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«Sta betg aschi datier da mei!»
Bild/Illu/Video: zVg.

«Sta betg aschi datier da mei!»

Wie entstand die Idee eines gemeinsamen Liedes von euch romanischen Künstlern?

Der Songtitel des Police-Klassikers «Don’t stand so close to me» hat ja in der Corona-Isolationsdiskussion an unerwarteter Aktualität gewonnen und ich habe den Videoclip auf Facebook repostet. Kurz darauf hat der Filmemacher Ivo Zen den Post mit den Worten «Wann erscheint eine rätoromanische Coverversion?» kommentiert. Somit war die Idee geboren und da ich infolge Isolation vermehrt Homerecording betreibe, war der Weg mehr oder weniger vorgegeben. Pascal Gamboni und Paula Mia Cadonau waren von der Idee begeistert den Gesangspart zu übernehmen. Ich bin sehr froh darüber, dass Beni Vigne einen tollen Text zur aktuellen Situation geschrieben hat und Ivo Zen einen Videoclip mit viel Archivmaterial erstellt hat. Es waren also insgesamt fünf Personen beteiligt.


Warum fiel die Wahl auf den Police-Klassiker?

Wie bereits erwähnt hat der Songtitel eine Aktualität gewonnen die bis vor kurzem undenkbar gewesen wäre. The Police und Sting gehören schon seit meiner Jugend zu meinen Lieblingskünstlern und ihre Songs funktionieren auch nach Jahren sehr gut. Eine Coverversion muss ja nicht zwingend ganz nahe beim Original sein, doch bei diesem Trio kam mir die Instrumentation sehr gelegen und ich konnte die Instrumente gut im Homerecordingverfahren einspielen und produzieren. Pascal hat eine wunderbare Akustikgitarre dazu eingespielt, die dem Song einen besonderen Drive verleiht. Auch mit den gesanglichen Beiträgen von Pascal und Paula bin ich sehr glücklich.


Wie stark seid ihr als professionelle Musiker von der Krise betroffen?

Natürlich betrifft uns das Veranstaltungsverbot wie auch das Distanzwahren enorm, wie auch die ganze Gesellschaft und Wirtschaft. Nebst den finanziellen Einbussen ist die grosse Unsicherheit ein Riesendämpfer - man kann schlicht nicht voraussagen, wann Veranstaltungen wieder stattfinden werden und unter welchen Bedingungen. Gewisse Veranstaltungen können vielleicht nachgeholt werden, aber der Schaden ist schon beträchtlich, wenn man die ganze unbezahlte Vorarbeit berücksichtigt. Ich möchte aber nicht jammern, es gibt sehr viel Leid, welches viel schwerer wiegt.


Wie zufrieden seid ihr mit den Lösungen vom Bund und von offizieller Seite?

Ich sehe die grossen Bemühungen von öffentlicher Seite her auch auf kantonaler und kommunaler Ebene. Meiner Meinung nach lastet ein riesiger Druck auf den Behörden und man darf durchaus behaupten, dass da grosse Anstrengungen im Gange sind, um möglichst viel abzufedern. Aber wenn wir schon beim Wort sind - es müssen wohl alle Federn lassen und ich versuche aus dieser Krise etwas Positives zu ziehen. Viele Werte wie persönliche Treffen, Nähe zu spüren, unbeschwert sich bewegen zu können und so weiter bekommen einen ganz neuen Stellenwert.


Könnte man sagen, ihr Romanen seid sonst auch schon ein Volk, welches gut aufeinander schaut?

Ich sehe die Roman nicht so sehr als eigenständiges Völkchen, welches sich abschottet und gegen den Rest der Welt sich zur Wehr setzt wie die Gallier in Asterix und Obelix. Natürlich verbindet uns die Sprache beispielsweise für kulturelle Veranstaltungen. Schlussendlich sind es die Individuen, welche den Ausschlag geben, ob man etwas zusammen auf die Beine stellen möchte. Natürlich ist diese Coveraktion eine gute Gelegenheit einen international bekannten Popsong in ein neues Sprachgewand zu kleiden.


Wie läuft's mit dem Onlineunterricht?

Der Einzelunterricht via Kommunikationsplattformen ist sehr gut angelaufen und es haben sich neue Chancen, sowie auch neue Probleme aufgetan. Für viele stellt die Technik eine Hürde dar, welche aber überwindbar ist. Auf lange Sicht kann der Onlineunterricht nicht den Einzelunterricht ersetzen, denn es fehlt die persönliche Begegnung und vor allem das gleichzeitige Musizieren. Es ist aber erstaunlich, wie gut diese Überbrückung angelaufen ist und viele Musiker/Musiklehrer sind in der Umsetzung sehr kreativ. Schwieriger gestaltet sich der Gruppenunterricht. Ich leite zwei Bandformate: Die Kanti-s-wings und das Popprojekt der Musikschule Chur. Mit den Kanti-s-wings haben wir schon zwei Videos produziert und auf YouTube veröffentlicht.  Das funktioniert auch dank den wöchentlichen Konferenzen sehr gut auch weil alle eine Möglichkeit gefunden haben sich selber aufzunehmen. Mit dem Musikschule-Projekt @the movies hätten wir am 17. und 18. April die einzigen Auftritten durchgeführt und das schmerzt natürlich sehr, weil wir uns über ein halben Jahr darauf vorbereitet haben. Da bei diesem Projekt über 30 Musiker/innen der Musikschule Chur mitwirken, ist eine Verschiebung schwierig, aber es ist trotzdem eine kleine Überraschung geplant.


Hattest du in deiner relativ langen Karriere schon mal einen solch langen Ausfall?

Interessanterweise hatte ich zu Beginn des Lockdowns circa drei Wochen keine Auftritte geplant, was sehr selten vorkommt. In dieser Zeit hätten aber viele Proben stattgefunden in der aktuellen Phase hätte ich viele spannende Auftritte spielen dürfen. Wir wissen ja alle nicht wie lange der Auftrittsunterbruch dauern wird und das macht die Situation schwierig. In den letzten 10 Jahren hatte ich abgesehen von Ferien nie eine so lange «Pause». Ich hoffe, dass diese erzwungene Entschleunigung viel Inspiration und Reflexion bringt.


Wie sehr fehlt dir das Livespielen?

Auch wenn zur Zeit zahllose tolle Musikproduktionen aus Wohnzimmern gestreamt werden - die Interaktion mit den Musikern und dem Publikum ist unersetzbar und ich freue mich sehr darauf Freunde und Mitmusiker in der echten Welt zu treffen und gemeinsam etwas zu entwickeln.


Der ganze Clip zum Lied «Sta betg aschi datier da mei!» findet ihr hier.

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