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Bild/Illu/Video: Netflix

Filmtipp: «Eurovision Song Contest»

Bevor ich auf den neuen Film mit Will Ferrell eingehe, muss ich noch ein wenig ausholen. Es ist bei mir schon ein bisschen speziell, ich liebe Musik und auch Theater, aber die Hybridform davon verabscheue ich. Als Qulturjournalist sollte man eigentlich für vieles offen sein, aber wenn beispielsweise jemand in einer Serie plötzlich zu singen beginnt, kommt mir meistens gleich die Galle hoch. Immer wieder ruinieren Filmproduzenten ihre Produktionen mit gesungenen Dialogen, Musicalfolgen und anderem Geschmäus, welches einfach nur erzwungen wirkt. Ähnlich wenig Begeisterung empfinde ich übrigens auch für Musicals, aber diesem Thema direkt aus der Hölle, werde ich mal einen zusätzlichen Artikel widmen.


Eurovision in Filmform
Da in diesem Jahr der Eurovision Song Contest, wie vieles andere der Pandemie zum Opfer gefallen ist, hat Netflix einen Ersatz in Form von einer Komödie ins Rennen geschickt. Da ich grosser Fan von Will Ferrells Humor bin und auch James Bond- Pierce Brosnan auf der Darstellerliste stand, habe ich diesen natürlich sofort vorgemerkt auf meiner Liste. Da ich bisher wegen dem schönen Wetter immer irgendwie was Interessanteres zu tun hatte, als vor der Glotze zu hängen, hat sich die Premiere des Streifens bei mir zu Hause ein wenig verzögert. Doch kürzlich ist es mir gelungen den Film anzusehen und ich wurde nicht enttäuscht. Alles beginnt in einem Wohnzimmer in Skandinavien. Die Übertragung des Songs «Waterloo» von Abba veränderte das Leben der beiden Kinder Lars (Will Ferrell) und Sigrit (Rachel McAdams) nachhaltig.


Einmal Star und zurück
Ein paar Jahre ziehen ins Land und es folgt ein Videoclip, der in der imposanten Landschaft von Island spielt. Doch kurz darauf fällt der Strom aus und man merkt, dass der Musikkurzfilm nur ein Tagtraum der inzwischen erwachsenen Protagonisten gewesen ist. Seit Jahren halten sie die Coverband «Fire Saga» am Laufen und werden von allen Seiten nur belächelt. Niemand will wirklich ihren Eurovision-Song hören, was die Beiden aber nicht davon abhält weiter für ihren Durchbruch zu kämpfen. Auf ihrem Weg zum grossen Ziel Eurovision hilft zuerst der Zufall, dann das Schicksal, respektive ein tragisches Unglück auf die Sprünge. In der grossen Welt der Musiksterne erleben die beiden einiges Kurioses: So verfolgt Lars ein Geist, Sigrit wird von einem russischen Sänger umgarnt, Elfen kommen im perfekten Moment zur Hilfe, Politiker scheitern und zwischen all den wilden Aufführungen aus allen Ländern Europas kristallisiert es sich heraus, dass es daheim in Island doch am Schönsten ist.


Schlussfazit
Der Film «Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga» kann nicht komplett über den ausgefallenen Musikwettbewerb hinwegtrösten, ist aber sehr kurzweilig und wunderbar humoristisch. Die Musik im Film wurde bewusst und nicht inflationär auf Kosten der Geschichte eingesetzt. Sogar das spontane Wettsingen im Haus der Kandidaten war angenehm anzusehen und hält dank den zahlreichen Eurovision-Stars auch einige Überraschungen bereit. Alles in allem ist die Geschichte deshalb so stark, da sie zeigt, dass in der Welt der Berühmten und Reichen auch nicht alles Gold ist, was glänzt. Auch nach der Teilnahme beim Eurovision fristen Lars und Sigrit weiter ein Leben als Coverband, die mal besser den einen «lüpfigen» Song spielen soll, anstatt mit eigenen Nummern, die Stimmung immer wieder kaputt zu machen. Dies ist angenehm ehrlich und zeigt auf, dass nicht alle Musiker/innen irgendwann zu gefeierten Weltstars werden. Diese Dankbarkeit für das Erreichte ist authentisch und öffnet einem die Augen für das Glück, welches eigentlich schon lange unbemerkt vor einem bereitliegt.  

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