Wie überwinde ich meine Angst?
Bild/Illu/Video: Stefan Schwarz

Wie überwinde ich meine Angst?

Doch leider ist dies immer noch ein Tabuthema. Die Realität sieht leider so aus, dass man sich mit der Zeit immer mehr und mehr einschränkt und daher die Ängste eher stärker und weitgreifender, einschränkender werden als, dass es von alleine aufhört.

Grund genug meinen heutigen Artikel ganz der Angst vor der Angst zu widmen…


Zunächst einmal unterscheidet man in Phobien und Ängste. Phobien beziehen sich auf Objekte (Hunde, Fahrstühle, Höhen, Nadeln, etc.).

Ängste sind nicht auf bestimmte Objekte bezogen, sondern auf Situationen, Ereignisse, Ideen etc. (Angst einkaufen zu gehen oder Angst vor Arbeitslosigkeit).


Grundsätzlich ist Angst ein natürlicher Schutzmechanismus, der uns entweder aus Situationen entkommen lässt (Flucht) oder unsere Verteidigung ankurbelt (Angriff) oder uns erstarren lässt. Bei Angst werden automatisch die richtigen Hormone ausgeschüttet, um uns hellwach zu machen, unsere Wahrnehmung zu schärfen und unseren Körper in Anspannung zu bringen, damit wir schnell und effizient reagieren können. Vorgänge, die in diesen Momenten nicht so wichtig sind wie etwa der Stoffwechsel oder die Verdauung werden lahmgelegt.


Das Denken ist in solchen Situationen überlagert von unseren Emotionen und wir reagieren automatisch. Was in wirklichen Gefahrensituationen auch förderlich ist, da das Denken und Analysieren oft zu lange dauern würde.


Sobald die Gefahrensituation gebannt ist, normalisiert sich mit etwas Verzögerung unser Puls und unsere Atemfrequenz wieder und die Anspannung lässt nach.


Leider ist es so, dass wir viel mehr Angst als gefährliche Ereignisse haben. Wir glauben, dass wir uns vor irgendetwas fürchten müssen. Das liegt meist daran, dass wir Dinge erlebt haben und für uns daraus einen angsteinflössenden Glaubenssatz entwickelt haben. Hier ein kleines Beispiel: Peter musste in der 2. Klasse in der Primarschule ein Gedicht vortragen. Vor lauter Aufregung verhaspelt er sich ständig und alle anderen Schüler lachen. Seitdem hat Peter Mühe vor anderen zu reden und glaubt, dass er das nicht gut kann und erwartet insgeheim, dass er sich zum Gespött der anderen macht.

Kleiner Vorfall, grosse Wirkung. Peter meidet zukünftig vor anderen zu reden, drückt sich daher vor Präsentationen in der Firma und zieht daher andere Kollegen an sich vorbei ziehen. Er traut sich daher immer weniger zu und hat immer wieder Angst zu versagen.

Laut einer Studie passieren 91,4% der Dinge vor denen wir Angst haben, dass sie passieren überhaupt nie. Die Ereignisse finden nur in unserem Kopf statt.


Dies spielt allerdings für unseren Körper keine Rolle. Unser Gehirn kann nicht unterscheiden, ob etwas tatsächlich passiert oder ob wir nur fantasieren. Daher werden genau die gleichen Hormone (mit den dazugehörigen Körperreaktionen wie erhöhter Puls und Atemfrequenz) ausgeschüttet, als wenn das Ereignis tatsächlich stattfindet. Das liegt vor allem an den Gedanken, die wir denken und den Bildern, die in unserem Kopf entstehen. Wenn wir befürchten gleich jeden Moment gegen den Baum zu prallen und ihn vor unserem geistigen Auge immer näher und näher kommen sehen, schütten wir genau gleich viel Adrenalin aus als wenn der Baum tatsächlich unausweichlich ist.


Ängste haben sehr viel damit zu tun, dass man das Gefühl hat über irgendetwas keine Kontrolle zu haben. Das Gute an der Sache ist, dass wir immer die Kontrolle darüber übernehmen können was wir denken und welche Bilder wir im Kopf haben. Und diese Gedanken und Bilder haben direkte Auswirkung darüber wie wir uns fühlen. Nochmal: unser Gehirn kennt den Unterschied zwischen Realität und Imagination nicht. Es produziert einfach dementsprechende bio-chemische Substanzen. Daher können wir auf die Produktion dieser Substanzen Einfluss nehmen, indem wir beruhigende, schöne Gedanken denken. Zum Beispiel an schöne Erlebnisse oder an liebe Menschen. Sofort fühlen wir uns anders und können anders agieren.

Soweit zur Theorie.


Hier einige Tipps für die Praxis:

-Sing im Kopf ein Lied, dass dir Mut macht, du witzig findest, dir Halt und Kraft gibt

- Leg deine Arme um dich als würdest du dich selbst umarmen und streiche über deine Oberarme; das beruhigt

- Atme tief ein und aus, damit sich dein Puls beruhigt, dann sage dir selbst «Ich schaffe das. Ich habe das schonmal überlebt»

- Stressrezeptoren liegen im Kiefer. Streiche dir sanft vom Unterkiefer in Richtung Kinn (Das kannst du sogar tun, wenn andere dabei sind, denn es sieht so aus als würdest du überlegen)

- Wenn du deine Zunge zwischen die Zähne steckst, entspannt dein Kinn automatisch

- Fülle deinen Mund mit Speichel oder trinke einen Schluck Wasser. Stress und Angst trocknet den Mund aus («da bleibt einem die Spucke weg») und wenn der Mund feucht ist, gibt das den Impuls ans Gehirn, dass alles okay ist

- Halte deine Schultern nach unten und lass sie nicht nach vorne kippen. Deine Körperhaltung sendet ebenfalls Impulse an dein Gehirn. Rücken gerade, Brust raus! So signalisierst du nicht nur deinem Gegenüber, sondern auch deinem Gehirn «Ich bin stark»


Und wie immer gilt: Hilfe ist möglich. Wenn du einmal herausgefunden hast, was hinter deiner Angst steckt, wirkt sie gleich nicht mehr so gross.

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