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Mit sanfter Brise gegen den Corona-Koller
Bild/Illu/Video: zVg.

Mit sanfter Brise gegen den Corona-Koller

Gratulation zum neuen Werk. War es euer Ziel mit einer soften Brise ein Gegenpol zur schnellen und oft auch schrecklich lauten Zeit setzen?

Die Reduktion auf zwei Instrumentalisten ist sehr stark von einem musikalischen Dialog geprägt. Der Gesamtsound ist konstellationsbedingt etwas ruhiger, doch auch beweglicher. Ein Hauptbestandteil des Jazz, die Improvisation, ist im Duo noch viel unmittelbarer und direkt spürbar. Im Duo zu spielen ist wie ein Gespräch zwischen zwei Personen auf musikalischer Ebene, das kommt uns zurzeit sehr entgegen.


Hat euch die Pandemie kreativ beflügelt oder wäre das Album auch ohne Corona geplant gewesen?

Die Idee des Duoalbums ist einerseits eine Folge der coronabedingten Situation in welcher Auftritte mit der Michael Neff Group nicht so einfach umsetzbar sind, anderseits sind Michael und ich auch immer wieder mal im Duo aufgetreten, weil es für die Situation sinnvoll war. Zudem verbindet uns auch eine langjährige Freundschaft und so war die Lancierung eines Duoalbums ein logischer Schritt.


Ihr habt euch während eurer Ausbildung zum Musiker kennengelernt. Kannst du dich noch erinnern, wann es musikalisch Klick gemacht hat zwischen euch?

Es gab wohl nicht «den» Moment, wir haben oft in den Zwischenstunden zu zweit geübt. Wir wurden einmal aus einer Übungszelle rausgeschmissen weil die «Jazzer» angeblich die Klaviere demolieren würden. Wir haben das Klavier ja gar nicht benutzt aber gegen solche Vorurteile anzukommen ist schon hart. Ich habe zu dieser Zeit teilweise in einer Bruchbuden-WG gewohnt. Dort war es so kalt, dass wir öfters die Abende jammend im Gambrinus Jazzclub verbracht haben. Michael stiess auch manchmal dazu. Ich mochte von Beginn weg seinen Sound und seine Ansicht zur Musik und so haben sich unserer Wege auch nach der Ausbildung immer wieder gekreuzt bis er mich von 10 Jahren angefragt hat in seine Band, der Michael Neff Group einzusteigen. Ich fühlte mich sehr geehrt und ich liebe es auch mit der grösseren Combo zu spielen.


Was macht eure Zusammenarbeit so magisch?

Ich denke, dass eine gesunde Portion gegenseitiges Vertrauen und Wertschätzung gute Grundvoraussetzungen sind um zu harmonieren. Die Kombination Trompete mit Gitarre fand ich auch schon immer reizvoll. Michael und ich sind abgesehen von der Musik auch privat befreundet, dies ist keine Bedingung um musikalisch zu harmonieren, schadet aber auch nicht. Im Duo sind wir bei der Gestaltung der Stücke sehr flexibel, wir haben schon unsere Abläufe und Vorstellungen, diese halten wir aber bewusst nicht immer ein und inspirieren und gegenseitig.


Ihr seid ja beide Profis. Nehmt ihr da alles zu Hause im eigenen Kämmerchen auf oder geht ihr in ein Studio und arbeitet mit einem Produzenten?
«Soft Breeze» haben wir an einem Wochenende im Studio von Erich Tiefenthaler in Muolen/SG aufgenommen. Erich spielt Flöte bei der Michael Neff Group und hat den Dachstock seines umgebauten Bauernhauses zu einem tollen und inspirierenden Studio umgebaut, er ist ein richtiger Tüftler in allen Belangen. Die Umgebung ist sehr ländlich und es herrscht keine Hektik, eine wichtige Voraussetzung für gute Atmosphäre einer Aufnahme in dieser Art. Homerecording hätte für diese Art des Interplays nicht funktioniert. Da Erich ein unglaublich toller Musiker ist, welcher auch den Sound des Duos «versteht», war er immer als beratende Stimme dabei, einen eigentlichen Produzenten gab es nicht und ist im Jazz nicht sehr oft der Fall.


Ich habe gesehen, dass ihr das Werk auf Vinyl und im Streaming veröffentlicht, aber nicht als Compact Disc. Ist die CD für euch als Medium gestorben?

Du sprichst natürlich einen heiklen Punkt an, den Verkauf von Tonträgern oder überhaupt mit Veröffentlichungen etwas zu verdienen. Im Jazz waren die Verkaufszahlen noch nie mit der Popmusik zu vergleichen. Mit Streams Geld zu verdienen ist auch ziemlich illusorisch und ich weiss wirklich nicht, ob sich die Veröffentlichung von Musik mit dem aktuellen Geschäftsmodell finanziell lohnen wird.


Die CD als Tonträger scheint schon langsam am Ende ihrer Lebensdauer angekommen zu sein aber natürlich ist’s schön einen physischen Tonträger in den Händen zu halten. Vinyl ist eine Liebhabersache. Dieses Medium ist mir sehr sympathisch und Musik auf Vinyl zu hören ist eine viel bewusstere Sache als mit einem Stream, wenn man nur schon an den Vorgang des Auspackens, Begutachten des Covers, Pützlens und Auflegen der Nadel denkt. Ein wichtiger Aspekt bei einer Veröffentlichung eines Albums ist quasi die Funktion als Visitenkarte und um ein Medium zu präsentieren, wenn es um die Organisation von Konzerten/Tourneen geht. Ein Album ist immer auch eine Momentaufnahme und wenn ich verschieden Alben anhöre in denen ich mitgewirkt habe, so merke ich schon auch eine Veränderung und hoffentlich eine Entwicklung. Ich war früher sehr unkritisch, was den Gitarrensound anbelangt, unterdessen höre ich da etwas genauer hin und habe gewisse Vorlieben.

Du hast bei unzähligen Produktionen mitgespielt, doch singen hört man dich selten. Würdest du sagen, du kannst dich mit deiner Gitarre in der Hand besser ausdrücken als mit einem Mikrophon?

Ich bereue es etwas, nie mehr Gewicht auf den eigenen Gesang gesetzt zu haben, aber die Gitarre war schon immer mehr meine Ausdrucksart. Ein toller Gesang kann die Emotionen sehr direkt rüberbringen und ich bewundere dies. Ich erinnere mich an eine Situation während der Ausbildung in der ich fast ausschliesslich Jazz gehört habe. Da lief eines Abends Sting im Fernsehen und ich war so ergriffen, hatte Hühnerhaut. Diese direkte Vermittlung ist auf dem Instrument schon schwieriger zu realisieren aber ich versuch’s und es gibt ja verschiedene Aspekte und Berührungspunkte in der Musik.


Profis wie du sind oft auch Multiinstrumentalisten. Gibt es noch ein Instrument, dass du immer schon gerne erlernt hättest, aber bisher keine Zeit dafür gefunden hast?

Ganz viele! In meiner Kindheit habe ich wie viele andere Kids auch pausenlos auf irgendwelchen Pfannen rumgetrommelt. Leider hatte ich nie wirklich den Biss Schlagzeug konsequent zu üben. Ich würde gerne Violine, Cello und weitere spielen, habe aber auch das Gefühl, dass es für mich auf der Gitarre noch so viel zu entdecken gibt, dass ich damit eigentlich abgedeckt bin.


Du hast mit dem Adventskalender für Furore gesorgt im Dezember und angekündigt, dass es wieder ein «Chur offa» geben wird in diesem Jahr. Wie ist dort der Stand der Dinge?

Du bist ein guter Beobachter mit einem starken Gedächtnis. ;-) Ich bin mir nicht sicher, ob ich eine erneute Auflage von «Chur offa» so explizit erwähnt habe. Eigentlich bin ich ständig in der Planung für Events, sei es mit eigenen Formationen aber auch für Schülerbands, welche ich leite oder beispielsweise für den Flüchtlingstag. «Chur offa» wurde sehr kurzfristig ins Leben gerufen und es wird sich wohl im Frühling zeigen ob diese Lücke, welche wir versucht haben zu füllen, besteht und wie sich die Lage mit dem Virus entwickelt.


Reinhören in zwei Tracks der beiden Jazzer könnt ihr hier.

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