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Unsere Verbindung zum Land
Bild/Illu/Video: Lucas J. Fritz

Unsere Verbindung zum Land

Die Erde und alles was auf ihr wächst und gedeiht, ernährt die Lebewesen, damit sie überleben und sich fortpflanzen können. Dies geschieht auf natürliche Weise in einem wunderbaren Gleichgewicht, sodass keine Spezies dominiert. Vor tausenden von Jahren ernährte sich die Spezies Mensch zum Grossteil von dem was ihm der Boden und die Jagd einbrachten. Die Heidelbeeren, welche wir heute so bequem und ohne Aufwand im Laden erwerben, wurden einstmals in mühsamer Handarbeit gepflückt. Um zweihundert Gramm Heidelbeeren zu sammeln, braucht mensch je nach Verfügbarkeit bis zu einer Stunde. Hier frage ich mich, wie können diese Beeren im Laden für einen spotpreis verkauft werden? Sind es denn nicht mehr die Menschen, die diese Beeren pflücken? Wo werden diese Beeren angepflanzt, dass der Mensch sie mit offenbar geringem Aufwand (was der Preis der Beeren anzeigt) ernten kann? Wer die Beeren in Laden erwirbt, dem schmecken sie nicht so gut, wie dem Menschen, der sie in mühseliger Tätigkeit einzeln von Hand auf der Wiese am Berg pflückt.


Genau darum geht es in diesem Beitrag. Nämlich darum in direktem Kontakt zum Boden durch die Nahrung zu stehen. Nahrung ist ein Grundbedürfnis eines Menschen. Es gäbe so viele Möglichkeiten sich in der Schweiz einen Teil der heutigen Nahrung as dem Wald und von der Wiese zu holen. Unzählige Wildkräuter, deren Gebrauch und das Wissen darum durch die zunehmende Industriealisierung unseres gesamten Lebens verloren geht. Wir leben nicht mehr in der Natur mit der Natur, sondern gegen sie.


Dieses uralte Wissen um die Früchte und Kräuter des Landes gehen zunehmend verloren. Wenn unsere Gesellschaft in der derzeitigen global-vernetzen Form es irgendwann einmal nicht mehr gibt, wird dieses Wissen über den Boden von unschätzbarem Wert sein. Ob Lieferengpässe, Naturkatastrophen, Hungersnöte oder gar ein Systemzusammenbruch, das Wissen um das Land und seine Eigenschaften kann das Leben des Einzelnen im drastischten Fall retten und in unserem heutigen Leben kulinarisch bereichern. Das Wiedererlernen des Sammelns soll kein Müssen sein, sondern Spass machen. Ob Bärlauch im Frühling, Wildkräuter im Sommer und Pilze im Herbst, das Sammeln in der Natur kann zu einer lebensbereichernden Freizeitaktivität werden. Gleichzeitig schont es den Geldbeutel.


Die Veränderungen, die der Mensch an der Erde vornimmt, können auf Dauer nur misslingen. Durch das Roden der Wälden und das Leerfischen der Meere (beides die grössten CO2-Speicher der Erde) nehmen wir uns selbst die Grundlage unserer Existenz. Während eine kleine Elite von finanziell vermögenden Individuen sich ihren Geldbeutel füllen, geht der Welt die Luft aus. Wenn uns die Erde nicht mehr ernähren kann, dann hat auch das Geld keine Bedeutung mehr.


Für mich ist es eindeutig. Um eine Erwärmung unseres Planeten zu verhindern, können nur drastische Massnahmen helfen. Um den CO2 Austoss massiv zu vermindern, kann die Frage nicht «Benziner oder Elektroauto?» lauten. Nein, die Frage soll lauten «Zu Fuss oder mit dem Fahrrad?», desweiteren soll der Individualverkehr gänzlich aus dem Verkehr gezogen werden um unser eigenes Überleben zu sichern.


Ureinwohner wie die Tuareg, die Massai oder die australischen Ureinwohner-Völker leben zum Teil noch genau die Lebensweise wie vor Tausenden von Jahren. In unserer pseudodemokratisch-kapitalistischen westlichen Gesellschaft wird ständig von Nachhaltigkeit gesprochen. Wahrhaftige Nachhaltigkeit ist ein solches nomadenhaftes Leben in der Natur zu führen. Das war einstmals unser aller Verbindung zum Land. Natürlich ist ein solches Leben physich und seelisch anstrengender als das heutige Luxusleben, doch der modernen Menschheit würde es an Seele und Körper wahrhaftig guttun, sich wieder eine solche Lebensweise anzueignen. Mit den neusten Errungenschaften an Technik könnte ein nomadenhaftes Leben in Wald, Bergen, am Meer oder in der Wüste für jeden Menschen zu einem wahren Abenteuer, einem ständigen Kontakt zur Welt werden. Was einstmals unsere Verbindung zum Land ar, kann und wird es entweder freiwillig oder erzwungenermassen wieder sein. Meiner Auffassung nach ist es die einzige Möglichkeit langfristig die Existenz unserer Spezies zu retten.

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