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«So wyt so guet» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: zVg.

«So wyt so guet» im Soundcheck

Mit «Echli nöcher» startet das Debütalbum von Trybguet. Es ist ein knackiger Rocksong, der zwischen den Tönen einzelne Country-Referenzen bereithält und wunderbar kraftvoll eröffnet. Am Schluss gibt’s noch einen Mitsingteil, bei dem live sicherlich alle mitmachen. Da komme ich doch gerne ein bisschen näher.


Ähnlich druckvoll klingt die nächste Nummer «Für immer so», welche eine Geschichte aus der Jugend erzählt, die einem nostalgisch werden lässt. Wenn man jung ist, hat man ja häufig das Gefühl, dass es ewig so weitergehen könnte, was es dann aber leider nicht tut. Die Innerschweizer haben hier ein Stück Musik geschaffen, welches ähnlich wie ein Foto einem zurück in die Zeit transportiert, wo man nochmals für einen kurzen Moment den Duft der Freiheit geniessen darf. Speziell hervorheben bei diesem Lied möchte ich den Übergang in den zweiten Refrain, welcher der Drummer Säschl mit einem längeren Fill-In zu einem echten Spektakel werden lässt.


«Mit mier mit» wurde bereits als Videosingle ausgekoppelt und hat inzwischen auch schon längst die 10'000 Marke an Views überschritten. Es ist eine typische Padi Bernhard-Nummer, die Gemeinschaftsgefühl vermittelt und einem willkommen heisst. Doch bei Trybguet ist eben doch nicht alles gleich, wie bei «Bernhard» oder «Mash», denn hier wird der Gesang aufgeteilt. Sängerin Sarah Heer bereichert das Klangbild der Band enorm und bringt mit ihrem kraftvollen Organ ganz neue Farben ins Spiel.


Die Ballade «Weck mi uf» kommt auf leisen Sohlen daher und klingt recht modern produziert, was mir sofort sehr gefällt. Das Lied, dessen Refrain sicher ein klein wenig von Wham inspiriert wurde, geht direkt unter die Haut. Man spürt zwischen den Zeilen eine gewisse innere Zerrissenheit, die nicht wirklich einfach einzufangen ist.


«Bellinzona» - ah, der war ja auch noch. Ich erinnere mich noch als wäre es gestern gewesen, als ich mit Padi Bernhard ein Interview anlässlich des Valentinstags für GRHeute führte. Damals hatte man schon länger nichts mehr von ihm vernommen, weshalb ich ihn neben den Fragen zum Evergreen «Ewigi Liäbi» auch darauf ansprach, welche Projekte er sonst noch in der Pipeline habe. In diesem Gespräch erzählte er erstmals von seiner neuen Band Trybguet. Als knapp ein Jahr später dann dieses Lied von ihnen veröffentlicht wurde, hörte ich es zwei Wochen lang in Dauerschleife. Anders als bei anderen Mundarthits nutzt sich diese Ode an die Tessiner Hauptstadt nicht wirklich ab und allerspätestens wenn dann im Bündnerland wieder Flocken fallen, kommt dieses Lied fix in die «Meist gehört»-Liste auf meinem Handy.


«Underwägs» ist ein richtiges Brett und lässt mich dank dem satten Riff sofort mitwippen. Dieser Track zelebriert das Fernweh, passt aber irgendwie auch ziemlich perfekt zu den Sommerferien zu Hause. Der rockt richtig!

«Wie gärn i di ha» tänzelt frisch verliebt aus den Boxen und beschreibt die Geschichte der ganz grossen, leider hin und wieder unerwiderten Liebe. Da die beiden Goldkehlchen hier zum Duett ansetzen, geht der Ohrwurm direkt ans Herz.


«Wiene Falter zum Füür» ist eine Verneigung vor dem grossartigen Polo Hofer und irgendwie trifft die Trybguet-Version direkt einen Nerv bei mir. Die Gruppe verneigt sich vor dem Grossmeister und zeigt gleichzeitig, welch grossartige Texte er immer wieder geschrieben hat. Er fehlt uns allen sehr…


«Soundtrack» beschreibt das Leben und die Lieder, die es geprägt haben. Die Geschichte spricht mich sehr an, da hier auch bei mir sofort Erinnerungen aufpappen. «Was wär es Läbe ohni Soundtrack?» - Meins wäre wahrscheinlich sehr langweilig.

«Det woni aneghör» ist eine philosophische Analyse des Seins und zeigt, was wirklich zählt während der kurzen Zeit, die wir auf dieser blauen Kugel haben. Hier wurde das Sprichwort «Home is where the heart is» für einmal in Mundart umgesetzt. Schön!


«Ewigi Liäbi Version 2020» Braucht es wirklich nochmals eine Version des Liedes? Das war die erste Frage, die ich mir gestellt habe, als ich die CD in der Hand hielt. Und ich kann sie inzwischen mit folgenden Worten beantworten: Auf jeden Fall! Das Lied ist reifer geworden, erhält in dieser Version eine ganz andere Grundstimmung, die mir sehr zusagt und das Update absolut berechtigt.


Schlussfazit:

«So wyt so guet» ist ein stimmiges Mundartalbum für die ganze Familie. Auch wenn hin und wieder virtuose Akzente der Instrumentalisten gesetzt werden, sind es vor allem die eingängigen Melodien, welche lange nachhallen. Die Stimme von Sarah frischt den Sound auf und das Abwechseln mit Padi setzt den Geschichten direkt aus dem Leben zusätzlich das Krönchen auf. Cool, hat es die Mundartlegende nach dem Ende von Mash wieder gepackt, neue Lieder zu schreiben, denn auf dieser Scheibe hier sind ihm doch einige Perlen geglückt.

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