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Gemeinsamkeit statt Unterschied
Bild/Illu/Video: Jenny Schwarz

Gemeinsamkeit statt Unterschied

In meiner Praxis sehe ich, dass es oft ein Problem für Menschen darstellt, wenn sie sich anders als die anderen fühlen. Häufig entsteht dann das Gefühl, dass anders zu sein nicht gut ist, irgendetwas falsch gelaufen sein könnte, andere keine derartigen Probleme haben und man der einzige Mensch ist, der diese Art von Problemen, Ängsten oder Sorgen hat.


Dann höre ich oft die Frage: «Ist das normal?» Die Antwort ist: «Es gibt kein allgemeingültiges Normal!»

Jeder hat durch seine Prägungen sein eigenes Verständnis von Normalität. Und häufig hat die eigene Familie ein sehr ähnliches «normal», da sie die gleichen Werte und Moralvorstellungen haben.

Wenn man allerdings das Gefühl bekommt anders zu ticken als die anderen führt das dazu, dass man sich einsam und nicht zugehörig fühlt.


Evolutionstechnisch ist der Wunsch dazu zu gehören sinnvoll. In der Zeit, in der unsere Vorfahren in kleinen Familienverbänden in Höhlen lebten und diese gegen Höhlenbären verteidigen mussten, gemeinsam für das Überleben und Versorgen der Gruppe verantwortlich waren, sicherte das Dazugehören und Gleichsein das Überleben. (Auch heute schafft die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe das Gefühl von Stärke und Sicherheit.)


Dem Umstand des Überlebens der Gruppe, ist es geschuldet, dass das Zugehörigkeitsgefühl als Grundbedürfnis fest in unserem Gehirn, das sich seit dieser Zeit nicht mehr veränderte, verankert ist.


Und genau das ist bereits unsere erste Gemeinsamkeit: wir alle möchten zu einer Gruppe (sei es Familie, Freundeskreis, Religionsgemeinschaft, Partei, was auch immer) dazu gehören. UND wir möchten uns nach unserem Gutdünken frei entfalten und entwickeln dürfen. Auch das eint uns.


Wir haben alle die gleichen Körperreaktionen auf Stress, Glück oder Panik. Wir haben alle hin und wieder das Gefühl «Ich schaffe das nicht!» oder «Ich will einfach meine Ruhe».


Kurzum: wir sind alle gleich, nur eben auf unsere eigene, individuelle, einzigartige Art und Weise. Oft konzentrieren wir uns allerdings oft zu sehr darauf was uns von anderen unterscheidet. Und das kann zuweilen das Gefühl erzeugen andersartig zu sein.


Das Gleiche passiert uns dann allerdings auch bei unserem Gegenüber. Da unser Gehirn (wenn wir nicht aufpassen) schnell ins Negative kippt, scannen wir andere sofort nach Unterschieden ab. Andere Meinungen sehen wir oft als Kritik an unserer eigenen Meinung. Wenn jemand einen anderen Umgang mit etwas hat, wirkt das sofort befremdlich auf uns. Das liegt daran, dass unser Gehirn gewohnte Dinge, Tätigkeiten, Reaktionen und Eigenschaften liebt und Ungewohntes vermeidet. Hinzu kommt, dass wir oft das Gefühl haben es gäbe ein richtig oder falsch und daher kann nur einer im Recht sein. Wie wir allerdings schon bei der Klärung vom Begriff «normal» gesehen haben, ist auch die Unterscheidung von richtig und falsch jedem Einzelnen überlassen.


Unser Ego, das versucht sich selbst zu rechtfertigen, in dem es zwischen uns und Menschen mit anderen Ansichten eine Grenze zieht, tut sein Übriges um Spaltungen zu begünstigen.


Wenn wir einsehen, dass auch Menschen mit anderen Meinungen, Hautfarben, Religionen, Pässen, anderem Körpergewicht, Behinderungen oder Krankheiten, finanziellen Mitteln letztendlich alle Eltern, Freunde, Verwandte haben, die sie lieben, sich genau wie wir selbst frei entfalten möchten und in gewisser Weise auch mal an sich zweifeln, dann fällt auf, dass egal welch unterschiedliche Leben wir führen, wir alle «aus dem gleichen Holz geschnitzt sind».

Unser «Problem» ist, dass wir auf Unterschiede mehr Wert legen, als auf das was uns eigentlich alle verbindet.


Also: lasst anderen ihre Meinung, ihre Ansichten und ihre Art zu leben und besinnt euch darauf, dass wir alle Lebewesen auf diesem Planet sind mit Hoffnungen, Wünschen und dem Bedürfnis so angenommen zu werden wie wir sind.

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