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Girls and Boys und lackierte Fingernägel
Bild/Illu/Video: zVg.

Girls and Boys und lackierte Fingernägel

Das kam so: Kürzlich stand ich vor einem Bücherregal in einer Bibliothek und starrte auf die Buchkategorie vor mir. Boys. Mir fiel mein Lieblingsbuchblogger Josia Jourdan ein, der in einem Interview gefragt wurde, warum er so gerne Mädchenbücher liest. Und ich musste an mich als Jugendliche denken, weil ich immer viel lieber Jungsbücher gelesen habe.


Ich stand also da, vor diesem Boys-Regal, zu dem es auch ein Girls-Regal gab, und brach in Gelächter aus. Weil die Kategorien Jungs und Mädels ein total alter Zopf sind. Das fand übrigens auch mein Lieblingsbuchblogger. Was denn diese Frage solle, fragte er zurück. Er lese genau das, was ihn interessiere.


Ich bin alt genug, diesen alten Zopf noch erlebt zu haben. Mit Kinder- und Jugendbüchern, in denen Jungs meistens wild und frech sein durften und Mädels brav zu sein hatten; im Idealfall waren sie zudem mit einem selbstlosen und ausgewachsenen Helfersyndrom ausgestattet und arbeiteten eifrig im Haushalt mit, während die Jungs im Wald coole Abenteuer erlebten. Es gab lobenswerte Ausnahmen, aber aus vielen Büchern damals quoll die Moral und vor allem das Rollenbild von Jungs und Mädels eimerweise. Da gab es für solche wie mich nur eins: Ich griff zu den Jungsbüchern.


Alte Zöpfe halten sich zuweilen erstaunlich lange. Einige von ihnen bis heute. Noch immer erscheinen rosa Bücher für Mädchen und blaue Bücher für Jungs, in denen die grässlichsten Rollenklischees verewigt sind. Das irrste, das ich in letzter Zeit gesehen habe, waren blaue Rechenbücher für Jungs und rosa Rechenbücher für Mädels, natürlich mit entsprechend angepassten Rechenaufgaben. Und das in einer Zeit, in der wir schon längst die spannendsten Genderdiskussionen führen und uns aus dem Korsett männlich/weiblich lösen. Womit ich bei den lackierten Fingernägeln bin:


Witzigerweise hörte ich am selben Tag, an dem ich auf das Boys im Bücherregal gestarrt hatte, ein Radioprogramm, in dem Männer begeistert erklärten, wie sie sich ihre Fingernägel anmalen oder deren Finger künstliche Nägel zieren. In der gleichen Woche signierte ich bei einer Lesung ein Buch für jemanden, der seinen Mädchennamen abgelegt und sich einen Jungennamen zugelegt hat. Und dann gibt es noch diesen wunderbaren jungen Mann in meinem Freundeskreis, der bei Gelegenheit schon mal High Heels trägt (dass er sich die Fingernägel lackiert, versteht sich von selbst). In diesem Zusammenhang fallen Kategorien wie Boys und Girls schlicht aus der Zeit.


Genau das hat sich auch die Bibliothek Uster gesagt und hat ein Experiment gewagt: Es zeigte, dass Kinder und Jugendliche 20% häufiger ein geschlechtsuntypischesBuch auswählen, wenn sie nicht wissen, dass es eigentlich ein Mädchen-/Jungenbuch ist. Die Bibliothek Uster hat darauf hin die Kategorien per sofort abgeschafft. Ich finde, diesem Beispiel dürften andere Bibliotheken ruhig folgen.


Hier noch zwei sehr empfehlenswerte Linktipps:

Interview mit Melina von der Stadtbibliothek Uster zu Geschlechterrollen in Büchern.

YouTube Clip von Buchblogger Josia Jourdan (Geschlechterfrage ab Minute 5.40)

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