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Yaya’s «Lost Heaven» im Soundcheck
Bild/Illu/Video: Cover

Yaya’s «Lost Heaven» im Soundcheck

Es klingt ganz schon bedrohlich, als der erste Track «Bombs and Mines» startet. Doch als die Band einsetzt, lichtet sich die Soundwand und man hört eine zerbrechliche Stimme, die dagegen ansingt. Die Cowbell ist in dieser epischen Klangwelt irgendwie zu präsent und trotzdem schafft es der facettenreiche, sehr musikalische Opener mich in den Bann zu ziehen.


«MDFS» klingt verdammt frisch, modern und belebend. Durch die Klatschgeräusche empfindet man sofort den Drang ebenfalls im Takt zu applaudieren. Krass, wie die Band es schafft in einer Welt in der es wirklich jeden Ton schon Millionen Mal gegeben hat, auch während der Dauer eines Liedes mehrfach innovativ zu überraschen.


«Creatures» startet als fulminantes Heavy-Metal-Brett, dessen Riff einem beim viel zu kurzen Intro sofort packt. Doch sich bloss auf diesem eingängigen Teil am Anfang auszuruhen, wäre Yaya dann doch zu langweilig. Das so imposant eröffnete Lied mischt jazzige Elemente mit Pop und zeigt, wie grandios dies klingen kann, wenn man sich vom Groove leiten lässt und seine Experimentierfreudigkeit auslebt. Ganz am Schluss gibt’s dann nochmals kurz das Riff, welches mein Herz für harte Klänge nochmals höherschlagen lässt.


«Downhill» beginnt als Ballade, doch das heisst bei den musikalischen Verwandlungskünstlern ja nicht wirklich viel und kann sich in Sekundenbruchteilen wieder ändern. Doch das Stück voller Popappeal bleibt im gleichen Genre und zeigt, dass auch Radiomusik ziemlich packend klingen kann, wenn man die Thematik dann wie sie hier mit ein bisschen Mut zum Ausbruch angeht. Sehr gelungen und ebenfalls nie vorhersehbar oder gar berechnend.


Der etwas kürzere Song «Volt» hat etwas hypnotisches, denn er packt einem wie ein Gospel, lädt zum Träumen ein. Diese Band führt es mit einer Leichtigkeit vor, wie man sehr kreativ hochwertige Musik produziert, die einem breiten Publikum zu gefallen vermag. Gleichzeitig ist ihr Werk aber voller Spielfreude und trägt einen ganz eigenen Stempel.


«Pretty but blind» ist ein weniger ruhiger und geht vor allem durch das dezente Zurückhalten der Band noch intensiver unter die Haut. Ich mag es sehr, wie die Band Yaya immer wieder Schnippen und Klatschen einfügt und so ihrem Sound eine menschliche und nahe Komponente verleiht.


«Salt & Pepper» ist ein souliges Liebeslied, welches eine interessante Brücke zwischen Sounds aus den 90ern und modernen Elementen baut. Hier fällt es besonders positiv auf: Die Stimme des Sängers überzeugt nicht nur in den «normalen», sondern auch in höheren Gefilden. Ein ziemlich passender Soundtrack für eine Beziehung in der einfach alles stimmt.


«Lucy» ist ein kurzes Intermezzo, welches mir nicht wirklich schlüssig erscheint, aber irgendwie noch eine spannende Überleitung in den nächsten Song darstellt.


«Mirror» ist ein knackiger Popsong, der durch den holzigen Klang von einer akustischen Gitarre bestimmt wird. Dies verschafft dem geforderten Gehör eine kleine wohltuende Verschnaufpause und beweist, dass die Band unterschiedliche Arten von Musik aus dem Effeff beherrscht.  

«Noise» verspricht thematisch Lärm. Zu hören gibt’s aber eine wahnsinnig groovige Nummer, die langsam daher schlendert. Das Lied verliert die Zuhörerschaft nicht, denn die Spannung wird hochgehalten und die Eskalation kurz nach der zweiten Minute, fährt ziemlich ein. Sehr gelungen. Wäre doch nur jeder Lärm so wundervoll zum Konsumieren.

Dumpf und mit viel Drive nach vorne startet «Tell me your name», welches kurz danach der Stimme vom Sänger viel Platz einräumt und in den Hintergrund rückt. Ich liebe die Zusammenstellung der unterschiedlichen Liedteile, denn sie sind so unberechenbar und deshalb jedes Mal sehr überraschend.


Zum Abschluss gesellt sich noch der Titeltrack des Albums hinzu. «Lost Heaven» hätte ich jetzt ein wenig weiter vorne platziert, aber an und für sich ist dieses Konzept fast ein wenig geschickter… Der Rocker ganz am Schluss beendet die Platte mit einem Knall, was einen bleibenden Eindruck hinterlässt.


Schlussfazit:
«Lost Heaven» von Yaya ist ein ungeheuer überraschendes Album, welches voller Kreativität und Abwechslung strotzt und trotz enormer Spielfreude, nie zu sehr abdriftet. Der ganz eigene Sound der Band zieht sich wie ein roter Faden durch das beeindruckende Werk voller Tiefe. Die kurzweilige Ansammlung von Tracks zeigt, wie innovativ aktuelle Pop- und Rockmusik in der Schweiz klingen kann. Hoffen wir durch die Pandemie werden wieder mehr solche Perlensammlungen entdeckt und grandiose Gruppen wie Yaya finden noch mehr Zuhörer/innen. Verdient hätten sie es auf jeden Fall.

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