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Bild/Illu/Video: zVg.

Maël’s «Homeland» im Soundcheck

Das erste Lied der CD mit dem Titel «Short Break» empfängt einem irgendwie mit einem wohligen Gefühl. Es ist fast ein wenig wie nach Hause zu kommen, wenn die Orgel im Hintergrund lange Töne zieht und die Sängerin Maël zu einem entspannten Groove von den schönen Seiten des Lebens erzählt und dazu animiert, den wichtigen Sachen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.


Das Titelstück «Homeland» hat ein bedrohliches Riff, welches immer wieder wie ein Kompass zum verträumten Refrain führt. Es ist eine angenehme Nummer, die es schafft in den aktuell kalten Tagen zumindest durch die Boxen der Stereoanlage das Haus aufzuwärmen. Genau das macht nämlich Maël’s Stimme! Sie gibt einem das Gefühl, dass man bei ihr willkommen ist und es ruhig auch mal ein bisschen gemütlicher angehen lassen kann.


Während das Vorgängerstück eher zu Hause spielte, nimmt einem «Water to gold» auf eine Reise in die Ferne mit. Hier schwingt ein gewisser Amerika-Spirit mit, der mir sehr gut gefällt. Anders als sonstigen Countrylieder ist das Fernweh hier aber nicht plakativ und voller Klischees beschrieben, sondern schwingt mehr zwischen den Noten mit, was einfach verdammt cool ist.


Die Ballade «Inside me» ist nochmals ein wenig ruhiger und profitiert enorm vom filigranen Gitarrenspiel von ihrem musikalischen Gefährten Marco Figini. Er zeigt hin und wieder, was er auf dem Kasten hat, dies aber immer dem Song dienend und nie um sich explizit in den Vordergrund zu rücken. Das Scheinwerferlicht gehört nämlich auf dieser CD der unverwechselbaren Stimme von Maël, die es durch ihre emotionale Darbietung immer wieder schafft zu berühren.


«Out in the Desert» ist ein lässig gespielter Reggae. Die Perkussionsinstrumente und anderen musikalischen Untermalungen im Hintergrund sorgen für viel Stimmung und verleihen dem Stück gleichzeitig zusätzliche Farbtupfer. Ich mag diese Art von verzerrten Gitarren sehr, da sie mich immer ein wenig an Carlos Santana erinnern, dessen neuere Alben ich regelrecht verschlungen habe.


«Storm» ist groovig, ein wenig bluesig und ziemlich cool. Wenn ich es mir richtig überlege, würde sich diese Nummer in einem verrauchten Jazzlokal nochmals spezieller und irgendwie passender anhören, als hier bei mir zu Hause. Gelungen!


Der Sommersoundtrack «Too hot» kommt irgendwie zur falschen Jahreszeit heraus, aber wenn man genauer hinhört, merkt man, dass es gar nicht das Leben in der Schweiz, sondern irgendwo in der Wärme porträtiert. Da kommen gleich Feriengefühle auf, denn dort ist es oft so, dass es sogar zu heiss zum Schlafen ist.


Leicht mysteriös klingt das Lied «Valley of Dreams». Mit sanften Worten erzählt die Sängerin von der wundervollen Zeit zu zweit, wie es nur jemand kann, der es mit ganzem Herzen selber erlebt hat. Ziemlich süss und trotzdem irgendwie auch cool.


«In our Time» erinnert mich sofort an den Grossmeister Fankhauser, da der Blues ziemlich fett und mit viel Druck durch die Boxen strömt. Der «Walking Bass» fährt ziemlich angenehm in die Beine und animiert zum Tanzen. Das sehr musikalische Stück kommt mit einem Saxophone-Solo von Dave Feusi daher, welches einem sofort fesselt und fliessend übergeht in ein grandioses Gitarrensolo von Marco Figini. Eine richtige Perle auf dem Longplayer.  


«Raising Dust» erinnert mich irgendwie an früher. Ich kann es nicht genau einordnen, aber die Akkordfolgen haben etwas von einer Fernsehreklame oder einer Sitcom aus längst vergessenen Zeiten. Vor lauter Nachdenken an was mich das alles erinnert, hätte ich fast das wundervolle Lied verpasst, welches doch sehr zu gefallen vermag.


«Snowbound» ist eine Heavynummer, die aus meiner Perspektive viel weiter nach vorne auf den Tonträger gehört hätte. Das Rockstück besticht durch eine treibende Strophe, taffe Gitarrenriffs und eine Sängerin, die mit ihrer einzigartigen Stimme ihre tolle Beobachtungsgabe unter Beweis stellt und vertraute Bilder malt. Könnte man jetzt endlich das unsägliche «Winter Wonderland» verbannen und durch ein solches Groovemonster ersetzen? Das würde der besinnlichen Zeit etwas mehr «Pfupf» einhauchen.


Das Abschliesslied «Pure Water» ist wunderbar verträumt und mir gefällt sehr, wie es hin und her schaukelt. Das klingt beim Zuhören, als wäre man auf einem Boot und die ruhige Stimme von Marlis Bösiger wiege einem sanft in den Schlaf. Wunderbar!

Schlussfazit:
Maël’s Album mit dem Titel «Homeland» ist der ideale Soundtrack für die kalte Jahreszeit. Die musikalische Reise ist spannend, denn von ihr zu Hause geht es zu den Wurzeln des Blues, ohne dies plakativ anzupreisen. Ihre Stimme hat einen wohlig bekannten und angenehmen Klang, der das Album zu einer abwechslungsreichen und nicht gerade alltäglichen Platte macht. Dicht umhüllt von Decken im Wohnzimmer scheint mir der perfekte Ort zu sein, um dieses Werk zu geniessen. Denn was gibt es schöneres als sich dort im Fernweh zu suhlen mit diesem wundervollen Werk im Ohr?  

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