kritik an der Gesellschaft zu finden, die wahrscheinlich nur ein Erwachsener beim Lesen bemerkt.


«Ewig ist der Augenblick.» Diese Aussage zu Beginn des zweiten Teils der Unendlichen Geschichte lässt mich aufhorchen. Schon bald strömen die ersten Fragen in meine Gedanken hinein. Weiss ich überhaupt was Ewigkeit ist? Gibt es noch etwas anderes, das wie der Augenblick ewig ist? Wenn der Augenblick ewig ist, und daran zweifle ich nicht, denn es scheint sich ein tiefer Sinn dahinter zu verbergen, dann muss die Ewigkeit folgendes bedeuten: immer hier, immer jetzt, ganz ohne Unterbruch.


Was sonst gibt es, das ewig währt? Es scheint mir als ob alles und doch gar nichts ewig ist. Der Mensch zum Beispiel, du und ich, wir werden geboren, wir leben und dann sterben wir. Darin verbirgt sich keine Ewigkeit, denn so betrachtet, scheinen wir zu kommen und zu gehen. Wir leben nicht ewig, aber während des Lebens, in jedem einzelnen Augenblick, sind wir von der Ewigkeit erfasst. Veränderung scheint mir ebenso ewig zu sein, denn in jedem Augenblick verändern wir uns, du und ich, alle und alles um uns herum.


Veränderung ist allerdings abhängig vom Augenblick. Ohne wiederkehrende Augenblicke, Momente, Zeitabschnitte und Atemzüge gibt es keine Veränderung. Welche Rolle spielt die Zeit beim ewigen Augenblick? Macht vielleicht die Veränderung die Augenblicke und nicht umgekehrt? So betrachtet, ergibt sich die Möglichkeit, dass es Zeit gar nicht gibt.


Bis hierhin entstammen meine Gedanken zur Ewigkeit einzig und allein aus der Aussage, «ewig ist der Augenblick». Nun aber bin ich mit meinem Latein am Ende. Bei meinen Nachforschungen nach der Bedeutung von Ewigkeit, stosse ich auf verschiedene Synonyme, darunter Unvergänglichkeit und «sehr langer Zeitraum». Die Veränderung ist unvergänglich, nichts bleibt niemals gleich.  Die Definition von Ewigkeit überzeugt mich schon mehr. Ewigkeit bedeutet «das jenseits der Zeit liegende». Ein Gedankengang, der mich fasziniert, finde ich ausgerechnet in einem Kinderlexikon: Für Ewigkeit gibt es zwei Bedeutungen: Entweder hat die Zeit keinen Anfang und kein Ende, oder es gibt gar keine Zeit.


Wenn es keine Zeit gibt, weshalb leiden dann so viele Menschen unter Zeitmangel? Ist das, was wir als Zeit beschreiben, vielleicht völlig aus der Luft gegriffen und inexistent? Wo ich meinte eine Antwort zu finden, da erwarteten mich unzählige neue Fragen.

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