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«Tànz mim Tiifal» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

«Tànz mim Tiifal» im Soundcheck

Mit viel Zupf nach vorne und wunderbar rockig beginnt das Stück «Griani Feria». Es handelt von der letzten Nacht vor dem Militär, in der man noch einmal richtig die Sau rauslassen kann. Der Boogie-Woogie fährt einem mächtig in die Beine und man hat sofort Mitleid mit dem armen Protagonisten, dessen Freiheit für mindestens 147 Tage flöten geht. Ich finde es spannend, dass Vali Music hier nicht mit dem Finger auf den grünen Verein und seine komische Weltansicht zeigt, sondern das Positive in den Vordergrund stellt, nämlich die gemeinsame Party zum Abschied. Den wahren Wert von Freiheit erkennt man häufig leider erst, wenn sie nicht mehr da ist.


«As chunnt» ist mystisch angehaucht und versprüht viel Wild-West-Romantik. Vali versteckt sich am Anfang hinter einem leichten Stimmenverzehrer, bis dann die Zeit reif ist, richtig laut zu werden und dem Mann mit den Hörnern die Türe zu öffnen. Die Band des Obersaxers lässt richtig los und bläst jeglichen Staub aus den Membranen meiner Boxen. Ich mag den Mix aus Country und lauten Rock sehr, dem die Jungs hier ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken.  


Es ist sicher der Song mit dem speziellsten Titel: «Vardriassa fir Daheima» bedeutet übersetzt so viel wie «Fernweh». In dem Lied lässt Vali tief in sein Innenleben blicken und es passt einfach, denn im Moment stecken wir alle ein wenig in der Corona-Schlaufe fest. Auch wenn alles in der Heimat stimmt, können Spaziergänge in Graubünden die Zeit am Strand in der Ferne nur bedingt ersetzen. Diese Sehnsucht und auch innere Zerrissenheit fängt das Stück hier wunderbar ein und auch mein Fernweh ist frisch erwacht.


«Whiskey Song» war das erste musikalische Lebenszeichen von Vali nach dem Duett mit Carmen Cresta. Der Song verbreitet auch heute noch eine angenehme Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt. Es ist diese Mischung aus humoristischen und sehr einprägsamen Zeilen, sowie dem schmissigen Countryrock seiner Band, die dieses Stück so unwiderstehlich macht. Dass er zu diesem Motto noch Dankesvideos produziert und Whiskeyflaschen verteilt hat, macht die Vali-Hymne noch viel attraktiver und irgendwie auch zu einem Lehrstück für eine sehr gelungene, stimmige Promotionsphase.


Das Titelstück «Tànz mim Tiifal» ist bluesig angehaucht und groovt wunderbar aus den Boxen. Es erinnert mich ein wenig von der Thematik an «Paradies» von den Hosen. Auch Vali spricht davon, wie schwierig es ab und zu ist auf dem richtigen Weg zu bleiben, wenn der Teufel ums Eck eine Party feiert. Ich mag den diabolischen Unterklang, der beim ganzen Song mitschwingt sehr. Das epische musikalische Finale nach der dritten Minute lässt keine Wünsche offen. Einfach diabolisch gut!


«Düuw bischt und plibscht» ist ein Statement gegen Falschheit, Arroganz und Egoismus. Mir gefällt, wie Vali hier phasenweise seinen Text ziemlich zügig runterrattert. Der groovige Rocktrack vermag zu gefallen und erinnert an gewissen Stellen fast ein wenig an May Day in den 90ern.


«Harrgott» hat einen irischen Einfluss, der sofort die Ohren spitzen lässt. Speziell wie er vorher noch mit dem Teufel getanzt hat und nun den Weg zurück zum Herrn findet. In diesem Stück erleben wir einen sehr authentischen Vali. Wer ihn schon mal getroffen hat, weiss exakt, wovon ich spreche: Der grossgewachsene Hüne hat das Herz am rechten Fleck und begegnet anderen Menschen, auch wenn er sich hin und wieder dafür bücken muss, immer auf Augenhöhe. Nicht nur die Melodie und der Mitsingpart dieses Werks bleibt sofort im Ohr hängen, auch die positiven Botschaften, die der Musiker mit dem Text nach aussen tragen will, regen zum Nachdenken an.

«Schtaub zu Schtaub» beginnt mit einem A cappella-Teil und legt nach einer halben Minute dann richtig los. Mit viel Ironie weist der Protagonist auf die eigene Endlichkeit hin und erwähnt, dass man jede Sekunde des doch recht kurzen Lebens geniessen sollte. Der Partytrack eignet sich sehr gut zum Mitsingen und könnte sich mit der Zeit zu einem lebensfrohen Bündner Evergreen entwickeln.  


«Aarda» feat. Any Sabadi ist die Nummer auf dem Longplayer, die so richtig unter die Haut fährt. Trotz minimalistischer Instrumentierung begeistert das Lied sofort. Es ist das Wechselspiel der beiden starken Stimmen, welches einem in den Bann zieht und nicht mehr loslässt. Die Melancholie ist phasenweise fast erdrückend, aber auch immer voller Hoffnung. Der Track ist ein Hit mit einem grandiosen Video und langsam, aber sicher wäre es dann wirklich mal Zeit für ein Soloalbum von der Ausnahmestimme Any Sabadi.


Schlussfazit:
«Tànz mim Tiifal» ist ein kurzes, aber sehr abwechslungsreiches Album geworden. Auch wenn Rock- und Countryklänge bestimmend für das Werk sind, überrascht der Obersaxer und seine Band mit einer Offenheit für A cappella-Einflüsse und irische Klänge. Diese geben dem Werk eine zusätzliche Tiefe und sorgen für Stimmung. Seine Texte sind ebenfalls sehr abwechslungsreich und halten neben ironischen und witzigen Passagen, auch ziemlich nachdenkliche und kritische Passagen bereit. Vali und seine Musiker Dario Hess, Alex Cola, Silvio Riedi, Marco Darms und Dario Jemmi machen Musik, die der ganzen Familie gefallen kann. Zudem stehen sie noch aktiv für den Erhalt vom «Obarsàxar- Titsch» ein, was dem stimmigen Werk noch das Krönchen aufsetzt.  

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