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Wenn das Leben fast hinter einem liegt
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Wenn das Leben fast hinter einem liegt

Hast du Angst vor dem Tod? Warum oder warum nicht?

Ich habe keine Angst aber Respekt vor dem Unbekannten. Wovor sollte ich mich fürchten? Ich fühle mich vom grossen Ganzen getragen. Ich fühle mich eingebettet in das grosse Ganze, welches ich als Gott bezeichne. Ich möchte nicht leiden vor dem Tod, ich rebelliere im Leid. Andere wachsen daran, ich nicht.


Was war die schlimmste Zeit in deinem Leben?

In meinem Leben gab es keine schlimme Zeit. Sicherlich gab es herausfordernde Zeiten. Bei meiner Geburt starb meine Mutter, drei Wochen später mein Vater im Krieg. Damit war ich bereits Vollwaise bevor ich denken konnte. Zum Glück meisterten meine Verwandten die schwierige Situation für mich.


Was war die schönste Zeit in deinem Leben?

Meine Kindheit und die Jugend war die schönste Zeit meines Lebens. Das Leben war unbeschwert. Ich bin in einer liebevollen Familie aufgewachsen. Später im Leben kamen die Herausforderungen, an welchen ich wachsen konnte. Auch als meine Söhne und Töchter Kinder bekamen, ich viel Zeit mit den Enkeln verbringen konnte und weiterhin kann, gehört zu den schönsten Zeiten meines Lebens. Man kann die Zeit mit den Enkeln geniessen, aber sie sind nicht ständig da. Man trägt nicht die volle Verantwortung für sie. Anders als bei meinen Kindern, dort trug ich grosse Verantwortung, was manchmal sehr anstrengend und nervenbelastend war.


Die heutige Jugend, ... hört man viel von älteren Menschen. Was nervt dich an den jungen Menschen von heute?

Zuerst einmal: ich definiere junge Menschen anders als früher. Heute sind für mich Menschen bis 30 Jahre jung. Was mich nervt, ist die Anspruchsstellung der jungen Menschen. Die heutigen Menschen kennen kein grosses Leid, keinen Krieg, keinen Hunger und keine Armut. Sicherlich ist es selbstverständlich, dass wenn man all dies nicht kennt, dass sich dann Ansprüche ans Leben entwickeln.

Man muss der Gesellschaft etwas geben nicht immer nur nehmen. Wir leben in einem sicheren Land, uns geht es gut. Ist etwas nicht in Ordnung rennen wir zum Staat und verlangen eine Lösung. Bei den Jungen steht das Individuum im Zentrum. Früher war das anders. Jeder war und lebte in etwa gleich. Die jungen Menschen werden heutzutage in Schule, Ausbildung und Beruf viel stärker und intensiver gefordert als es früher der Fall war. Das respektiere ich und mag Junge natürlich trotz allem.


Bist du zufrieden mit deinem Leben?

Ja! Ich bin zufrieden mit dem Leben, da ich der Meinung bin, dass ich grosses Glück hatte. Vieles hätte schiefgehen können. Doch am Ende wurde immer alles gut. Ich bin ein einfacher Mensch. Wenn man bescheidene Wünsche und Träume hat, ist man eher zufrieden.


Wie breitest du dich auf den Tod vor?

Wie bereits erwähnt, fühle ich mich getragen von dem grossen Ganzen. Ich überlasse die Führung dieser grösseren Kraft. Schon mein ganzes Leben lang hat mich diese Kraft getragen. Diese Kraft lehrte mich, was ich zu lernen hatte. Ich habe volles Vertrauen, dass mich diese Kraft über die Grenze trägt.


Warum reden alte Leute immer von früher?

Der Grossteil des Lebens liegt bereits in der Vergangenheit. Die Alten haben keine lange Zukunft mehr. Die Zukunft ist ungewiss. Die Jungen Leben in der Zukunft, da sie ihr ganzes Leben noch vor sich haben. Die Alten leben in der Vergangenheit, in der Erinnerung. Natürlich wäre es am besten, wenn wir immer im hier und jetzt leben würden. Tun wir leider fast nie.

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