«What Color is your sky» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

«What Color is your sky» im Soundcheck

Mit «Boom Town» startet das neue Album von Fabian Anderhub und dies mit ziemlich viel Druck nach vorne. Es klingt nach einem spannenden Mix aus Blues und Rock, welcher der Musiker hier serviert. Seit langem ist dies auch wieder mal eine CD, auf der kräftige Gitarrensoli Platz finden. Nach diesem Opener hat er meine volle Aufmerksamkeit.

«Devil’s Daughter» klingt ziemlich düster. Bei diesem Song wird Anderhub praktisch nur von den slidenenden Gitarren begleitet. Durch das minimalistische Arrangement erhält seine zerbrechliche und tief traurige Stimme viel Platz und kann sich dank der sanften Wild-West-Romantik im Hintergrund komplett entfalten.


Der wundervolle Blueser «Don’t take your love» kommt nach dem ruhigen Stück mit viel Kraft durch die Boxen geschossen. Das Album hat einen spannenden amerikanischen Spirit, der recht schwierig zu reproduzieren ist. Solche Kracher wie der hier, animieren zum Mitsingen und gefallen mir sofort sehr.

Weniger mitsingbar, dafür ziemlich musikalisch kommt «Phoenix rising» um die Ecke. Das Riff der Gitarre lässt einem sofort mitwippen und die tolle Orgel im Hintergrund, welche dezent Akzente setzt, veredelt den Song zusätzlich. Sehr gelungen.

   

«Lake Ponchartrain» ist eine Blues-Ballade, die mich sofort an Stevie Ray Vaughan und seine Meisterwerke erinnert. Als Kind dachte ich ja immer, dass so ein Blues klingen muss und das vor allem die Geschwindigkeit des Werks das Genre bestimmt, was natürlich völliger Mist ist. Blues ist vielmehr ein Lebensgefühl, welches Fabian Anderhub und seine Band hier wunderbar transportieren. Das Gitarrensolo ist ziemlich virtuos und genau so laut wie es sein sollte. Genial!

«Up to no good» ist am Anfang ein akustischer Track, der sehr gut auch am Lagerfeuer funktionieren würde. Nach kurzer Zeit verwandelt sich der Song in die perfekte Hintergrundmusik für eine Tavernen-Schlägerei, was dem epischen Barpiano geschuldet ist. Dieses zaubert einem sofort ein Schmunzeln auf die Lippen und macht die Nummer zu einer ziemlich unterhaltenden.


«Out the door» handelt vom Ausbruch aus alten Gewohnheiten und trägt einen ungeheuren Drang nach Freiheit in sich. Ein Groovemonster, welches sich ideal als Soundtrack für einen epischen Roadtrip eignet. Cool!

Höre ich da bei «Didn’t need to lose your Love» etwa ein paar ZZ Top-Anleihen? Das Lied schafft es sofort, durch den Trennungsschmerz, welchen es transportiert, unter die Haut zu gehen. Ich hoffe mal für ihn, dass die Angebetete irgendwann wieder zu ihm zurückfindet.


Bei «Pistola» wollte ich fast schon was von «Detroit Rock City» schreiben, aber irgendwie klingt das Riff doch ziemlich anders. Die schnelle Nummer schiesst scharf und hat einen ziemlichen Druck nach vorne. Endlich kann der Drummer auch mal ein wenig die Sau rauslassen.


«Rise up» ist mystisch und nimmt einem sofort gefangen durch das gefährliche, welches im Lied mitschwebt. Den Zwischenteil, bei dem Anderhub fast in das Mikrophone brüllt, verstehe ich irgendwie nicht so ganz. Aber der musikalische Schlussteil des Liedes berührt mich dafür umso mehr.


«Coconut Pie» startet mit einem Bassgroove, der sofort in die Beine fährt. Gegen Schluss wird das Album sogar noch ein wenig funky, was den Facettenreichtum der Musiker zusätzlich unterstreicht, aber irgendwie klingt der Song fast wie ein Fremdkörper auf dem bisher ziemlich stimmigen Werk.

«What Color is your sky» ist der Titeltrack und zeitgleich auch der Abschluss des Albums. Das stampfende Lied ist Bluesrock, wie ich ihn sehr gerne höre. Zugleich zeigt Fabian Anderhub nochmals wo seine Stärken liegen und lässt einen weiteren spannenden Kracher von der Leine.


Schlussfazit:
Auf dem Album «What Color is your sky» von Fabian Anderhub hört man eine tighte Bluesformation, die sehr gut eingespielt ist und es schafft, trotz enormer Musikalität nie die grossen Egos raushängen zu lassen. Zu hören gibt es ehrliche Musik von einer Band, die mit Country- und Rockanleihen ihren Blues verfeinert, dabei nie langweilig wird und es federleicht hinkriegt, Emotionen in Noten zu bannen. Die werde ich mir definitiv anschauen, wenn sie in der Region auftreten.  

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