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«Time flies» von Torp im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

«Time flies» von Torp im Soundcheck

Die CD beginnt sanft mit dem Lied «Cait». Ein Hauch Country, vermischt mit einer verzaubernden Melodie heisst einem willkommen und schon beim ersten Lied wird einem bewusst, welch ein Zauberer Frieder Torp doch an seinem Instrument sein kann. Cool!


«Parasite» ist etwas rockiger und vor allem düsterer. Das Chanson klingt fast ein bisschen so, wie wenn man die Beatles mit den Foo Fighters mischen würde. Trotz diesem irgendwie unterschwellig bekannten Klängen lässt Torp die Hörerschaft aufhorchen und zeigt, wie das mit dem eigenen Audio-Wasserzeichen geht in dem er dieser spannenden Komposition seinen ganz eigenen Stempel aufdrückt.


Interessant. Nach den zwei einstimmenden Tracks folgt ein instrumentales Intro, welches einem mitnimmt in weit entfernte Welten und die Vorfreude weiter ansteigen lässt.


Dieses läuft nahtlos über in den Titeltrack «Time flies», welcher sich mit der eigenen Endlichkeit beschäftigt und ähnlich wie «The Wild» sich langsam, aber stetig zur ganz grossen Folk-Hymne mausert. Es lohnt sich aktiv mit zu lauschen, denn hier ist eine verspielte, jugendliche Freude im Spiel, die sonst in der alltäglichen Popmusik häufig leider ein wenig unter geht.


«Coming back home» ist ein sehnsüchtiger, schmachtender Fetzen Musik, denn selbst die Band Mumford and Sons nicht besser hingekriegt hätte. Auch wenn dieses Lied gitarristisch anspruchsvoll ist und sicher einige Kniffe bereithält, schafft es Torp ohne Problem den Fokus auf das Wichtigste zu richten; Nämlich den Song. Häufig wenn ein Lied brutal virtuos klingt, berührt es nur wenige. Der Gitarrist und Songschreiber hat bei diesem Stück eine goldene Balance zwischen Technik und eingängiger Melodie gefunden, die einem ein wohliges Gefühl vermittelt und trotzdem staunen lässt.  


«Taming Hearts» mag ich sehr. Es wartet nicht nur mit einer aussergewöhnlichen und nicht alltäglichen Instrumentierung auf, auch die Akkordwechsel und Zwischenteile schaffen es zu verzaubern und zeigen, dass solide Popmusik so gar nicht 0815 sein muss.


Der Wild-West-Ode mit dem Titel «A time to kill» ist die aktuelle Single und auch ein wenig das Aushängeschild des Albums. Die Message gegen Waffen und Gewalt ist aufgrund des Titels vielleicht nicht sofort erkennbar und doch schafft es Frieder auch hier, dass man ihm gerne zuhört. Es sind eben oft die Stillen, die wichtige Botschaften weitergeben möchten.


Märchenhaft wird’s beim Liebeslied «Fairy Tale» und ich merke wieder wie unglaublich beruhigend die Musik von Frieder Torp auf mich wirkt. Sie eignet sich wunderbar um ein wenig zu entschleunigen und um der schwindelerregend schnell laufenden Gesellschaft zu entfliehen. Hach, es ist einfach schöne Musik, die gar nicht viele Worte zum Beschrieb braucht.


Auf «Remedy» zollt er seiner Gipsymusik-Vergangenheit Tribut und es groovt wunderbar. Dieses eine Riff lässt einem nicht mehr los und lädt ein zum Tanzen. Lieder wie dieses hier gehören eigentlich auf die ganz grossen Festivalbühnen als krönender Abschluss. Aber eben, hoffen wir mal, dass das 22 ein besseres Jahr für die Musikszene wird.

 

«Clear your mind» klingt geheimnisvoll, wird aber getragen von einer freiheitsstrebenden Message. Klar, wie der Sound ist, fordert der Protagonist seine Hörer auf, von alten Sorgen Abschied zu nehmen und in die Zukunft zu blicken. Das ist so ein Track der sofort unter die Haut fährt und für Gänsehaut sorgt. Wow!


«Freeman» ist eine Nummer, die auch am Lagerfeuer sehr gut funktioniert. Eine eingängige Melodie, aufmunternde Lyrics, eine gesunde Portion Hitappeal, ein treibendes Schlagzeug und eine Atmosphäre, die zum Geniessen einlädt. Viel mehr braucht es im Leben gar nicht.


Der Abschlusstrack «Peace & Harmony» zelebriert das Gemeinsame und Friedliche. Irgendwie höre ich da recht viel Heimat- und Naturliebe heraus, die überhaupt nicht kitschig wirkt, sondern einem an den Ort seiner Jugend reisen lässt. Es ist ein schöner Abschlusspunkt des ersten Albums von Torp und zeigt nochmals alle Stärken des Musikers und seiner starken Formation auf. Vor allem der Chorteil am Schluss ist ganz grosses Kino!

Schlussfazit:

«Time flies» von Torp lebt von den feinen und sanften Momenten, die einem einladen mal einen Gang runter zu schalten. In der heutigen, sehr schnelllebigen Zeit ist es wichtig inne zu halten und den Blick für die schönen Dinge im Leben wieder zurück zu gewinnen. Dieses Album hier bringt die Hörerschaft zurück zu den Wurzeln und lädt zum Geniessen ein. Trotz seinem enorm virtuosen Spiel stehen immer die Lieder im Fokus seines Schaffens. Die Geschichten mitten aus dem Leben haben eine angenehme Tiefe und halten hin und wieder auch eine leichte Prise Sozialkritik bereit. Es ist ein magisches Debüt geworden, bei dem sich ein genaueres Hinhören sehr lohnt.

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