Das Leben und der Tod
Bild/Illu/Video: Sandra Peters

Das Leben und der Tod

Nüchtern betrachtet ist das Leben eine Aneinanderreihung von Ereignissen, Gefühlen, Phasen und Kontakten mit Menschen. Das Leben ist was wir sind. Wir sind am Leben und sollten uns in jedem Moment darüber freuen. Es ist eine unglaubliche Chance, Gutes zu tun und persönliche Erfüllung zu Erreichen.


Der Tod hingegen wurde in unserer westlichen Gesellschaft lange nicht als Teil des Lebens anerkannt. Seit 2020 ist er ständig in den Medien und wird verteufelt. Sterben wird als schlecht angesehen. Manchmal ist es der einzige Ausweg. Solange man mit Würde gehen kann, ist alles gut. Solange man sich verabschieden kann und im Reinen mit sich selbst ist, kann man den Tod getrost umarmen.


Es ist erstaunlich: ein Grossteil der gesamten Gesundheitskosten wird darauf verwendet das Leben von älteren und sehr alten Menschen zu verlängern. Weshalb werden Menschen an ihrem Lebensende an ein Krankenbett gefesselt und künstlich am Leben erhalten? Weshalb kann man diese Menschen nicht einfach gehen lassen? Es ist so unwürdig, so beschämend.


Ich kann verstehen das Kinder ihre Eltern nicht gehen lassen möchten, doch irgendwann müssen auch sie loslassen. Manchmal können sich die Angehörigen mit dem Tod abfinden, doch die Person selbst nicht. Ich denke mir dabei immer: Wer sich mit achtzig Lebensjahren auf dem Buckel nicht mit dem Tod abfinden kann, hat einen Teil des Lebens missverstanden.


Obwohl ich jung bin, befasse ich mich oft mit dem Tod. Meine Grosseltern sind bereits älter und manche von ihnen nicht mehr ganz gesund. Deshalb versuche ich mich schon vor ihrem Ableben damit abzufinden, dass sie eines Tages nicht mehr hier sein werden. Ich möchte mir damit unnötiges Leid ersparen. Meine Einstellung lässt mich jeden Moment mit ihnen umso mehr geniessen, weil es mir bewusst ist, es könnte die letzte Begegnung sein.


Für mich kann ich mir nur zwei Arten zu sterben vorstellen: entweder beim Extremsport oder um der Liebe willen. Beides prägt mein Leben wie nichts Anderes.


Das Leben gehört zum Tod und umgekehrt. Machen wir das Beste aus dem Leben und sterben in Würde.

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