Nachgefragt bei Denise Donatsch
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Nachgefragt bei Denise Donatsch

Dein Name klingt sehr nach Graubünden, dein Dialekt jedoch nicht wirklich. Wie stehst du zu deinen Wurzeln?

Da ich viel Zeit bei meinen Engadiner Grosseltern verbracht habe und durch sie auch mitten in jener Qultur eingebettet war, ist und bleibt das Bündnerland, insbesondere das Bergdorf Sent, meine zweite Heimat. Auch wenn ich seit dem Tod meiner Grosseltern nicht mehr so oft dort bin, in meiner Erinnerung ist alles so erhalten, wie es damals war und wann immer ich will, reise ich in Gedanken dorthin zurück. Geboren und aufgewachsen bin ich jedoch in Olten, was den Dialekt erklärt.


Ursprünglich kommst du aus dem Musicalbereich. Wie viel davon hört man noch in der heutigen Musik?

Das hängt ganz stark davon ab, welche Musicals man kennt. Sucht man nach Ähnlichkeiten in den europaweit bekannten Musicals wie «Cats» oder «Das Phantom der Oper», dann wird man sicher nicht fündig. Begibt man sich jedoch auf eine Reise Richtung Übersee, dann wird man bei den Klassikern ganz sicher auf einige meiner Inspirationsquellen und Komponisten aus dem Musicalbereich stossen, wie beispielsweise Cole Porter oder Stephen Sondheim.


Deine Lieder sind in Mundart gehalten. War Englisch nie eine Option?

Nicht für meine Eigenkompositionen. Ich liebe Mundartmusik schon mal ganz grundsätzlich; entscheidend ist für mich aber, dass ich keine Kompromisse machen will, was meine Ausdrucksmöglichkeiten betrifft. Da ich Mundart-Muttersprachlerin bin, ist es darum die Sprache, die mir die grösste Freiheit gibt.


In Kürze erscheint dein neues Album «Alter Egos». Wie viele solcher hast du denn selbst?
Gezählt habe ich sie nie, aber es sind im Laufe der Jahre sicher einige zusammengekommen. Das was ich als «Alter Egos» bezeichne ist für viele Menschen sicher nichts Unbekanntes, denn wer kann schon überall genau so sein wie zu Hause auf dem Sofa? Da ich aber am liebsten überall so sein würde, also so, wie zu Hause auf dem Sofa, hat mich dieses Thema sehr stark umgetrieben. Gerade in der Berufswelt muss man sich oftmals den Vorstellungen des Chefs anpassen und spielt dementsprechend eine Rolle. Die ganzen Gender-Themen schlafen des Weiteren ja auch nicht und prasseln Tag für Tag auf einen ein, erzeugen noch im Jahr 2020 Erwartungen, die ich niemals erfüllen kann, und wegen denen ich regelmässig von anderen in ein «Alter Ego» gedrängt werde. Schlussendlich ist es eine Frage der Identität, die man sich gibt oder die einem gegeben wird, oder wo diese Identität anfängt, was dazu gehört und wie man sie definieren soll.


Eine ziemlich schwierige Frage meiner Ansicht nach, an der schon einige der klügsten Köpfe grandios gescheitert sind.


Auf dem Cover prangen neben dir Platten von The Doors, Bruce Springsteen und Billie Holiday. Wie wichtig sind dir diese Einflüsse?

Dass ich diese Frage mit «sehr wichtig» beantworte, wird wohl niemanden gross überraschen, denn sonst wären sie kaum auf dem Cover meines neuen Albums gelandet. Ich verdanke Musikern wie ihnen Gänsehautmomente, Inspiration, Identifikation. Gerade auch die grossen Frauen des Showbiz, wie Billy Holiday oder auch Aretha Franklin haben mich mit Sicherheit stark geprägt und waren mir ein grosses musikalisches Vorbild.


Allgemein betonst du häufig, dass die Musik der 60er Jahre für dich sehr wichtig ist. Was wurde damals besser gemacht als heute?

Die Musik war definitiv fantasievoller. Die Bands haben sich richtig was einfallen lassen, manchmal auch komplett schräge Dinge, aber die Musikszene war gerade dadurch bunt, teilweise richtig schrill und voller Lebendigkeit. Und Kunst soll meiner Meinung nach genau das sein. Keine Gleichmacherei, sondern Vielfalt – «normal» gibt es bereits im Überfluss. Natürlich gibt es auch heute immer wieder Originelles in der Musikwelt, aber es dürfte definitiv wieder mehr werden, finde ich.


Inwiefern hat die Corona-Pandemie dein Album beeinflusst?

Gar nicht. Meine Songs habe ich vor der Pandemie geschrieben, aber das erste Taufdatum musste aus diesem Grund verschoben werden. Nun taufen wir anstatt im April im Oktober.


Wann sieht man dich mal in der Ostschweiz live?

So bald wie möglich, im Moment steht noch kein Konzertdatum fest. Mein Booker wird aber sicher für nächstes Jahr etwas in dieser Region organisieren.


Mehr zur Mundartsängerin findet ihr hier.

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