Bild/Illu/Video: Cover

«Jetzt esch jetzt» im Soundcheck

Der Openener «Ech gone mit mym Hund id Stadt» zeigt schon im Namen her aus welcher Ecke der Schweiz diese Band stammt. Das rockige Werk erinnert etwas an die Poesie von Stiller Haas und ist ein Porträt des Alltags als Hundebesitzer. Lustig, wie die Rollen innerhalb von kurzer Zeit wechseln und man sich fragt, wer denn nun effektiv das Herrchen ist. Irgendwie auch herzig, wie Ferdi Spaeti ein Denkmal für seinen vierbeinigen Freund auf der Platte verewigt.

Das zweite Stück «16 Fäde» startet mit einer Akkordeonmelodie, die mich sofort begeistert. Das Thema des «Lismens» finde ich jetzt nicht wahnsinnig prickelnd, aber vielleicht gibt es da einen Insiderwitz, den ich nicht verstanden habe.

Das tragische Stück «Abegsoffne Clown» ist ein Reggae voller Weltschmerz und Tragik, was eine gewisse Ironie beinhaltet, denn solche Off-Beat-Werke behandeln heute doch eher witzige und lebensbejahende Themen.


Das Titelstück «Jetzt esch jetzt» hat den Charme von Polo Hofer-Nummern aus den 90ern. Die Mutmachernummer gefällt sofort mit seiner Ska-mässigen Strophe und seinem loslassenden Refrain. Man merkt es den Herren sofort an, dass ihnen dieses Stück viel Freude bereitet, denn hier können sie an ihren Instrumenten zeigen, was sie alles können, ohne dass es den roten Faden des Liedes stören würde.


«My Wäg» ist wie es der Titel schon erahnen lässt eine Coverversion des Frank Sinatra-Klassikers, der in dieser Umsetzung vor allem durch den persönlichen Mundarttext und die rockige Begleitung der Band sofort gewinnt. So klingt es eher nach einer Adaption als nach einem Cover, weshalb dieser Song seinen Platz auf der CD mehr als verdient hat.


Beim Lied «Münzetee mit Rum» kommt Ferienfeeling auf und man wähnt sich als Zuhörer an einer Strandbar. Der Text ist ein wenig Sozialkritik und soll die Leute näher zusammenrücken und vereinen. Warum eigentlich nicht... Wobei bei mir der Rum eher für’s Cola gebraucht wird.

Nach dem Reisen in die Ferne, bleibt Fair mit dem Song «Geils Land» in heimischen Gefilden und feiert die Schönheit der Schweiz. Das klingt fast ein wenig nach Neue Deutsche Welle und hat durch den Gastauftritt von Christina Spaeti einen ganz eigenen Charme, der vor allem bei Nostalgikern für Begeisterung sorgen könnte.

«S’Läbe esch e kei Spaziergang», was sicher stimmt, wenn man aus jedem «i» ein «e» macht. Nein, Scherz beiseite, der Dialekt der Luzerner unterhält mich schon lange recht gut durch die teils doch irgendwie humoristischen Auswüchse. Dieses Lied hier ist jugendlich verspielt und erinnert daran, dass man das Leben eher als ein Rennen sehen soll.


Es verwundert mich immer wieder, welche alltäglichen Themen Ferdi Spaeti in seinen Liedern verarbeitet. Beispielsweise bei «Ech mache sie mit Liebi» geht es um das bald wieder ziemlich aktuelle Thema des «Gützlibachens». Durch das einfache Verständnis der Texte könnten die Lieder auch bei Kids auf der Playliste landen, was doch ein zusätzlicher Pluspunkt ist.

«So vell wie du zahlsch» ist die Story meines Lebens. Ich muss lachen, denn ich hatte nie wirklich den Mut zu meinen Vorgesetzten zu gehen, um mal richtig auf den Tisch zu hauen. Die Protesthymne ist Balsam für die Arbeiterklasse und trägt viel Lebensweisheit in sich. Gelungen.

Die Klickgeräte am Anfang lassen es vermuten, der Rockkracher «Mys alte Kassettegrät» dreht sich um den Musikgenuss in einer Zeit vor MP3, Streaming und Downloads. Cool, dass es immer noch so Spinner gibt, die Musik mit Qualität zu schätzen wissen und somit eine ähnliche Einstellung wie ich haben.


Das Lied «Am Stammtisch» ist feinster Ska voller Sehnsucht nach Liebe. Ein gelungener Schlusspunkt, der in einem Nebensatz sogar noch das Thema des Beizensterbens aufgreift und Spass macht.

Schlussfazit:
Fair ist mit «Jetzt esch jetzt» ein unterhaltsames Mundartalbum gelungen, dass nicht nur ihnen, sondern auch vielen gleichgesinnten Nostalgikern viel Spass bereiten könnte. Die farbenfrohe Platte bietet nicht gerade alltäglichen Mundartsound, der voller jugendlicher Spielfreude strotzt und einige überraschende Elemente bereithält. Die teils direkt aus dem Leben stammenden Themen machen die Jungs wunderbar authentisch. Die Mischung aus Ska, Rock und ein wenig Pop profitiert neben den exzellenten Musikern und ihrem soliden Zusammenspiel vor allem vom Erzähler, Ferdi Spaeti, der in seinen besten Momenten einem Polo oder einem Endo locker das Wasser reichen kann.

Themenverwandte Artikel

«Hakuna Matata» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: zVg.

«Hakuna Matata» im Soundcheck

«Rio Amden Amsterdam» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: zVg.

«Rio Amden Amsterdam» im Soundcheck

«Murder Party» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

«Murder Party» im Soundcheck

«Ärdeschön» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

«Ärdeschön» im Soundcheck

Empfohlene Artikel